21.03.2012, 08.00 Uhr

ZDF-Film «Entführt»: Vertrackter Krimi-Zweiteiler an einem Stück

Im Krimi-Zweiteiler Entführt schwelen zig Konflikte: Ein Mädchen wird entführt, dessen Mutter muss den lange verstoßenen Vater um Hilfe bitten und der Kommissar kämpft mit privaten Problemen. Für die spannende Story mit Starbesetung gab es 2010 die Goldene Kamera. Das ZDF zeigt den Film heute erstmals am Stück.

FOTOS: Nina Kunzendorf Die sexy Waffe des «Tatorts»
zurück Weiter Nina Kunzendorf (Foto) Foto: HR/Johannes Krieg Kamera

Es ist ein packender, aufwühlender Krimi, den das ZDF heute Abend als Konkurrenz zum möglichen Fußballkrimi Gladbach-Bayern im Ersten aufbietet: Entführt erzählt die Kidnapping-Geschichte eines Mädchens, zeigt aber auch den Zerfall einer Familie und die Machtlosigkeit der Polizei.

Der Zweiteiler lief bereits 2009 mit großem Erfolg im Zweiten - mehr als sechs Millionen Zuschauer sahen damals jeweils zu. Jetzt zeigt das ZDF beide Teile am Stück: drei Stunden intensives Krimigeschehen, was dem Verständnis des komplizierten Falls entgegenkommt.

Denn es geht nur vordergründig um die simple Entführung eines Mädchens. Hannah (Charleen Deetz) ist das einzige Kind von Liane (Nina Kunzendorf) und Frank Bergmann (Mark Waschke) - und die Entführung scheint wie eine Bombe ins Familienidyll zu platzen. Die Klinikchirurgin und der Architekt mit dem Traum vom eigenen Büro bewohnen ein schönes Eigenheim in einem Münchner Vorort. Bei allen Alltagsproblemen lieben sich die Eheleute noch immer, und noch mehr ihre Tochter.

22 Millionen für ein entführtes Kind

Doch ausgerechnet dem Vater wird die Tochter auf dem Weg zur Schule praktisch aus den Händen weg entführt - er selbst bekommt auch etwas ab. Und es sind keine normalen Verbrecher, die da ihrem schmutzigen Handwerk nachgehen: Sie fordern nicht nur unglaubliche 22 Millionen Euro Lösegeld, sondern kennen sich auch in der Familienhistorie gut aus. Ihr Ziel scheint eher Lianes Vater Albert Targensee, der als reicher Pharma-Unternehmer anscheinend Geheimnisse mit sich herumschleppt, die bis ins Amerika der 1950er Jahre zurückreichen.

Liane hat allerdings schon seit 20 Jahren keinen Kontakt mehr zum Vater, weil sie glaubt, dass er ihre Mutter in den Selbstmord getrieben hat. Die Sorge um Hannah führt beide wieder zusammen. Der Großvater erklärt sich bereit, das Lösegeld zu zahlen und geht auch auf die Forderung der Entführer ein, den Betrag selbst zu übergeben. Doch bei der Geldübergabe rastet Liane aus, der Lieferwagen mit dem Kind macht eine Kehrtwendung - der Fall wird noch komplizierter.

Bester deutscher Fernsehfilm 2010

Ein kniffliger Krimi, den Regisseur Matti Geschonneck nach einem Buch von Hannah Hollinger und Jörg von Schlebrügge da realisiert hat. Die Autoren entwickeln mehrere Handlungsstränge: Da sind das Verhältnis Vater-Tochter, das Entführerwissen um die Familie und die alten Machenschaften von Targensee.

Liegt dort, ein halbes Jahrhundert zurück, vielleicht der Schlüssel für die Ermittlungen von Kommissar Thomas Danner (Heino Ferch)? Der geht auch nicht ganz ohne Probleme durchs Leben: Seine eigene Beziehung steht vor dem Ende und mit Liane Bergmann hat er ein widerspenstiges Opfer vor sich.

Unter manch eher unrealistischen Szene (nimmt die Polizei die Mutter eines entführten Kindes mit zur Lösegeldübergabe?) leidet dieser spannungsvolle Film kaum und wurde 2010 zu Recht als bester deutscher Fernsehfilm mit einer Goldenen Kamera ausgezeichnet. Nicht zuletzt dürfte die hochkarätige Besetzung dafür verantwortlich sein: Neben Ferch und Kunzendorf sind auch Suzanne von Borsody, Matthias Brandt und Friedrich von Thun zu sehen.

Entführt, Teil eins und zwei, Mittwoch, 21. März 2012, ab 20.15 Uhr, ZDF

zij/iwe/news.de/dpa

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