Von news.de-Redakteur Björn Menzel - 25.08.2009, 09.57 Uhr

Merkel wird privat: «Die Frisur muss zwölf Stunden halten»

Sie spricht über ihre Schlafgewohnheiten, ihre Mode und Möhren: Angela Merkel wird privat. Die persönliche Note in Interviews ist neu - und könnte der Bundeskanzlerin im Wahlkampf wichtige Punkte bringen.

Angela Merkel wird im Wahlkampf menschlich. Bild: dpa

Nun geht es im Wahlkampf menschlich zu. Einen ersten privaten Einblick gab Angela Merkel (CDU) im ZDF-Porträt Die Kanzlerin vor zwei Wochen. Sie sprach über ihre Kleidung und darüber, wann sie was anzieht. Es geht «ein bisschen nach Lust und Laune, aber auch nach den Ereignissen, die auf der Tagesordnung stehen», sagte Merkel.

«Ich überlege mir morgens - manchmal auch schon, wenn ich nachts mal aufwache - was am nächsten Tag auf mich wartet.» Und dabei gehen die Gedanken nicht nur in die Zukunft, sondern auch in die Vergangenheit. «Da muss ich natürlich im Kopf haben, was ich in den vergangen Tagen getragen habe. Bei farbigen Jackets verbietet es sich, zwei Tage hintereinander das Gleiche zu tragen - was ich manchmal bedauere.»

FOTOS: Mensch Merkel Jenseits der Politiker-Gesten

Wer denkt, das war nur ein kleiner Ausrutscher in die privateste Gedankenwelt der Kanzlerin, der irrt. Es war erst der Anfang und die Masche scheint im Laufe des Wahlkampfs zur Methode zu werden. Denn: Auch eine Kanzlerin hat Ernährungsprobleme. Als Ausgleich für zu viel leckeres Essen bei Empfängen knabbert die Bundeskanzlerin gerne mal an ein paar Möhren.

«Man darf nicht in jedes Weißbrot-Schnittchen beißen, das einem hingestellt wird. Nachmittags esse ich oft einen Teller Mohrrüben, ich mag nämlich nicht so gerne Obst», sagte Merkel der Zeitschrift Myself. «Schwieriger wird's auf Reisen, wo man schauen muss, dass man nicht alles durcheinander isst.» Damit gibt Merkel Einblicke in Lebensbereiche, die sie bisher im Verborgenen ließ.

Die neue Offenheit scheint Taktik zu sein. Merkel gibt sich menschlich. Ein Attribut, das ihr bisher fehlte. Die Jahre ihrer Kanzlerschaft zeichneten sich eher durch kühle Distanz aus. Vom Menschen Merkel ist so gut wie gar nichts bekannt. Bisher jedenfalls. Im themenleeren Wahlkampf setzt Merkel nun Akzente, denen die Gegner sehr schwer begegnen können. Sie entzieht sich damit sogar dem üblichen Wahlkampfgeplänkel und wirkt authentischer.

Noch ein Beispiel: Merkel bescheinigt sich selbst in Frisur- und Kleidungsfragen «einen sehr pragmatischen Stil». Der Zeitaufwand dürfe nicht zu groß sein, sagte Merkel der Frauenzeitschrift Emma. «Die Frisur muss zwölf oder mehr Stunden halten.» Nach Feierabend trage sie zu Hause «am liebsten Jeans und einen Pullover oder eine Strickjacke.» Und während einer Wahlkampfrede in Thürigen spricht sie über ihre persönliche Sicht auf Luxus: «Wenn ich ausschlafen kann und mein Handy aus ist.» Außerdem schlafe sie am liebsten in ihrem eigenen Bett.

Sogar über Merkels Mann, Joachim Sauer, ist in den vergangenen Tagen etwas zu erfahren. Bei internationalen Konferenzen finde sie es zwar schön, wenn er als Co-Gastgeber dabei ist. «Aber ich sage nicht: Du musst! Ich rege es an.» Für ihn sei wichtig, dass er seinem Beruf als Wissenschaftler weiter nachgehen könne, erklärte Merkel. Zu Hause teilen sich beide die täglichen Aufgaben.

«Mein Mann kocht nicht. Ich schreibe ihm am Freitag einen Zettel - und dann kauft er fürs Wochenende ein.» Zwar hätten sie eine Haushaltshilfe, aber die mache nicht alles. «Dann treffen wir Absprachen: Wer wann welche Waschmaschine anstellt, die Wäsche aufhängt. Oder wer wann was einkauft.»

Auch über ihre Gefühle im Job können die Wähler nun etwas erfahren. An ihrem ersten Tag am neuen Arbeitsplatz vor vier Jahren sei sie «sehr aufgeregt» gewesen, wird Merkel von der Rheinischen Post zitiert. Besonders hätte sie sich über den Kuchen des Vorgängers gefreut. «Wir versuchen immer, das Amt in gutem Zustand an den Nachfolger zu übergeben», sagte Merkel. «Das heißt jetzt aber nicht, dass ich nicht wiedergewählt werden möchte.»

Bürgernah und persönlich gab sich Merkel auch zum Tag der offenen Tür im Berliner Kanzleramt. Sie berichtet von ihrem Arbeitsalltag, vom Ablauf der Besprechungen und Sitzungen. «Privat entspanne ich am liebsten in meinem Wochenendhaus in der Uckermark. Da kann ich ganz ich selbst sein.» Die Menschen dort würden sie ja schon lange kennen.

jan/news.de/ap/dpa

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