«Verbotene Liebe»: Traumpaar für Homos und Frauen

Sie geben sich einen flüchtigen Schmatzer und beteuern, wie verliebt sie sind: Christian und Olli, genannt «Chrolli». Die Schauspieler Jo Weil und Thore Schölermann stellen in Verbotene Liebe das beliebteste schwule Pärchen im deutschen TV dar. Der Erfolg führt bis nach Amerika.

Von den Fans langersehnt: Die Hochzeit von Chrolli. Dirk Bach spielt den Pfarrer. Bild: ARD

1990 gab es noch Morddrohungen. Ein Skandal - damals küssten sich Carsten (Georg Uecker) und Robert (Martin Armknecht) in der Lindenstraße. Der erste schwule Kuss in einer deutschen Fernsehserie. Wovon sich früher viele angeekelt abgewendet haben, kann die Fernsehnation heutzutage nicht genug bekommen.

Zugegeben, es sind schönere, attraktivere Männer, die nun tagtäglich auf der Mattscheibe Zärtlichkeiten austauschen. Männer, die ganz natürlich eine Einheit bilden. Christian und Oliver heißt das Traumpaar der Daily-Soap Verbotene Liebe, von den Fans «Chrolli» getauft. Das Besondere: Jetzt wird geheiratet. Und zum ersten Mal gibt sich ein homosexuelles Serienpaar in einer Kirche das Ja-Wort.

«Das ist etwas, was hoffentlich noch etwas bewegen kann», sagt Schauspieler Jo Weil alias Oliver im Gespräch mit news.de. «Ich glaube die Hochzeit war das, was sich sehr viele Fans gewünscht haben.» Das sei dem ganzen Team auch beim Dreh bewusst gewesen. «Wir haben die Trauung mit viel Liebe und Feingefühl inszeniert.»

Dass die Hochzeit ein Anlass ist, der unter Fans der Serie Vorfreude hervorruft, kann jeder im «Hochzeitsbuch» auf der Verbotenen-Liebe-Homepage nachlesen. «Wünsche euch alles Glück dieser Erde und alles Gute zu eurer Hochzeit», schreibt eine Corina. «Ich freue mich unglaublich, dass ihr zusammengefunden habt und den Bund des Lebens geschlossen habt», fügt Melissa Sarah hinzu.

Ein schwules Pärchen mit vielen weiblichen Fans? «Frauen sehen es lieber, wenn sich Männer küssen als wenn sie einen Mann und eine Frau sehen, mit der sie sich dann vergleichen», versteht Jo Weil die Zuschauerinnen. Die Fanpost sei jedoch ausgeglichen. Fifty-fifty, Frauen und Homosexuelle. Und so schreibt Marvin ins Hochzeitsbuch: «Ich wünsche euch alles Liebe und Gute zur Hochzeit. Ich bin auch schwul und ich fand es ganz besonders spannend, die Höhen und Tiefen eurer Beziehung von Anfang an verfolgen zu können ... Außerdem tragt ihr viel dazu bei, die allgemeine Akzeptanz und Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben zu fördern und helft auch, Vorurteile abzubauen.»

Seit 2007 küsst Jo seinen Schauspielkollegen Thore Schölermann, der den Christian spielt. Auch wenn der im echten Leben nicht schwul ist, eigentlich kein Problem. «Das ist halt der Job», sagt Thore nüchtern in der ZDF-Sendung Volle Kanne, obwohl er sich eigentlich gar nicht küssend im Fernsehen anschauen könne.

Von Köln zum Big Apple

Es ist ein Job, der sie manchmal aus dem Kölner Studio der Verbotenen Liebe heraus begleitet. Denn «Chrolli» sind nicht nur in Deutschland beliebt. Irgendwann haben Fans Szenen des homosexuellen Paares auf Youtube gestellt und mit Untertiteln versehen. «Das hat eine Eigendynamik entwickelt», erzählt Jo Weil. «Inzwischen gibt es die in allen Sprachen, die ich kenne.» Und so wurden «Chrolli» zum weltweiten Phänomen. Zum Fantreffen in New York kamen Deutsche, Amerikaner, Kanadier und sammelten Spenden unter anderem für die Kölner Aidshilfe.

Über die Reise zum Big Apple führten Thore und Jo als Christian und Oliver auch eine Art Videotagebuch, dass sie auf ihrem Blog chrolli.de veröffentlichten. In den Videos rücken sie kein Stück von ihren Rollen ab und so lassen sie die Fans wissen: «Wir lieben New York und wir lieben euch! Vergesst das nie!!! Aber vor allem lieben wir uns.» Und die Kommentare darunter zeugen vom Erfolg in englisch- französisch- oder spanischsprachigen Ländern.

Anders sieht es bei den Fantreffen aus. «Da bin ich ganz klar Jo», sagt der 33-Jährige. «Die Leute kommen hin, weil sie die Figuren zwar mögen, aber vor allem Fans von uns Schauspielern sind.» Obwohl die deutsche Serie in den englischsprachigen Ländern gar nicht ausgestrahlt wird, geben Jo und Thore immer mehr Interviews in Amerika oder England. Youtube sei dank. Und Jo Weil wird in New York und London auf der Straße erkannt.

Mittlerweile ist die Geschichte von «Chrolli» an eine amerikanische Produktionsfirma verkauft. Im Mutterland der Fernsehserien werden sich küssende Männer sonst nur widerwillig in Kinofilmen geduldet. Geschweige denn zwei Kerle, die zur besten Sendezeit heiraten.

In Deutschland sind Christian und Oliver jedoch in guter Gesellschaft. Denn die erste schwule Serienhochzeit gab's schon im Jahr 2003, damals noch unchristlicher, weil ohne Pfarrer. Und wie so oft war die Lindenstraße eine Vorreiterin. Den erstbesten Küsser hat Carsten jedoch nicht geheiratet, sondern erst seinen Freund Theo und später seine Langzeitliebe Käthe (Claus Vincon).

Das «Chrolli»-Ja-Wort sehen Sie bei Verbotene Liebe am Freitag, 3. September, 18 Uhr in der ARD.

ruk/news.de

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