Kreuzfahrtschiff-Virus: Warum ist die neue Hantavirus-Variante so viel gefährlicher?
Das Kreuzfahrtschiff "Hondius" befindet sich nun auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln. Unter den Passagieren ist eine neue Variante des Hantavirus ausgebrochen. Doch was genau macht die Virusvariante so tödlich?
Von news.de-Redakteur Felix Schneider - Uhr
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- Eine neue Variante des Hantavirus breitet sich derzeit an Bord der Hondius aus
- Die Krankheit beginnt mit unspezifischen Symptomen wie bei einer Grippe
- Besonders beunruhigend ist, dass die neue Variante offenbar tödlicher verläuft
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Bereits drei Menschen sind an Bord der "Hondius" an einer neuen Variante des Hantavirus verstorben – die Behörden versuchen nun, weitere Erkrankte sowie mögliche Überträger des Virus schnellstmöglich ausfindig zu machen, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Warum ist gerade diese neue Variante des Virus so gefährlich?
An welchen Symptomen erkennt man die Erkrankung?
Eine Infektion mit einem Hantavirus ist praktisch kaum zu erkennen - Grund dafür ist die Ähnlichkeit der Symptome zu Grippeviren. So treten laut RKI ähnlich wie bei einer völlig gewöhnlichen Grippeinfektion unter anderem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf. Das sorgt dafür, dass das Virus zunächst als nicht besonders gefährlich wahrgenommen wird. Allerdings kann der Verlauf unterschiedlich stark ausfallen – bei einigen Menschen kann eine Infektion auch tödlich enden.
Wie groß die Gefahr für Infizierte ist, hängt zunächst vom Typ ab: Die zwei häufigsten durch Hantaviren ausgelösten Erkrankungen sind einerseits das Hantavirus-induzierte (kardio-)pulmonale Syndrom (HPS bzw. HCPS) und dashämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS). Bei Letzterem können neben den üblichen Beschwerden auch starke Nierenprobleme bis sogar Nierenversagen auftreten.
Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC treten die Symptome innerhalb eines Zeitraums von einer bis acht Wochen bei HPS beziehungsweise ein bis zwei Wochen bei HFRS auf. Da die Inkubationszeit so lang ist und Symptome erst spät auftreten, ist es möglich, dass sich die Betroffenen auch an Land angesteckt haben. Gleichzeitig könnten einige Passagiere, die das Schiff bereits verlassen haben, infiziert sein, ohne es zu wissen.
Was macht die neue Hantavirus-Variante so tödlich?
Der Verlauf bei der Andes-Variante des Virus ist deutlich gefährlicher als typische Hantavirus-Infektionen, wie sie auch im deutschen Raum vorkommen. In der Regel kommt es bei so gut wie jeder infizierten Person zu Fieber und bei vielen auch zu Nierenschäden, einige müssen in diesem Fall dann auch an die Dialyse. Im Vergleich zu Infektionen mit der Andes-Variante sind diese Verläufe trotzdem noch "mild": Bei der neuen Variante kommt es zu so schweren Fällen, dass Betroffene oftmals Kreislaufunterstützung sowie künstliche Beatmung benötigen - der gesamte Körper kollabiert sozusagen. Das Sterberisiko kann Untersuchungen zufolge bis zu 40 Prozent betragen.
Hantaviren werden üblicherweise von Nagetieren über Kot, Urin und Speichel übertragen - Mensch-zu-Mensch-Übertragungen wurden praktisch erst mit der Andes-Variante in Betracht gezogen. Für einen solchen Übertragungsweg spricht allerdings, dass mehrere Passagiere des Schiffs am Andes-Stamm erkrankt sind - sollte das der Fall sein, macht das die neue Variante umso gefährlicher. Es ist allerdings bislang nicht auszuschließen, dass die Passagiere unabhängig voneinander vom selben Nagetier an Bord oder an Land infiziert wurden.
Wie kann man sich vor dem Hantavirus schützen?
Echten Schutz vor dem Virus gibt es allerdings kaum. Da die Infektion über Ausscheidungen von Nagetieren geschieht, sind Handschuhe und FFP2-Masken sinnvoll, wenn in Umgebungen gearbeitet wird, in denen beispielsweise mit Mäuse- oder Rattenkot gerechnet werden muss. So können etwa Garagen oder Abstellkammern ein gewisses Risiko bergen.
Einen zugelassenen Impfschutz gibt es bislang weder in Deutschland noch in der EU. In China und Südkorea gibt es Impfstoffe gegen lokale Varianten des Hantavirus, vor westlichen Virustypen können diese allerdings nicht schützen.
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sfx/bua/news.de
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