Hantavirus an Bord von Kreuzfahrtschiff: "MV Hondius" in Teneriffa angekommen - so geht es für die Virus-Passagiere weiter
Drei Tote, sechs Infizierte und über 140 Menschen in der Virus-Falle: Das Kreuzfahrtschiff "MV Hondius" ist in Teneriffa angekommen, wo nun eine der aufwendigsten Evakuierungsaktionen seit der Corona-Pandemie läuft – unter den Augen des WHO-Chefs persönlich.
Erstellt von Claudia Löwe - Uhr
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- Ausbruch von Hantavirus an Bord der "MV Hondius" - drei Todesopfer und mehrere nachgewiesene Infektionen unter Passagieren
- Kreuzfahrtschiff in Teneriffa angekommen
- "MV Hondius" wird im Hafen von Granadilla evakuiert - WHO-Chef überwacht Einsatz
Das vom Hantavirus betroffene Expeditionskreuzfahrtschiff "MV Hondius" hat am frühen Morgen des 10. Mai 2026 den Hafen von Granadilla im Süden von Teneriffa erreicht. Der staatliche Fernsehsender RTVE übertrug die Ankunft live. An Bord befinden sich mehr als 140 Passagiere und Besatzungsmitglieder, darunter mehrere Deutsche, die seit Tagen wegen des Virusausbruchs auf dem Schiff festsitzen.
Hantavirus-Kreuzfahrtschiff in Teneriffa angekommen - drei Todesopfer unter den Passagieren
Die Bilanz des Ausbruchs ist tragisch: Drei Menschen sind während der Fahrt gestorben – ein älteres niederländisches Ehepaar sowie eine deutsche Frau. Nach Angaben der WHO gibt es sechs bestätigte Infektionen mit der südamerikanischen Andes-Variante des Hantavirus sowie zwei weitere Verdachtsfälle.
Ursprünglich sollte das Schiff aus Sicherheitsgründen vor dem Hafen ankern. Die spanische Handelsmarine genehmigte jedoch in der Nacht die direkte Einfahrt. Bei Tagesanbruch startete die aufwendig geplante Evakuierungsmission unter Aufsicht hochrangiger Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen.
"Hondius"-Passagiere müssen strenge Kontrollen vor dem Verlassen des Schiffes über sich ergehen lassen
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Bevor die Passagiere von Bord gehen dürfen, untersucht medizinisches Personal jeden Einzelnen auf akute Krankheitssymptome. Laut den spanischen Behörden zeigt derzeit niemand an Bord Anzeichen einer Infektion. Die Ausschiffung erfolgt in kleinen Gruppen von maximal fünf Personen. Alle müssen dabei FFP2-Schutzmasken tragen, wie Gesundheitsministerin Mónica García mitteilte. Das Gepäck bleibt größtenteils zurück: Nur leichtes Handgepäck darf mitgenommen werden. Die Koffer der Reisenden verbleiben zunächst auf dem Schiff und werden dort desinfiziert. Erst danach sollen sie den Passagieren nachgeschickt werden. Diese Maßnahmen sollen verhindern, dass möglicherweise kontaminierte Gegenstände unkontrolliert an Land gelangen. Als erste Gruppe sollen die 14 spanischen Passagiere das Schiff verlassen. Die übrigen Nationalitäten folgen nach einem festgelegten Plan, sobald ihre jeweiligen Rückführungsflüge bereitstehen.
So geht es für die Kreuzfahrtgäste der "Hondius" jetzt weiter
Die Passagiere werden mit Bussen zum nur wenige Autominuten entfernten Flughafen Teneriffa Süd gebracht. Dort steigen sie ohne jegliche Abfertigung direkt in die bereitstehenden Maschinen. Der gesamte Transport erfolgt in versiegelten und eskortierten Fahrzeugen durch einen vollständig abgesperrten Korridor.
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Laut WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus werden die Evakuierten keinen Kontakt zur lokalen Bevölkerung haben. Sämtliche Flüge sollen am 10. und 11. Mai starten, da anschließend eine Schlechtwetterfront erwartet wird. Die Rückführung der deutschen und anderen europäischen Passagiere ist gesichert. "Ich kann bestätigen, dass die Rückführungsflüge nach Frankreich, Deutschland, Belgien, Irland und in die Niederlande bereits geplant sind", erklärte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska. Die spanischen Passagiere werden mit einer Militärmaschine nach Madrid geflogen. Von deutschen Behörden lagen zunächst keine genauen Angaben zur Rückführung vor.
Kreuzfahrtgäste müssen wochenlang in Quarantäne
Nach der Ankunft in ihren Heimatländern müssen sämtliche Passagiere in Quarantäne. Eine Entwarnung ist wegen der langen Inkubationszeit des Hantavirus erst nach mehreren Wochen möglich. Großbritannien hat bereits konkrete Pläne für seine Staatsbürger vorgelegt. Die 24 Briten und zwei Iren sollen im Arrowe Park Hospital nahe Liverpool untergebracht werden. Wie der Nationale Gesundheitsdienst NHS mitteilte, verbringen sie dort zunächst 72 Stunden. Anschließend wird über die weitere Isolierung entschieden. Keiner der britischen Reisenden zeigt bisher Symptome.
Das Krankenhaus diente bereits zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 als Quarantäneeinrichtung. Damals wurden dort aus dem chinesischen Wuhan und vom Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" heimkehrende Briten isoliert. Auch die deutschen Passagiere werden nach ihrer Rückkehr unter Beobachtung gestellt. Genaue Details zu den Quarantänemaßnahmen in Deutschland wurden bislang nicht bekannt gegeben.
WHO-Chef gibt Entwarnung: Keine neue Virus-Pandemie durch Hantavirus zu befürchten
Der Leiter der Weltgesundheitsorganisation wandte sich direkt an die besorgte Bevölkerung Teneriffas. "Das ist nicht ein neues Covid", betonte Tedros Adhanom Ghebreyesus der "Bild" zufolge. Das Risiko für die Inselbewohner sei gering, zumal an Bord kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei.
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Gemeinsam mit der spanischen Gesundheitsministerin Mónica García und Innenminister Fernando Grande-Marlaska überwacht der WHO-Chef die komplizierte Evakuierungsaktion vor Ort. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC stuft das Risiko einer Ausbreitung des Andesvirus in der Bevölkerung als "sehr gering" ein.
Sobald alle Passagiere von Bord sind, setzt die "Hondius" ihre Fahrt in die Niederlande fort, unter deren Flagge sie fährt. Dort wird das Schiff desinfiziert. Auch der Leichnam der verstorbenen Deutschen wird erst in den Niederlanden an Land gebracht – nicht auf Teneriffa.
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loc/news.de/dpa/stg
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