20.04.2020, 10.13 Uhr

Coronavirus News aktuell: Hoden speichern Coronaviren! Erkranken Männer deshalb schwerer?

Es gibt vieles, was wir über das neuartige Coronavirus noch nicht wissen. Ständig finden Virologen und Epidemologen Neues zum Sars-CoV-2- Erreger heraus. Indische Forscher machten nun eine besonders spannende Entdeckung.

Neues aus der Coronavirus-Forschung: Zwei indische Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass sich das Coronavirus besonders wohl in Männerhoden fühlt. Bild: Erica Smit/AdobeStock

Dass Männer öfter unter schweren Verläufen der Covid-19-Erkrankung leiden als Frauen, war bereits bekannt. Nicht bekannt war hingegen, womit das genau zusammenhängt. Studien in Indien und den USA könnten eine Antwort auf diese Frage gefunden haben.

Coronavirus-News aktuell: Studie zu Covid-19 bei Männern und Frauen

Die Studie wurde von Dr. Aditi Shastri, einem Onkologen des "Montefiore Medical Center" in der Bronx, New York, und seiner Mutter Jayanthi Shastri, einer Mikrobiologin am Kasturba-Krankenhaus für Infektionskrankheiten in Mumbai durchgeführt. Mit überraschenden Ergebnissen: Der Sars-CoV-2-Erreger hält sich offenbar besonders lang im Hodengewebe.Das berichtet die "Sun" am Montag.

Coronavirus-Studie findet ACE2-Proteine in Männerhoden

Das liegt am Vorhandensein eines bestimmten Enzyms, das das Coronavirus zum Andocken benötigt. Dabei handelt es sich um das sogenannte Angiotensin-konvertierende Enzym 2 (ACE2), das als Rezeptor für das Virus fungiert, an dem es sich mit den Zellen verbinden kann.

Diese ACE2-Proteine sind zu Hauf in Lungen, Herz und Innereien des Menschen zu finden. Doch auch in den Testikeln kommen jede Menge der Angiotensin-konvertierende Enzyme 2 vor, während in den Eierstöcken von Frauen nur kleine Mengen nachzuweisen waren.

Männer erkranken im Durchschnitt schwerer an Covid-19 als Frauen

Die Forscher Shastri sehen darin einen möglichen Faktoren, der dafür verantwortlich sein könnte, dass Männer oft schwerer an Covid-19 erkranken und länger brauchen als Frauen, um sich von den Folgen der Krankheit zu erholen. Allein in Großbritannien starben von 100.000 Erkrankten 1.728,2 und 840,9 Frauen an Covid-19. 

Eine Pilotstudie bezüglich der Genesungszeit ergab, dass Frauen im Schnitt vier Tage benötigten, um sich von der Infektion zu erholen. Männer brauchten 50 Prozent länger, nämlich 6 Tage. Getestet wurden Männer und Frauen zwischen 3 und 75 Jahren mit einem Durchschnittsalter von 37 Jahren.

Sars-Cov-2-Wissenschaftler zweifelt Hoden-Theorie an

Es gibt jedoch auch kritische Stimmen, die das Ergebnis der Studie anzweifeln. So glaubt der Virologe Professor Ian Jones von der "University of Reading", dass das Virus über den Blutkreislauf in die Hoden gelangen müsste, um dort anzudocken. Das sei jedoch in der Regel nicht typisch für das Virus.

Er sagt: "Der wichtigste Weg für die Replikation des Virus ist der über die Atemwege. Um andere Stellen im Körper zu erreichen, müsste das Virus über den Blutkreislauf wandern. Das ist zwar bereits vorgekommen, doch dies entspricht normalerweise nicht dem, was das Virus tut."

Höhere Sterblichkeit der Männer auf andere Faktoren zurückzuführen

Er glaubt, dass die höhere Sterblichkeit beim männlichen Geschlecht auf andere Faktoren zurückzuführen sei. "Männer haben bei Krankheiten, die das Immunsystem betreffen, oft das Nachsehen. Möglicherweise ein Resultat der Tatsache, dass sie über nur ein X-Chromosom verfügen", erklärt der Virologe.

Schon gelesen? Impfstoff-Forschung unbrauchbar? SO gefährlich sind die Corona-Mutationen.

Auch der Professor für Molekularvirologie an der Universität von Nottingham Jonathan Ball fand in seinen Untersuchungen keine Anhaltspunkte für Coronavirus-Spuren in männlichem Sperma und kam zu dem Ergebnis, dass es vermutlich "kein wichtiges Reservoir für das Coronavirus" sei. Männer können also aufatmen: Ihre Hoden sind anscheinend doch sicher.

Hier geht's zum Video über das Coronavirus.

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sig/bua/news.de

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