Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber - 23.01.2011, 11.15 Uhr

Nachgehakt: Fernseher leben länger, bleiben kürzer

Der Flachbildschirm hat vier Jahre auf dem Buckel und ist schon hoffnungslos veraltet. Bei der guten alten Röhre war das anders, oder? Welche Lebenserwartung die modernen Flachmänner tatsächlich haben, lesen Sie hier.

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HDTVHochauflösendes Fernsehen. , HbbTV, 3D - diese Themen haben den TV-Markt in den vergangenen Jahren aufgemischt. In immer kürzeren Abständen drängen neue Technologien auf den Markt. Ein Fernseher scheint heute die Halbwertszeit einer Weihnachtsgans zu haben. Bei den Röhrenfernsehern war das anders: Als Monolithen im Wohnzimmer überdauerten sie zehn Jahre und mehr, ohne technisch veraltet zu sein und sie hatten nicht so viele Zipperlein wie ihre modernen Kollegen. Mythos oder Wahrheit?

Ein Blick auf die Zahlen verrät, dass moderne Flachmänner, egal ob LCDFlüssigkristallanzeige, engl. liquid crystal display oder Plasma, das Zeug zu einem langen Aufenthalt im Wohnzimmer haben. Die Lebenserwartung der Geräte liegt bei etwa 14 bis 25 Jahren, erklärt Michael Schidlack, Bereichsleiter Consumer Electronics und Digital Home vom BitkomBundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien. Dabei handelt es sich um die Lobby-Vereinigung der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche. Der Bitkom vertritt eigenen Angaben zufolge 1200 Unternehmen, darunter Geräte-Hersteller, Anbieter von Software, IT-Services sowie von Dienstleistungen im Bereich Telekommunikation, Consumer Electronics und Content Provider. , gegenüber news.de. Dabei geht der Branchenverband davon aus, dass ein Fernseher durchschnittlich sechs Stunden täglich genutzt wird. Damit liege die mögliche Lebenserwartung deutlich über der eines Röhrenfernsehers.

Auch bei der Reparaturquote kommen LCD-oder Plasmageräte nicht schlechter weg, erklärt Silke Bernhardt, PR-Chefin von Sony Deutschland: «Während es bei Röhrenfernsehern eher mechanische Verschleißteile wie das Netzteil oder die Bildröhre sind, die womöglich irgendwann ersetzt werden müssen, sind es bei LCD-Fernsehern eher die elektronischen Komponenten, die langfristig ausgetauscht werden müssen.»

Rasante technische Entwicklung und niedrige Investitionshürden

Trotzdem werden die Flachbildschirme schneller aus dem Wohnzimmer verbannt als einst ihre klobigen Ahnen: «Bei den klassischen Röhrenfernseher geht man von einer Kaufhäufigkeit von sieben bis zehn Jahren aus. Bei modernen Flachbildschirmen haben wir einen Vier- bis Fünfjahresrhythmus», erklärt Schidlack. Schuld daran seien nicht nur die stetig fallenden Preise der Geräte: So bekommt, wer will, ein stattliches 40-Zoll-Gerät schon für etwa 400 Euro. Vielmehr seien es die immer schneller voranschreitenden technischen Innovationen.

Wird ein neues Fernsehgerät also in einem solch kurzem Zeitraum neu angeschafft, heißt das nicht, dass das ältere Modell nicht mehr fit für den Fernsehempfang ist - im Gegenteil. Laut Bernhardt zeichnet sich bereits der Trend zum Zweit- und Drittfernseher ab. Alte Gerät werde einfach im Arbeits-, Gäste- oder Kinderzimmer weitergenutzt.

Software-Update hält Fernseher aktuelle

Aktuell sind die Treiber in der Technologie-Hatz neben HDTV vor allem 3D und HbbTV. Gerade bei der Verschmelzung von Internet und Fernsehen steht die Branche praktisch am Anfang: Erst seit Mitte des vergangenen Jahres gibt es überhaupt einen Standard für HbbTV. Und auch bei 3D kocht jeder Hersteller noch sein eigenes Süppchen. Das wirkt sich auf die Produktzyklen der Fernseher aus. Sie werden tendenziell kürzer, erklärt Georg Wilde, Pressesprecher von Philips: «Heute liegt die normale Marktzeit unserer Geräte bei einem Jahr.»

Um zu vermeiden, dass die Geräte nach kürzester Zeit veraltet sind, bieten Hersteller wie Philips und Sony ihren Kunden die Möglichkeit, die Firmware ihrer Geräte per Software-Update aktuell zu halten. So bleiben sie auch mit neueren Peripheriegeräten wie Blu-Ray-Playern kompatibel, können Programmlisten für Sat- und Kabelempfang aktualisieren oder werden für die herstellereigenen Video-on-Demand-ServicesVideo auf Nachfrage. Bezeichnet die Möglichkeit, Filme und Videos aus dem Internet herunterzuladen oder zu streamen. Meist gegen eine Gebühr. fit. Aber eine Software-Aktualisierung hat Grenzen, denn neue technische Entwicklungen stellen oft andere Anforderungen an die Hardware.

Ein Update für die Hardware

Das deutsche Unternehmen Metz geht hier einen Schritt weiter. Produktreihen sind mehrere Jahre im Markt und werden ständig aktuell gehalten. Dazu bietet Metz für viele seiner Flachbildschirme eine Nachrüstfunktion. Möglich macht es der modulare Aufbau vieler Geräte. So können zum Beispiel die DVB-Tuner des Geräts einfach ausgetaucht oder erweitert werden, wenn der Kunde auf eine andere Technologie umsteigen möchte. Bereits 2005 brachten die Zimdorfer ein Gerät auf den Markt, dass für HDTV nachgerüstet werden konnte beziehungsweise kann - per Hardware-Update sozusagen.

«Eine solche Nachrüstoption kann man erst schaffen, wenn ein Standard definiert wurde, der für alle gilt. Wir sind keine Technologie-Entwickler, sondern setzen immer auf erprobte Innovationen», erklärt Thomas Hey Leiter der Unternehmenskommunikation bei Metz. Die Zimdorfer setzen deshalb nicht darauf, schnell neue Modelle auf den Markt zu bringen, sondern darauf, bereits vorhandene Produktreihen immer weiterzuentwickeln. Außerdem garantieren sie die Bereitstellung von Ersatzteilen noch sieben Jahre nach Produktionsende.

ham/news.de

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