03.05.2017, 09.15 Uhr

Rechtsextremes Netzwerk in der Bundeswehr: Wer ist der Soldat Franco A.?

Ein deutscher Soldat gibt sich als Flüchtling aus, um möglicherweise einen fremdenfeindlichen Anschlag zu verüben. Schon vorher soll es Warnsignale gegeben haben, die allerdings ignoriert wurden. Wer ist Franco A.?

Ein Bundeswehrsoldat soll einen fremdenfeindlichen Anschlag geplant haben (Symbolbild). Bild: Stefan Sauer/dpa

Nach der Festnahme eines Soldaten laufen die Ermittlungen bei der Bundeswehr auf Hochtouren. Wie kann es sein, dass sich ein Oberleutnant unter falscher Identität monatelang als Flüchtling ausgibt? Was war sein Motiv? Laut Medienberichten soll sei bereits vorher aufgefallen, dass der Soldat mit Nazi-Ideologien sympathisiert. Warnsignale, die scheinbar ignoriert wurden.

Fall Franco A: Soldat soll fremdenfeindlichen Anschlag geplant haben

Momentan gehen die Ermittler davon aus, dass sich Franco A. eine falsche Identität zugelegt habe, um unter fremden Namen einen Anschlag zu verüben. Ende Januar 2017 wurde er dabei entdeckt, wie er eine Waffe auf einer Flughafentoilette in Wien versteckt haben soll. Nachdem er verhaftet wurde, flog auch sein Doppelleben als Flüchtling auf.

Die völkische Masterarbeit von Franco A.

Bereits in seiner Masterarbeit soll der Soldat Sympathien für rechtes Gedankengut gehegt haben. In seiner Masterarbeit, die er Ende 2013 in Frankreich einreichte, beschäftigte er sich unter dem Titel "Politischer Wandel und Subversionsstrategie" mit einem angeblichen Volksaustausch durch Migranten. Seine Prüfer verweigerten ihm damals den Abschluss. Ein zweiter Gutachter schreibt laut "Welt.de": "Bei dem Text handelt es sich nach Art und Inhalt nachweislich nicht um eine akademische Qualifikationsarbeit, sondern um ein radikalnationalistischen, rassistischen Appell, den der Verfasser mit einigem Aufwand auf eine pseudo-wissenschaftliche Art zu unterfüttern sucht." Dennoch wurden seine Vorgesetzten nicht tätig, die Arbeit wurde als "Ausrutscher" abgetan.

Gibt es ein rechtsextremes Netzwerk in der Bundeswehr?

Obwohl Franco A. in seiner Masterarbeit die Angst vor einer Zerstörung der westlichen Gesellschaft durch Einwanderer schürt, wurde der Militärische Abschirmdienst (MAD), der extremistisches Gedankengut in der Bundeswehr untersuchen soll, nicht informiert. Stattdessen scheint der Fall Franco A. kein Einzelfall zu sein. In Illkirch, wo er bis zuletzt stationiert war, sollen Wehrmachtsdevotionalien offen zur Schau gestellt wurden sein. Von Landser Bildern und "anderen Wehrmachts-Souvenirs" ist die Rede. An den Wänden und auf einem Sturmgewehr wurden Hakenkreuz-Kritzeleien. Ob seine Vorgesetzten damals bewusst weggesehen haben, oder Franco A. wirklich nicht eher aufgefallen ist, müssen die Ermittlungen zeigen.

Erfahren Sie mehr: Fall Franco A. – Verdacht auf rechtsextremes Netzwerk in der Bundeswehr.

So täuschte Franco A. die Behörden

Daneben untersuchen die Ermittler auch, wie es dem Verdächtigen gelang, sich unerkannt als Flüchtling zu registrieren. In einer hessischen Erstaufnahmeeinrichtung stellte er sich als "David Benjamin" vor. Er stamme aus einer christlichen Familie in Damaskus. Sein Vater sei Obsthändler gewesen, er selbst spreche kein Arabisch, sondern nur Französisch. Dadurch ergaunerte er sich zusätzliche finanzielle Unterstützung vom Staat - neben seinem Soldatensold. In seiner Kaserne sei A. dagegen nie durch Fehlzeiten aufgefallen. Und das, obwohl er regelmäßig nach Bayern fuhr, um sich sein Geld abzuholen.

Lesen Sie hier: Franco A. – Inhaftierter Bundeswehr-Soldat führte Todesliste.

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jat/grm/news.de

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