Björn Höcke: AfD-Coup gegen Mario Voigt? Höcke bietet Wagenknecht die Macht in Thüringen an

Sahra Wagenknecht steht plötzlich vor einem brisanten Angebot: Björn Höcke will sie zur Ministerpräsidentin von Thüringen machen. Dafür müsste sie allerdings die Zusammenarbeit mit CDU und SPD beenden und sich auf die AfD einlassen. Höcke setzt die BSW-Gründerin damit massiv unter Zugzwang.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Höcke macht Wagenknecht ein irres Angebot – plötzlich soll sie Ministerpräsidentin werden (Foto) Suche
Höcke macht Wagenknecht ein irres Angebot – plötzlich soll sie Ministerpräsidentin werden Bild: Katharina Kausche/dpa/dpa
  • Björn Höcke bietet Sahra Wagenknecht den Spitzenjob
  • AfD und BSW hätten rechnerisch in Thüringen die Mehrheit
  • Ministerpräsident Mario Voigt kämpft um sein politisches Überleben

Björn Höcke sorgt in Thüringen für einen politischen Paukenschlag. In einer Video-Botschaft auf der Plattform X reicht der AfD-Fraktionschef ausgerechnet Sahra Wagenknecht die Hand und bietet ihr nichts Geringeres als das Amt der Ministerpräsidentin an. Gleichzeitig gerät CDU-Regierungschef Mario Voigt nach dem endgültigen Entzug seines Doktortitels immer stärker unter Druck.

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Thüringer AfD-Chef mit explosivem Angebot an Sahra Wagenknecht

"Ich reiche Ihnen die Hand", erklärt Höcke in dem Video. Wagenknecht solle die Chance nutzen und "ein neues Kapitel in der Parteiengeschichte der Bundesrepublik Deutschland" aufschlagen.

Der Vorstoß kommt zu einem politisch äußerst brisanten Zeitpunkt. Höcke verknüpft sein Angebot zudem ausdrücklich mit der bevorstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 und bringt damit nicht nur Wagenknecht, sondern auch die Thüringer Brombeer-Koalition aus CDU, BSW und SPD in Bedrängnis.

Der Hintergrund des überraschenden Manövers ist die Doktortitel-Affäre um Mario Voigt. Die Technische Universität Chemnitz hat den Widerspruch des Thüringer Ministerpräsidenten gegen den Entzug seines Doktortitels zurückgewiesen. Damit verliert der CDU-Politiker seinen akademischen Grad endgültig. Für Höcke ist das die Gelegenheit zum Angriff.

In seiner Video-Botschaft bezeichnet der AfD-Fraktionschef Voigt als "einen Mann, der wirklich jede Glaubwürdigkeit verloren hat und der sich trotzdem an sein Amt klammert". Die AfD-Fraktion kündigte im Zuge der Affäre bereits an, erneut ein konstruktives Misstrauensvotum gegen den Ministerpräsidenten auf den Weg bringen zu wollen. Dabei hatte die AfD einen solchen Vorstoß bereits im Februar unternommen. Damals trat Höcke selbst als Kandidat für das Ministerpräsidentenamt an – ohne Erfolg. Nun versucht er es mit einer überraschenden Alternative: Sahra Wagenknecht.

"Schreiten Sie doch mal zur Tat!" Björn Höcke fordert Sahra Wagenknecht heraus

Höcke nimmt die BSW-Gründerin direkt ins Visier. Wagenknecht kommentiere zwar "durchaus des Öfteren klug das Geschehen", bleibe letztlich aber "von der Seitenlinie" aus Zuschauerin. Damit müsse nun Schluss sein. "Schreiten Sie doch mal zur Tat", fordert Höcke die BSW-Gründerin auf. Wagenknecht solle "staatspolitische Verantwortung" übernehmen. Gleichzeitig attackiert er das BSW. Die Partei sei in Thüringen zur "jüngsten Kartellpartei" geworden, weil sie weiterhin die Regierung Voigt mittrage. Wagenknecht müsse den Thüringern und Sachsen-Anhaltern beweisen, "dass das BSW doch keine Kartellpartei ist". Besonders auffällig: Höcke setzt sich selbst und Wagenknecht einen engen Zeitrahmen. Sein Vorstoß soll noch vor dem 6. September Wirkung entfalten. "Lassen wir uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Demokratie in Deutschland wieder lebendig wird", sagt Höcke.

Könnten AfD und BSW Voigt stürzen?

Rein rechnerisch ist Höckes Plan durchaus interessant. Die AfD verfügt im Thüringer Landtag über 32 Mandate. Das BSW kommt auf 15 Sitze. Gemeinsam wären das 47 Stimmen. Im 88-köpfigen Landtag reichen 45 Stimmen für eine absolute Mehrheit. Doch genau hier liegt der entscheidende Punkt: Ein konstruktives Misstrauensvotum funktioniert in Thüringen nicht einfach nach dem Prinzip "Regierung raus". Das Parlament muss gleichzeitig einen Nachfolger mit absoluter Mehrheit wählen. Es bräuchte also nicht nur genügend Stimmen gegen Voigt, sondern auch genügend Stimmen für eine neue Ministerpräsidentin. Genau daran scheiterte der AfD-Vorstoß im Februar. Höcke stellte sich selbst als Kandidaten auf, konnte dafür aber keine Mehrheit organisieren. Nun präsentiert er Wagenknecht als mögliche Alternative.

Wagenknecht und die AfD: Ein brisantes politisches Spiel

Dass Höcke ausgerechnet Wagenknecht umwirbt, kommt nicht völlig überraschend. Im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hatte Wagenknecht zuletzt Signale ausgesendet, die bundesweit für Aufmerksamkeit sorgten. Ihre Partei könnte einem AfD-Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten in Magdeburg durch eine Enthaltung im entscheidenden Wahlgang den Weg ebnen. Höcke greift diese Überlegungen nun auf und dreht den Spieß um. Statt das BSW lediglich als möglichen Mehrheitsbeschaffer zu betrachten, bietet er Wagenknecht selbst die politische Hauptrolle an. Allerdings nicht in Sachsen-Anhalt, sondern in Thüringen. Für Wagenknecht wäre das ein gewaltiger Schritt. Sie müsste dafür mit der bisherigen Brombeer-Koalition brechen und sich auf eine Mehrheit einlassen, die auf Stimmen der AfD angewiesen wäre. Genau darin liegt offenbar Höckes Kalkül.

Höcke setzt Wagenknecht unter Zugzwang

Das Angebot ist deshalb nicht nur als konkrete Machtoption zu verstehen. Es ist zugleich ein politischer Test für Wagenknecht und das BSW. Nimmt sie das Angebot an, könnte Höcke behaupten, die BSW-Gründerin habe sich endgültig für eine Zusammenarbeit mit der AfD entschieden. Lehnt sie ab, kann die AfD wiederum argumentieren, Wagenknecht sei trotz ihrer Kritik an den etablierten Parteien nicht bereit, tatsächlich politische Verantwortung zu übernehmen. Für die BSW-Gründerin ist die Situation damit ausgesprochen unangenehm. Höcke versucht, sie in ein politisches Dilemma zu manövrieren und nutzt gleichzeitig die Krise um Voigt, um seine eigene Fraktion als Machtfaktor in Thüringen zu präsentieren.

Von "genialem Schachzug" bis scharfer Kritik: So reagieren AfD-Anhänger auf den Höcke-Vorstoß

In der Kommentarspalte sorgte Höckes Video für teils heftige Reaktionen. Einige Nutzer feierten den Vorstoß als taktischen Coup. "Entweder der Mario fliegt oder die Sahra wird endgültig entzaubert. Was auch immer rauskommen mag, wird sich positiv für die AfD auswirken", hieß es etwa. Andere forderten Wagenknecht ebenfalls auf, das Angebot anzunehmen. Doch es gibt auch deutlichen Gegenwind. "Sie arbeiten also plötzlich mit Sozialisten zusammen?", empörte sich ein Nutzer. Andere zweifelten daran, dass Höcke sein Angebot überhaupt ernst meint: "Wenn er es wirklich wollen würde, hätte er sie angerufen und kein Video daraus gemacht." Auch Wagenknechts Eignung für das Amt wurde in den Kommentaren infrage gestellt: "Sahra Wagenknecht darf NIEMALS politische Verantwortung in dieser Republik tragen!" Die Reaktionen zeigen: Höckes Vorstoß sorgt nicht nur in der Thüringer Landespolitik für Gesprächsstoff.

Was hinter Höckes Wagenknecht-Coup steckt

Politisch ist der Vorstoß gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert. Höcke versucht, die Krise um Mario Voigt für die AfD zu nutzen. Gleichzeitig stellt er das BSW vor eine schwierige Entscheidung und greift die Partei dort an, wo Wagenknecht besonders empfindlich getroffen werden könnte: bei der Frage, ob sie tatsächlich bereit ist, ihre politische Macht auch einzusetzen. Ob Wagenknecht das Angebot tatsächlich ernsthaft erwägt, ist damit allerdings noch längst nicht gesagt. Fest steht nur: Mit seinem Video hat Höcke einen neuen Machtkampf in Thüringen eröffnet. Und plötzlich steht nicht mehr nur die Frage im Raum, ob Mario Voigt Ministerpräsident bleibt. Es geht auch darum, ob Sahra Wagenknecht bereit wäre, mit Unterstützung der AfD selbst nach dem Spitzenjob in Thüringen zu greifen.

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