02.11.2017, 08.18 Uhr

Menschen vom Blitz getroffen: SO überlebt man einen Blitzeinschlag im menschlichen Körper

Ein Gewitter ist ein faszinierendes Naturschauspiel - doch wie verhält man sich richtig, wenn ein Blitz in den Körper einschlägt? Bei "stern TV" spricht Mathias Steinhuber von seiner Blitzschlag-Erfahrung und wie er den Blitzeinschlag überlebte.

Die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland von einem Blitz getroffen zu werden, ist sehr gering. Jährlich werden im Durchschnitt rund 130 Menschen verletzt, drei bis vier kommen durch Blitzeinschläge ums Leben. Bild: Marcel Kusch / picture alliance / dpa

Wenn die Blitze über den Himmel zucken und Donnergrollen zu hören ist, können viele der Versuchung nicht widerstehen, das Gewitter aus nächster Nähe zu beobachten - immerhin gehören Gewitter zu den faszinierendsten Naturschauspielen überhaupt. Doch das Lichtschauspiel birgt auch Gefahren, wie der 30-jährige Mathias Steinhuber am eigenen Leib erfahren musste.

Erfahrungsbericht bei "stern TV": Mathias Steinhuber wurde durch Blitzschlag schwer verletzt

In der Sendung "stern TV" berichtet der passionierte Fotograf davon, wie er einen Blitzschlag überlebte. Bei einer Wanderung in Kalifornien kletterte der Urlauber auf einen Berg und befand sich 2.700 Meter über dem Meeresspiegel. Aus sprichwörtlich heiterem Himmel wurde der Pädagoge vom Blitz getroffen, als er ein Foto der kalifornischen Landschaft machen wollte - seine Freundin Kathrin Klausner musste hilflos mit ansehen, wie ihr Freund schwer verletzt wurde.

Blitzeinschlag beim Menschen in Deutschland eher selten

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland von einem Blitz getroffen zu werden, sehr gering. Jährlich werden demnach im Durchschnitt rund 130 Menschen verletzt, drei bis vier kommen durch Blitzeinschläge ums Leben. Nicht alle davon werden direkt getroffen. Aber auch wenn der Blitz in die Erde einschlägt, kann es gefährlich werden. Der Strom breitet sich dann bis zu 30 Meter um die Einschlagstelle herum im Boden aus.

Doch was passiert mit dem menschlichen Körper überhaupt, wenn ein Blitz ihn durchfährt? Die Auswirkungen eines Blitzschlags auf den menschlichen Organismus sind je nach Individuum unterschiedlich - während ein Blitzschlagsopfer "nur" Verbrennungen davonträgt, zeigen sich bei einem anderen möglicherweise Lähmungserscheinungen, während ein anderes Opfer durch Blitzschlag stirbt. Auch Persönlichkeitsstörungen können die Folge sein, wenn ein Mensch von einem Blitz getroffen wird und von einer Stromstärke von 200.000 Ampere durchfahren wird. Dass nicht jeder Blitzschlag tödlich enden muss, liegt an der kurzen Zeitspanne, die ein Blitz durch den Körper fährt - länger als eine tausendstel Sekunde dauert der Spuk Experten zufolge nicht.

Vom Blitz getroffen! Was passiert nach Gewitter-Unfälle im menschlichen Körper?

Ein nicht zu unterschätzender Schaden für den Körper geht in den meisten Fällen beim Blitzeinschlag von der enormen Temperatur aus. Ein Blitz kann eine Temperatur von 30.000 Grad aufweisen, was schwere Verbrennungen an den Körperstellen verursacht, an denen der Blitz ein- und austritt. In den Nervenbahnen und Blutgefäßen des Körpers, die ebenfalls für die Leitung elektrischer Impulse zuständig sind, hat die Blitzenergie leichtes Spiel, durchfährt den Körper und hinterlässt teils schwere Verbrennungen.

Apropos elektrische Impulse: Die körpereigenen Funktionen werden durch die Wucht eines Blitzschlags massiv gestört. Im schlimmsten Fall kann ein Blitz das menschliche Herz außer Kraft setzen, statistisch gesehen sterben Blitzopfer jedoch häufiger an den Funktionsausfällen, die der Blitzschlag im Gehirn verursacht, was das Versagen von Kreislauffunktionen und Atmung nach sich zieht. Ist dann nicht sofort Erste Hilfe zur Stelle, kann ein Blitzschlag tödlich sein. Bei sofort eingeleiteten Hilfemaßnahmen stehen die Chancen jedoch bei rund 80 Prozent, dass ein Blitzschlagopfer den Unfall überlebt.

Erste Hilfe bei Blitzschlag: So helfen Sie einem Blitzopfer richtig

Wird ein Mensch vom Blitz getroffen und verliert dadurch das Bewusstsein, gelingt in den meisten Fällen die Wiederbelebung, sofern sie rasch genug eingeleitet wird. Die Hilfe für Blitzopfer müsse allerdings innerhalb der ersten fünf Minuten nach dem Einschlag erfolgen, warnt Prof. Peter Sefrin, Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin. Im Gegensatz zu anderen Elektrounfällen bestehe unmittelbar nach dem Blitzschlag keine Gefahr für den Helfer.

"Bei einem bewusstlosen Blitzopfer kann man nichts falsch machen, man kann nur gewinnen", beruhigt der Arzt. Zuerst müsse der Puls und die Atmung überprüft werden. Anschließend empfiehlt Sefrin, sofort mit der Mund-zu-Mund-Beatmung oder der Herzdruckmassage zu beginnen. Zur Herzwiederbelebung müsse der Helfer das Brustbein des Bewusstlosen mit dem Handballen rund fünf bis sechs Zentimeter tief eindrücken - etwa 100 bis 120 Mal pro Minute.

Die Folgen eines Blitzschlags auf den Körper sind sehr verschieden. In seltenen Fällen komme es zu leichten Verbrennungen. Die betreffenden Hautpartien sollten kurz mit Wasser übergossen und anschließend mit einem Brandwundentuch abgedeckt werden, rät Sefrin. Wiederbelebungsmaßnahmen gingen aber immer vor.

Folgen durch Blitzschlag sind Herzrhythmusstörungen und Lähmungen

Allerdings können Menschen auch durch Blitze verletzt werden, wenn diese nicht direkt in den Körper eindringen. Da auch der Erdboden elektrisch leitfähig ist, sind Verletzungen keine Seltenheit, wenn der Blitz in geringer Entfernung einschlägt. Außerdem sind Medizinern zahlreiche Fälle bekannt, in denen sich körperliche Schäden durch Blitzeinschläge erst lange nach dem Unfall zeigten. Nicht wenige Patienten tragen von Blitzschlägen Herzprobleme oder Lähmungserscheinungen davon, auch Sinnesstörungen, Gedächtnisprobleme oder eine veränderte Persönlichkeit sind bei Blitzopfern bereits beobachtet worden.

Schutz vor Blitzeinschlägen: So bringen Sie sich bei einem Gewitter in Sicherheit

Um den gesundheitlichen Gefahren durch einen Blitzschlag aus dem Weg zu gehen, haben sich einige Vorsichtsmaßnahmen im Falle eines Gewitters bewährt. So sollten Sie sich während eines Gewitters möglichst nicht im Freien aufhalten, sondern in Gebäuden oder einem parkenden Auto Zuflucht suchen. Ist dies nicht möglich, ist ein Standort auf Asphalt oder Pflastersteinen mit einigen Metern Abstand zu Mauern, Zäunen oder ähnlichem ratsam. Zudem sollten Sie darauf achten, dass Sie nicht breitbeinig, sondern mit geschlossenen Füßen dastehen oder in die Hocke gehen.

Wer jedoch unter einsam auf dem Feld stehenden Bäumen Schutz sucht, in eine Holzhütte flieht oder mit aufgespanntem Regenschirm über eine weite freie Fläche läuft, bietet Blitzen eine ideale Angriffsfläche und bringt sich mitunter in Lebensgefahr. Auch das flache Liegen auf dem Erdboden ist nicht empfehlenswert, ebenso wie das Hantieren mit Geräten wie Smartphone oder mp3-Player.

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loc/kad/news.de/dpa

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