10.03.2010, 13.31 Uhr

Ministerin mit 28: «Hach, Sie sind aber jung»

Familienministerin Kristina Schröder ist 32 Jahre jung und steht in der Kritik. 1994 hatte die Union schon einmal eine junge Familienministerin. Claudia Nolte war 28 Jahre alt, als sie ihr Amt antrat. Heute ist sie 44, heißt Claudia Crawford und spricht über ihre Erfahrungen.

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Sie waren 28 Jahre alt, als Sie Ministerin wurden. Hatten Sie mit Vorurteilen zu kämpfen?

Crawford: Direkt wurde mir meine Jugend nie vorgehalten, aber ich denke schon, dass es so war. Manchmal ist es passiert, dass Gesprächspartner überrascht waren, wenn sie mich das erste Mal sahen. Dann rutschte es ihnen raus: «Hach, Sie sind aber jung». Aber die Zusammenarbeit war immer sehr sachlich.

Wie kamen Sie zu dem Amt?

Crawford: Als in der DDR 1989 die politischen Umwälzungen begannen, hab ich mich der Bürgerbewegung «Neues Forum» angeschlossen. Ich war erst 23 und hatte eigentlich ganz andere Pläne. Aber so bin ich in die Politik gespült worden. 1990 saß ich dann für die CDU im Bundestag. Dort hat man mich gefragt, ob ich das Amt der frauen- und jugendpolitischen Sprecherin der CDU-Fraktion übernehmen will. Ich wollte eigentlich lieber in den Auswärtigen Ausschuss. Aber man hat sich wohl gedacht: Jung und Frau, das passt. Und ich muss sagen, es war wirklich so. Die Jugendverbände fanden es toll, eine Ansprechpartnerin in ihrem Alter zu haben.

FOTOS: Blitzkarrieren Von der Uni ins Ministerium

Wie haben Sie dem damaligen Kanzler Helmut Kohl imponiert, so dass er Sie zur Ministerin machte?

Crawford: Das müssen Sie ihn fragen. Ich hab sicherlich meine Arbeit gut gemacht. Hinzu kam der Wunsch des Bundeskanzlers, Leute aus den neuen Ländern und Frauen in der Regierung zu haben.

Haben Sie gezögert, das Amt anzunehmen?

Crawford: Oh ja, ich war mir nicht so sicher, ob ich das wirklich machen soll, eben weil ich noch so jung war. Dann dachte ich mir: Was hast Du eigentlich zu verlieren? So ein Ministeramt wird Dir nur einmal angeboten. Außerdem hat man als Bundesminister die Instrumentarien, um Ideen wirklich umzusetzen. Klar war auch, dass mir Mitarbeiter im Ministerium zur Seite stehen und zuarbeiten werden.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Qualifikationen für ein Ministeramt?

Crawford: Ich glaube, bestimmte Charaktereigenschaften wie Offenheit, eine schnelle Auffassungsgabe, Hartnäckigkeit und Kritikfähigkeit sind die wichtigsten Kriterien. Praktische Berufserfahrung würde ich nicht so hoch bewerten. Denn es gibt keinen Beruf, der Sie auf ein Ministeramt vorbereiten kann, das in seinen Anforderungen einfach unglaublich breit ist. Lebenserfahrung ist natürlich von Vorteil. Aber sie ist kein Ausschlusskriterium. Ich finde, im Kabinett ist ein guter Mix zwischen älteren und jüngeren Ministern wichtig. Ein junger Minister geht vielleicht offener an Dinge heran. Er ist außerdem näher an der Lebenswirklichkeit der jungen Leute.

Kann man denn für ein Bundesministeramt zu jung sein?

Crawford: Ich finde, das Alter ist relativ, entscheidend ist die konkrete Person. Wenn man so jung Minister wird, hat das den Vorteil, dass man weiß, es wird ein Leben nach dem Ministeramt geben. Das gibt einem die nötige innerliche Distanz zu dem Amt. Sehen Sie außerdem die freie Wirtschaft und die Forschung: in diesen Bereichen ist Jugend kein Problem. Da spricht man offen von der Leistungsfähigkeit im Alter von Ende 20 bis Mitte 30.

Gibt es Bundesressorts, die einfacher mit jungen Politikern besetzt werden können, als andere?

Crawford: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat sich als Wirtschaftsminister und auch als Verteidigungsminister hohe Akzeptanz erarbeitet. Das zeigt: Man muss auch in diesen Ressorts nicht unbedingt 60 Jahre alt sein, um für voll genommen zu werden.

Sollte man als Familienministerin Familie und Kinder haben?

Crawford: Es ist sicherlich ein Vorteil, wenn man da eigene Erfahrungen hat. Aber man ist ja auch mal selbst Kind gewesen und hat Geschwister und Freunde mit Familie. Da bekommt man die Probleme mit.

Hatten Sie damals die Unterstützung des CDU-Parteiapparats?

Crawford: Es gab sicherlich den einen oder anderen, der selbst gerne meine Position gehabt hätte. Aber insgesamt habe ich mich bis zum Schluss sehr unterstützt und getragen gefühlt. Ich hatte ja im Wahlkampf 1998 dieses unschöne Erlebnis mit meiner aus dem Kontext zitierten Äußerung über die Mehrwertsteuer. Aber auch da hatte ich viel Unterstützung.

Glauben Sie, Sie wären nochmal Ministerin geworden, wenn die CDU 1998 die Wahl gewonnen hätte?

Crawford: Das ist natürlich eine hypothetische Frage. Aber ich bin beim nächsten Parteitag wieder ins Präsidium gewählt worden. Sowieso war ich noch sieben Jahre im Bundestag. Wenn in einigen Medien also geschrieben wird, ich wäre 1998 von der politischen Bildfläche verschwunden, dann stimmt das nicht.

Es wurde ja viel über ihre Rüschenbluse gespottet. Hat Sie das verletzt?

Crawford: Ach, ich kam damals aus dem Studentenleben, wo man Jeans und T-Shirt trug. Doch dann brauchte ich formelle Kleidung für den Bundestag. Ich bin in den Laden gegangen und habe mich beraten lassen. So kam es zu der Rüschenbluse. Ich habe die Bluse übrigens nur zweimal getragen. Traurig war, wie schnell ich darauf reduziert wurde.

Warum haben Sie letzlich die Politik verlassen? Sie hätten 2008 ja in den Bundestag nachrücken können...

Crawford: Damals habe ich schon das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Belgrad geleitet. Ein Lebensziel von mir war es immer, im Ausland zu arbeiten. Ich wollte nie mein Leben lang im Bundestag bleiben.

Haben Sie einen Tipp für die aktuelle Familienministerin Kristina Schröder (CDU)?

Crawford: Ich glaube nicht, dass sie Ratschläge braucht. Sie bringt mehr politische Erfahrung ins Amt mit als ich damals. Ich denke, dass sie eine Vorstellung von ihrem Amt hat und dass sie dort gut hineinwachsen wird.

Haben Sie es je bereut so jung Ministerin geworden zu sein?

Crawford: Nein. Es waren vier sehr gute Jahre und diese Erfahrung kann mir keiner nehmen. Dass ich heute im Bundestag noch viele Leute kenne, hilft mir außerdem bei meiner Arbeit für die Konrad-Adenauer-Stiftung.

san/mac/reu/news.de/ddp

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