17.02.2010, 11.25 Uhr

Aschermittwoch: Wie Mönche beim Fasten schummeln

Strenge Regeln verlangten früher den Menschen in der Fastenzeit einiges ab - den einfachen Leuten jedenfalls. Wer es sich leisten konnte, und das waren nicht zuletzt Mönche und Kirchenobere, schlemmte trotzdem - und verarschte den Herrgott.

Nanu?! Fleischgefüllte Teigtaschen schwimmen in der Fastensuppe des Mönches. Bild: news.de/istockphoto (Montage)

Gekochte Seekrabben mit Granatapfelkernen, Kabeljau, Thunfischauflauf und Marzipankuchen: Das war nur ein Teil der Speisen, die der Kardinal von Bologna 1536 auftischen ließ. In der Fastenzeit und ohne Missachtung der damals strengen Fastenregeln: Tabu waren Fleisch, Eier und Milchprodukte. Wer aber nicht die finanziellen Möglichkeiten hatte, zu schlemmen wie der Kardinal, musste Verzicht üben oder Mittel und Wege finden, die Vorschriften zu umgehen. Bestes Beispiel: die «Herrgotts B'scheißerle» - schwäbische Maultaschen.

Über alte Fastentricks der Mönche kursieren viele Geschichten, die der Maultaschen geht so: Die Brüder des Klosters Maulbronn - daher angeblich der Begriff ‹Maultasche› - bekamen während der Fastenzeit ein Stück Fleisch geschenkt. Sie wollten es nicht verkommen lassen, zugleich aber auch nicht den Unmut der Kirchenoberen erregen. Also hackten sie das Fleisch klein und mischten es mit Kräutern und Gemüse. So war das Fleisch als solches kaum noch erkennbar. Zusätzlich versteckten die Mönche die Masse in einem Nudelteig, der in kleine Portionen geteilt wurde: Fertig war die Maultasche.

FOTOS: Die Wahl der Qual Zehn Fastenmethoden

Ähnliche Erzählungen ranken sich um die Erfindung von Strudel und Pasteten. Denn auch hierbei wird ja Fleisch möglichst gut verpackt - und das in einen aus Mehl bestehenden Teig: Mehlspeisen unterlagen ausdrücklich nicht dem Fastengebot.

Manches Fleisch war ohnehin erlaubt; nicht verzehrt werden durften nur warmblütige vierbeinige Tiere. Enten und Gänse oder Fische und Krebse, sogenannte Wassertiere waren also ausgenommen. Einer Anekdote zufolge wurden deshalb in manchen Klöstern Spanferkel in den Brunnen geworfen, wieder herausgezogen und als «Fisch» verzehrt. Ein Abt soll sogar versucht haben, ein Spanferkel zum Karpfen zu taufen.

Als «Wassertiere» behandelt wurden offenbar auch gerne Biber, die häufig in den klösterlichen Fischteichen lebten. Es seien eigens Rezepte entwickelt worden, um ihn möglichst delikat zuzubereiten, wird kolportiert. Beliebt soll es außerdem gewesen sein, Fleisch zu pürieren und in Form eines Fisches zu servieren.

Bier verdarb auf dem Weg nach Rom

Alkohol unterlag mancherorts ebenfalls dem Fastengebot. Und natürlich haben findige Mönche auch diese Vorschrift unterlaufen. Klosterbrüder brauten einfach ein Fastenbier. Dessen Genuss mussten sie aber vom Papst genehmigen lassen, auch benötigten sie die Erlaubnis, ein solches Bier herzustellen. Also ließen sie eine Getränkeprobe nach Rom karren. Auf dem langen Weg dorthin verdarb das Bier; der Papst probierte es und fand es widerlich. «Wenn sie so etwas trinken wollen, dann sollen sie es haben», soll er entschieden haben.

In einigen Gegenden hieß es: «Flüssiges bricht Fasten nicht» - und extra starkes Bier wurde gebraut. Noch heute gibt es in der Fastenzeit das Starkbier. Die Regel mit der Flüssigkeit geht angeblich direkt auf einen der Päpste des 16. Jahrhunderts zurück. Damals, so heißt es, wurde aus der Neuen Welt Schokolade nach Spanien importiert. Das neue Getränk war dort so erfolgreich, dass sich ein Großteil der Bevölkerung der Sünde verschrieben hätte - wäre der Papst mit der Ausnahmeregelung für Schokolade nicht einverstanden gewesen.

Bereits im 15. Jahrhundert soll Papst Innozenz VIII. Butter in der Fastenzeit zugelassen haben. Eine der beliebtesten Fastenspeisen wurde daraufhin der Striezel, der Vorläufer des Stollens. Auch die Idee für ein anderes Gebäck, das heute vor allem in der Weihnachtszeit verzehrt wird, geht angeblich auf die Fastenzeit zurück: Nürnberger Lebkuchen. Ursprünglich soll es sich dabei um fade Fladen gehandelt haben, die zum Starkbier gereicht wurden. Bis fränkische Mönche damit begannen, die Fladen mit Honig und Gewürzen zu verfeinern und den Teig auf eine Oblate zu setzen.

iwi/seh/ivb/news.de/ap

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