Friedrich Merz und die Bürgerversicherung: Ricarda Lang von Kanzler-Worten überrumpelt - "Merz hatte aus Versehen eine gute Idee!"

Da staunte Ricarda Lang von den Grünen ebenso wie die SPD: Plötzlich findet Friedrich Merz die Idee einer Bürgerversicherung als Ausweg aus der Zwei-Klassen-Medizin gar nicht so schlecht. Ricarda Langs Reaktion bei Instagram ließ nicht lange auf sich warten.

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Friedrich Merz' Aussage zur Idee einer Bürgerversicherung anstelle einer Zwei-Klassen-Medizin ließ Grünen-Politikerin Ricarda Lang staunend zurück. (Foto) Suche
Friedrich Merz' Aussage zur Idee einer Bürgerversicherung anstelle einer Zwei-Klassen-Medizin ließ Grünen-Politikerin Ricarda Lang staunend zurück. Bild: picture alliance/dpa | Soeren Stache
  • Friedrich Merz plädiert für Bürgerversicherung statt Zwei-Klassen-Medizin
  • Ricarda Lang staunt über Bundeskanzler: "Friedrich Merz hatte aus Versehen eine gute Idee"
  • Merz benennt "Gerechtigkeitsproblem" bei gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen

Als Bundeskanzler hat Friedrich Merz derzeit etliche Baustellen zu beackern, die neben rapide sinkenden Zustimmungswerten für seine CDU und dem sich in den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg abzeichnenden Rechtsruck im Land für zusätzlichen Druck auf den CDU-Chef sorgt. Ein steter Quell des Zoffs in der Regierung ist das angeschlagene Gesundheitssystem, was Schwarz-Rot mittels Reformen wieder flott kriegen will. Nun überraschte Friedrich Merz vor laufenden Kameras mit einer Aussage, die bei Grünen-Politikerin Ricarda Lang für Staunen sorgte und die 32-Jährige zu einer Reaktion bei Instagram bewegte.

Friedrich Merz lässt Ricarda Lang staunen: "Aus Versehen eine gute Idee gehabt"

"Breaking News: Friedrich Merz hatte aus Versehen eine gute Idee", spottete die Grünen-Politiker in ihrem Instagram-Reel drauflos. "Friedrich Merz ist jetzt auch für die Bürgerversicherung. Also fast." Als Beleg fügte Ricarda Lang einen O-Ton des Bundeskanzlers aus einer Pressekonferenz vom 21. September an, in dem Friedrich Merz im Bezug auf das Gesundheitswesen sagte, dass ein "Gerechtigkeitsproblem" vorliege, wenn sich der Eindruck verfestige, dass privat Versicherte sofort jede Leistung bekämen und gesetzlich Versicherte Wochen und Monate warten. Es gebe gute Gründe für beide Systeme, so der Bundeskanzler. Aber wenn die Bevölkerung das als ein so massives Problem ansehe, "dann müssen wir daran etwas ändern". Ein Regierungssprecher machte klar, der Kanzler habe das System der Krankenversicherung damit nicht infrage gestellt.

Grünen-Politikerin erstaunt über Bundeskanzler-Worte zu Bürgerversicherung-Idee

Bei Ricarda Lang rannte Merz mit diesen Worten offene Türen ein: "Ja, willkommen in der Realität, Friedrich!", so die Grünen-Politikerin mit einem spöttischen Unterton. "Denn tatsächlich ist es so, dass es in unserem Gesundheitssystem ein großes Gerechtigkeitsproblem gibt." Die Einzelheiten der nicht schönzuredenden Misere schilderte Ricarda Lang wie folgt:

  • "Zum einen entscheidet sich die Frage, ob und wie schnell ich einen Termin beim Arzt bekomme, häufig daran, ob ich gesetzlich oder privat versichert bin."
  • "Zum anderen sind die Kosten oft ungerecht verteilt. So mussten zum Beispiel für die Krankenhausreform allein die gesetzlich Versicherten aufkommen."
  • "Eine Bürgerversicherung, also eine Versicherung für alle, wäre also tatsächlich mal eine Reform, die nicht nur ein Chiffre für Kürzungen ist, sondern konkret unsere Gesundheitsversorgung und damit unser Leben besser machen würde."
  • "Natürlich wäre das bei dieser Regierung zu schön, um wahr zu sein, deshalb ist der Bundeskanzler direkt wieder zurückgerudert. Aber ich würde sagen, so schnell lassen wir ihn nicht aus der Verantwortung, da nehmen wir ihn beim Wort."
  • "Denn wie gut wäre es, wenn sich die Behandlung nach dem Bedarf und nicht dem Versichertenstatus richtet, wenn wir Schluss machen mit der Zwei-Klassen-Medizin und wenn alle in eine Bürgerversicherung einzahlen - auch Selbstständige, auch Beamte und ja, auch Abgeordnete. Denn ich glaube, manche Debatte im Bundestag über die Sozialversicherung würde anders laufen, wenn die, die darüber entscheiden, auch darauf angewiesen wären."

Schwarz-rote Verwunderungen nach Merz-Vorstoß zu Bürgerversicherung statt Zwei-Klassen-Medizin

Ähnlich erstaunt wie Ricarda Lang zeigten sich auch Friedrich Merz' Koalitionspartner aus der SPD, wo die Kanzlersätze unterschiedliche - leicht überrumpelte - Reaktionen auslösten. Die SPD setze sich ja "seit vielen, vielen Jahren" für eine Bürgerversicherung für alle ein, sagte Fraktionschef Matthias Miersch. Eine plötzliche Mehrheit dafür sehen die Sozialdemokraten nicht wirklich. Aber es könnte ein Momentum sein, Dinge auf den Weg zu bringen, um zumindest mehr Gerechtigkeit zu haben, sagte Miersch. SPD-Experte Christos Pantazis schlug vor, einen "solidarischen Ausgleich" zwischen der gesetzlichen und privaten Pflegeversicherung anzugehen. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann sagte, es gehe um Terminvergaben, was in der Koalition schon identifiziert sei.

Das sagen die Krankenversicherungen zum Vorschlag einer Bürgerversicherung als Ersatz für gesetzlich und privat

Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen betonte, Gerechtigkeit in der Versorgung bedeute, dass Patienten allein nach medizinischer Dringlichkeit Termine bekommen. Dazu brauche es eine tagesaktuelle Plattform, in die alle Praxen einen festen Anteil ihrer Termine einstellen. Und dann sollte auch nicht mehr gefragt werden dürfen, ob man gesetzlich oder privat versichert ist. Der Verband der Privaten Krankenversicherung begrüßte es, dass die Kanzler-Äußerungen klargestellt worden seien. Merz könne jetzt zeigen, dass er es ernst meine und müsse allen SPD-Überlegungen für einen Finanzausgleich zwischen den beiden Pflegeversicherungen einen Riegel vorschieben.

Deshalb teilt sich Deutschland in privat und gesetzlich Krankenversicherte auf

Das duale Krankenversicherungssystem mit zwei Säulen in Deutschland ist historisch gewachsen - und seit Jahrzehnten ein Reizthema in der politischen Auseinandersetzung. Dabei sichern die gesetzlichen Kassen mit 58,7 Millionen beitragszahlenden Mitgliedern und 15,8 Millionen Mitversicherten den Großteil der Bevölkerung ab. Privat versichert sind 8,8 Millionen Menschen, darunter Beamte, Selbstständige und Freiberufler. Ein praktischer Unterschied ist, dass Privatpatienten Leistungen zuerst selbst zahlen und dann erstattet bekommen.

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/news.de/dpa

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