Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen - 16.02.2010, 12.17 Uhr

Muttermal: Von Schönheitsflecken und hässlichen Entlein

Ein Muttermal à la Cindy Crawford galt schon im 17. Jahrhundert als verführerisch. News.de verrät, woher der Name kommt, warum Schönheitsflecken zu hässlichen Entlein werden können und wann sie entfernt werden müssen.

Muttermale gelten als Schönheitssymbol. Bild: Istockphoto

Marilyn Monroe machte ihn berühmt, Cindy Crawford zu ihrem Markenzeichen: Das Muttermal, auch Schönheits- oder Leberfleck genannt, galt schon im 17. und 18. Jahrhundert als verführerisch. Damals glaubte man, dass die Platzierung eines Muttermals im Gesicht etwas über die Eigenschaften einer Frau verrät. Die hat nichts gegen ein Liebesabenteuer, war die gängige Meinung.

Befand sich ein Mal nicht am rechten Fleck oder fehlte, halfen die Damen der feinen Gesellschaft nach und klebten sich kleine dunkle Schönheitspflästerchen, sogenannte Mouches, auf Mundwinkel, Nase oder Wange. Das waren aber nicht nur eindeutige Botschaften an die Herren, die Kunstflecken betonten auch den damals als vornehm geltenden hellen Teint.

Entstanden ist der Begriff Muttermal schon im 16. Jahrhundert. Damals glaubten die Menschen, dass die Male durch unbefriedigte Gelüste der Mutter während der Schwangerschaft entstehen würden. Das Wort «Leberfleck» wiederum ist nichts weiter als ein Synonym und rührt daher, dass ein Mal einen ähnlichen Braunton wie die Leber hat.

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Von wegen unzufriedene Schwangere

In heutiger Zeit ist natürlich längst geklärt, dass Muttermale – in der medizinischen Fachsprache Nävi (Singular Nävus) genannt - nichts mit unzufriedenen Schwangeren zu tun haben. Vielmehr handelt es sich um eine vermehrte Ansammlung von pigmentierten Veränderungen auf der Haut.

«Unter Pigmentierung versteht man die individuelle ‹tonangebende› Färbung der Haut», erklärt die Berliner Hautärztin Dr. Elisabeth Rowe. Verantwortlich dafür sind die pigmentbildenden Zellen der Haut, die Melanozyten. Sie legen fest, welche Farbe unsere Haut hat. Diese ist aber nicht immer und überall gleichmäßig pigmentiert. Durch eine Ansammlung oder Fehlbildung der pigmentbildenden Zellen können sich Punkte, Flecke und Verfärbungen darauf manifestieren.

Wie viele sich davon auf der gesamten Körperhaut bilden, ist laut Rowe genetisch festgelegt. Manche kommen schon als Baby mit einem Muttermal zur Welt, bei den meisten Menschen entstehen sie aber während der Pubertät oder erst im späteren Alter. Muttermale können auch durch Hormonumstellungen wie die Einnahme der Antibabypille oder während Schwangerschaften verstärkt auftreten. Was man vorher nicht weiß: Entweder verschwinden diese Flecken nach der Schwangerschaft wieder von alleine oder aber sie bleiben dauerhaft bestehen.

Provoziert wird die Bildung von Muttermalen darüber hinaus durch Umweltfaktoren, allen voran die UV-Strahlung durch die Sonne, die eine im wahrsten Sinne des Wortes prägende Rolle spielt. Das heißt nicht, dass man die Sonne meiden soll. Im Gegenteil: Sie ist lebensnotwendig und schützt sogar vor Krebs, auch vor Hautkrebs, sagt Rowe. Aber man soll Sonnenbrände vermeiden. Denn durch einen Sonnenbrand kann ein Muttermal entarten und sich zu schwarzen Hautkrebs entwickeln.

Die ABCDE-Regel ist bei Dermatologen out

Ein Muttermal ist aber grundsätzlich medizinisch unbedenklich und braucht in der Regel keine Behandlung. Wohl aber ist es sinnvoll, seine Haut zu beobachten, sagt Rowe. Die Hautärztin empfiehlt dazu aber nicht, nach der bekannten ABCDE-Regel vorzugehen. Die verunsichere die Patienten nur. «Verlässlicher bei der Selbstuntersuchung der Haut ist die Suche nach dem hässlichen Entlein», sagt Rowe.

Dabei soll die Aufmerksamkeit auf das irgendwie anders aussehende Muttermal gelenkt werden. Wenn jemand zum Beispiel viele große Muttermale hat, so kann ein kleines verdächtig sein. Wenn jemand viele dunkle Muttermale hat, müssen die hellen speziell gut untersucht werden. «Der anders aussehende, herausstechende Fleck ist entscheidend, nicht immer sind es Größe, Form, Ränder und Farbe», sagt Rowe.

Einmal im Jahr sollte man nach Empfehlung der Medizinerin einen Hautarzt aufsuchen, der sich alle Leberflecken am Körper ansieht. Nur ein Dermatologe kann aufgrund seiner speziellen Fachkenntnisse und unter Einsatz entsprechender Instrumente wie der sogenannten digitalen Auflichtmikroskopie das Muttermal sicher beurteilen und gutartige von bösartigen Hautveränderungen unterscheiden.

Verdächtige Muttermale werden aus der Haut geschnitten und in ein histologisches Labor zur genauen Nachuntersuchung eingeschickt. «Erst der Dermatohistologe kann endgültig sagen, ob ein Muttermal gutartig ist oder ob sich schon ein Hautkrebs entwickelt hat", erklärt Rowe. Außerdem kann er unter dem Mikroskop sehen, ob das Muttermal oder der Hautkrebs vollständig entfernt worden sind. Bei unvollständiger Entfernung wird nachoperiert.

Menschen mit Leberflecken leben länger

Doch auch harmlose Male können für Frauen ein echtes Ärgernis sein: Manche sehen einfach nicht schön aus. Sind Leberflecken erhaben oder wachsen aus ihnen sogar kleine Härchen heraus, versuchen ihre Trägerinnen, sie mit dicken Make-up-Schichten zu kaschieren. Auch wenn man heute weiß, dass etwa das Ausrupfen der Haare ungefährlich ist, entsteht nicht selten der Wunsch, das Übel per Skalpell entfernen zu lassen.

Ein kleiner Trost für alle, die ihr Muttermal nicht als Schönheitsfleck betrachten: Wissenschaftler des King's College in London haben herausgefunden, dass Menschen mit vielen Leberflecken auch längere Chromosomenenden besitzen. Und weil die Ausdehnung dieser sogenannten Telomere darauf hinweist, wie alt jemand wird, folgern die Forscher, dass Menschen mit (harmlosen) Leberflecken länger leben.

nbr/news.de

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