Von news.de-Redakteur Andreas Schloder - 24.05.2011, 08.30 Uhr

Stilldemenz: Wenn Mamas unter Blackout leiden

Mutter zu sein ist etwas Schönes. Noch dazu, wenn die Frau ihrem Baby die Brust gibt. Doch wenn sie alles darum vergisst, überfordert das im Alltag zusätzlich. Dieses Phänomen wird neuerdings als Stilldemenz bezeichnet. Was steckt dahinter?

Die Hormonumstellung bei Müttern nach der Schwangerschaft ist zwar lästig, aber notwendig. Bild: istockphoto

Sie verpassen wichtige Termine, wissen nicht mehr, wo sie Sachen abgelegt haben, und ringen um die richtigen Worte: In den ersten Monaten nach der Schwangerschaft befinden sich Mütter in einer Ausnahmesituation.

Doch was können sie gegen die sogenannte Stilldemenz tun? «Da hilft nur eins: nicht schwanger werden», scherzt Regine Gresens, Hebamme und Stillberaterin aus Hamburg. Doch mit dem Begriff Stilldemenz kann sie nicht viel anfangen. Es sei mehr griffige Beschreibung als eine medizinische Bezeichnung, denn dazu gebe es keine wissenschaftliche Studie.

Der Expertin zufolge ist es vielmehr ein Potpourribunte Mischung aus Faktoren, das den Müttern zu schaffen macht: Wenig Schlaf durch regelmäßiges Brust- oder Fläschchengeben belastet ebenso wie die emotionale Belastung und ein nur auf den Nachwuchs gerichteter Fokus.

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Dieses Phänomen gebe es laut Gresens bei allen Müttern - nur sei es unterschiedlich stark ausgeprägt. Eine Gruppe trifft es besonders häufig: die Stillenden. Daran sind die Hormone schuld, wie Dr. Martin Steiner vom Berufsverband der Frauenärzte in Baden-Württemberg erklärt. Vor allem zwei Botenstoffe dominieren: «Prolaktin, das für die Milchproduktion verantwortlich ist, und das Mutterhormon Oxytocin, das dafür sorgt, dass die Mutter sich ganz auf das Kind konzentriert.»

Gegen die Hormonumstellung nach der Schwangerschaft ist jede Mutter machtlos. Das hat aber auch Vorteile, wie Dr. Skadi Springer, Frauenärztin aus Leipzig, betont: «Das Kind steht im Fokus und die Hormone helfen, die schwere Geburt zu verarbeiten.»

Dass Stillende länger unter der Vergesslichkeit leiden, ist Springer zufolge leicht zu erklären. Bei Frauen, die ihre Babys mit dem Fläschchen füttern, pendelt sich der Hormonhaushalt schneller wieder ein, da die zwei Botenstoffe nicht mehr gebraucht werden. Bei Stillenden ist das erst ein paar Monate später der Fall - je nachdem, wie lange die Brust gegeben wird.

Vorsicht vor einem Tumor

Eine Ausnahme, wann die Vergesslichkeit gefährlich wird, gibt es aber, betont Dr. Steiner: «Ist eine starke Desorientierung bei der Mutter festzustellen, die über Wochen hin zu beobachten ist, dann muss das ein Frauenarzt abklären.» Dies könne auf einen Tumor in der HypophyseEine Hormondrüse, die allgemein als Hirnanhangdrüse bezeichnet wird. hindeuten, die das Prolaktin ausschüttet.

Ansonsten - da sind sich die Experten einig - hilft nur eines, damit es der Mama gut geht: Sie sollte im Alltag entlastet werden etwa durch den Partner oder die Familie.

Wenn die Frauen schon ihren Hormoncocktail nicht beeinflussen können, so müssen sie wenigstens den Schlafmangel ausgleichen. Denn wird die Tiefschlafphase durch das Stillen immer wieder unterbrochen, zicken die Gehirnzellen. Sie lassen die Mutter unmotiviert in den Tag starten.

Es hilft, das Stillen in der Nacht so einfach wie möglich zu gestalten, wie auf der Seite mütterberatung.de zu lesen ist. Das funktioniert im wahrsten Sinne des Wortes im Halbschlaf: Am einfachsten ist es, wenn das Baby direkt mit der Mutter zusammen in einem Bett schläft. Bei der nächsten Schreiattacke kann sie den Säugling zu sich nehmen und an die Brust legen. Das Stillen geht auch im Liegen. Wichtig: Licht aus. Das hilft Mutter und Kind, schnell wieder einschlafen zu können.

ham/sis/rzf/news.de

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