Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh - 09.03.2010, 15.36 Uhr

Sibel Kekilli: Abschied von der Vergangenheit

Um Sibel Kekilli war es in den letzten Jahren ruhig geworden. Jetzt meldet sie sich mit dem Film Die Fremde zurück, der ihr die öffentliche Aufmerksamkeit wieder sichert. Und sogar mit der Bild-Zeitung scheint sich die Schauspielerin ausgesöhnt zu haben.

Sibel Kekilli nach der Premiere des Films Die Fremde auf der 60. Berlinale. Bild: dpa

Vor sechs Jahren wurde Sibel Kekilli über Nacht berühmt. So lange liegt Fatih Akins Film Gegen die Wand mittlerweile zurück. In dem Drama spielte sie eine in Deutschland geborene und aufgewachsene Türkin, die eine Scheinehe mit einem Deutsch-Türken eingeht, um gegen die Moralvorstellungen ihrer Eltern zu rebellieren. Der Film war ein Riesenerfolg, erstmals nach 18 Jahren gewann ein deutscher Film den Goldenen Bären auf der Berlinale. Seitdem ist Kekilli die bekannteste Deutschtürkin Deutschlands. Doch das hat sie nicht nur dem Film zu verdanken, sondern vor allem auch der Bild-Zeitung.

Zwei Tage nachdem sie auf der Berlinale als neuer Star des deutschen Films gefeiert worden war, berichtete die Boulevard-Zeitung über Kekillis Vergangenheit als Pronodarstellerin: «Film-Diva in Wahrheit Porno-Star» lautete die Schlagzeile, illustriert mit Bildern aus ihren Erotikfilmen, von denen ihre Familie zuvor nichts wusste. Kekilli musste unter Polizeischutz gestellt werden, zu ihrer Familie soll sie seitdem bis heute keinen Kontakt haben.

Was folgte, war eine wochenlange Kampagne der Bild gegen Kekilli, die die Schauspielerin weinend bei der Bambi-Verleihung eine «Medienvergewaltigung» und «dreckige Hetzkampagne» nannte. Und Regisseur Fatih Akin warf dem Boulevard-Blatt nicht ohne Grund Rassismus und Volksverhetzung vor. Der Presserat rügte Bild im Dezember 2004 zwar für die «entwürdigende» Berichterstattung im Fall Kekilli, doch noch im Januar 2005, ein Jahr nach der ersten Schlagzeile, thematisierte Bild Kekillis Prono-Vergangenheit. Beim Deutschen Filmball saß die Ehefrau des Bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber neben der Schauspielerin. Karin Stoiber zitierte das Blatt mit den Worten «Mein Mann kennt ihren Film». Bild kommentierte «Welchen verriet sie nicht» und wählte die Schlagzeile: «Frau Stoiber outete ihren Mann als Kekilli-Fan».

Seitdem war es um Kekilli ruhig geworden, sie war zwar nicht untätig, sie drehte weiterhin Filme, aber eher im Verborgenen, ohne großes Medieninteresse mit ihnen zu wecken. Nun sechs Jahre «danach» ist sie zurück, mit einem Film, der von einer Frau handelt, die von ihrer türkischen Familie verstoßen wird, weil sie die Erwartungen der Eltern nicht erfüllt. Parallelen zwischen Kekillis realem Leben und der Filmrolle sind unverkennbar. Dieses Thema scheint sie nicht loslassen zu wollen, weil sie es selbst erlebt hat?

Kekilli verneint dies. «Nur weil jemand seine Rolle überzeugend spielt, muss es doch nicht gleich Parallelen geben. Umay aus Die Fremde hat mit meinem privaten Leben nichts zu tun», sagte sie im Interview mit dem WDR. Der Wunsch, sich von ihrer schmerzhaften Vergangenheit zu befreien, scheint bei Kekilli sehr groß zu sein.

So groß, dass sie sich nun sogar mit der Bild-Zeitung versöhnt hat. Zu ihrer Rolle in Dieter Wedels Fernsehfilm Gier erschien im Boulevardblatt erstmals wieder eine Geschichte zu Kekilli. Wedel soll ihr dazu geraten haben. In dem Artikel erklärte die Schauspielerin ihren Silberring, in dem sie sich Lebensweisheiten eingravieren ließ.

Ein weiteres Gespräch mit Kekilli über ihren neuen Film Die Fremde folgte und Bild druckte ebenfalls Auszüge aus einem Doppelinterview Kekillis mit Bushido ab, in dem der Rapper der Schauspielerin erklärte, warum er Frauen schlage. Angesprochen auf ihre Annäherung zur Bild, sagte sie in einem Interview: «Vergangenheit ist Vergangenheit. (..) Die machen ihren Job, ich mache meinen, da gibt es keine Vorbehalte. Ich bin natürlich wachsam geworden, habe aber überhaupt keine Berührungsängste mit dem Boulevard.» Im Interview mit dem WDR, sagte Kekilli, dass es zwischen Bild und ihr Gespräche gegeben habe. «Wenn man mir die Hand reicht, nehme ich sie auch an.»

Bild hat Kekilli also die Hand gereicht und Kekilli ist bereit zur Versöhnung gewesen. Das spricht für ihre charakterliche Größe und vor allem für ihre Cleverness. Denn wie Kekillis aktueller Film oder ihr Engagement für die Frauenrechtsorganisation Terred des Femmes zeigen, ist es ihr wichtig, sich in gesellschaftliche Themen wie etwa die Integartion aktiv einzumischen. Und Bild dabei als Unterstützer zu haben, ist nicht das Unvernünftigste.

FOTOS: Fotostrecke «Die Fremde»
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car/news.de

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