29.04.2020, 15.08 Uhr

Virologen in der Corona-Krise: Glauben wir Deutschen unseren Virologen nicht mehr?

Schwindet das Vertrauen der Bevölkerung in unsere Virologen wirklich? Nicht immer sind Deutschlands Top-Virologen einer Meinung. Eine Tatsache, die vor allem so manchen Politiker zweifeln lässt. Doch was sagen die Deutschen? Haben Sie das Vertrauen in unsere Virologen tatsächlich verloren?

Charité-Chefvirologe Christian Drosten. Bild: dpa

Virologen sind aktuell gefragter als Promis. Sie stehen im Kampf gegen das neuartige Coronavirus an vorderster Front. Regelmäßig versorgen uns Deutschlands Top-Virologen Christian Drosten (Charité), Alexander Kekulé (Uniklinik Halle) und Hendrik Streeck (Universität Bonn) mit neuen Informationen rund um das Virus. Die Top-Virologen beraten in dieser schweren Zeit auch die Bundesregierung. Was sie forderten, wurde kurz darauf umgesetzt. Dabei sind die Experten jedoch nicht immer einer Meinung, was bei vielen Deutschen dazu führt, die Aussagen der Virologen infrage zu stellen. Immer mehr Deutsche, darunter auch Politiker, fragen sich mittlerweile: Kann ich mich auf unsere Virologen verlassen?

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Coronavirus-News aktuell: Armin Laschet stellt deutsche Virologen in Frage

Einer, der zuletzt immer wieder heftig gegen Deutschlands Top-Virologen austeilte, ist NRW-Chef Armin Laschet (59, CDU). Zuletzt stellte er die Prognosen der Experten, die im März mit Horror-Szenarien vor der ersten Infektionswelle warnten, im ARD-Talk bei "Anne Will" öffentlich infrage. "Ich habe zwei, drei Wochen vor Ostern mit Virologen gesprochen. Die haben gesagt: Der Peak kommt." Aber: "Er ist NICHT gekommen!", polterte der Länderchef.

Gerät der Glaube an Christian Drosten und Co. ins Wanken?

Tatsächlich geht aus neuen Daten des Robert-Koch-Instituts hervor, dass die Zahl der Neuinfektionen bereits Mitte März ihren Höhepunkt erreicht hatte. Erst danach beschloss die Politik die Schließung der Kitas und Schulen und verhängte ein Kontaktverbot.

Ein Mann, der im Kampf gegen die Corona-Pandemie besonders häufig zu Wort kommt, ist Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité. Sein Spezialgebiet: neuartige Viren. Für den "Tagesspiegel" ist er "Deutschlands einflussreichster Arzt", die "Süddeutsche Zeitung" betitelt ihn als "Corona-Aufklärer der Nation". Er will von all der Kritik nichts wissen und steht weiter hinter dem Knallhart-Kurs der Regierung. Im Gespräch mit dem österreichischen Fernsehsender ORF warnte der Virologe erst kürzlich vor einer neuen Infektionswelle, sollte man die Corona-Maßnahmen zu früh lockern.

Meinung der Virologen nicht mehr unumstößlich

Allerdings scheint auch Drostens Meinung längst nicht mehr unumstößlich. Noch Anfang März hatte sich der Experte gegen eine Schulschließung ausgesprochen, so berichtet es die "Bild"-Zeitung. Man solle sich diese Maßnahme für Herbst aufheben, "jetzt wäre es wohl noch zu früh", sagte er damals. Zehn Tage später kam alles anders und Drosten ruderte zurück: "Ich glaube, dass das richtig ist", zitiert "Bild" den Virologen. Auch die Bundesregierung zeigte sich angesichts der Kehrtwende verunsichert. "Das war jetzt aber ein typischer Drosten", soll Angela Merkel laut "Bild" gesagt haben, als Drosten dem Kabinett schließlich doch Schulschließungen nahelegte.

Auch unter den Virologen scheinen die Meinungen im Kampf gegen das Coronavius auseinanderzugehen. Zuletzt kritisierte Drosten öffentlich das Vorgehen von Laschets Virus-Berater Hendrik Streeck (42). Dessen Handeln habe "mit guter wissenschaftlicher Praxis nichts mehr zu tun".

Virologen verunsichern Bevölkerung und Politiker mit neuen Meinungen

Die andauernd neuen Meinungen der Virologen würden zu Verunsicherungen führen, erklärte Laschet zuletzt. "Wir haben dauernd die Bedingungen verändert!", so der Politiker, der die Corona-Maßnahmen in seinem Land am liebsten ganz schnell aufheben würde. Eine Tatsache, die zuletzt auch den Virologen Alexander Kekulé (61) mächtig aufbrachte und "alles für verrückt erklärte, was die Politik macht".

Laschet poltert gegen Virologen! NRW-Chef will zurück zur Normalität - doch Deutschland denkt anders

Fakt ist: Laschet will den Lockdown schnellstmöglich hinter sich lassen. "Die harten Maßnahmen haben massive Folgen", mahnt der NRW-Chef. "Kindeswohlgefährdungen, verschobene Operationen, Angst vor Massenarbeitslosigkeit, Depression und Einsamkeit." Zuletzt forderte er im Gespräch mit "Bild", endlich über die Nebenwirkungen des Zwangs-Stillstands zu sprechen. Für seine Forderungen, die Maßnahmen endlich zu lockern, stieß der NRW-Boss zuletzt jedoch auf heftige Kritik. Ein Hinweis darauf, dass die Menschen offenbar doch noch Vertrauen in unsere Virologen haben, allen voran in Christian Drosten, dessen NDR Info Podcast seit Wochen zu den meist gehörten Podcasts in Deutschland gehört.

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sba/bua/news.de

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