Gesunder Gum Wer kaut, sündigt nicht

Kaugummi (Foto)
«Kaugummi raus!», heißt es oft in der Schule. Dabei gibt es gute Argumente, den Gum im Mund zu behalten. Bild: Istockphoto

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Kaugummikauen ist gut für die Zähne, sofern es sich um einen zuckerfreien Gum handelt. Aber das ist nicht alles: Kaugummi hilft auch gegen Hüftspeck, Mundgeruch und vieles mehr.

Er ist mehr als 120 Jahre alt und hat noch immer ein Imageproblem: der Kaugummi. Denn Kaugummi kauen gilt als respektlos, lässig oder als Zeichen für Nervosität. Doch Fans sollten sich die Lust am Kauen nicht verderben lassen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen nämlich, dass Kaugummikauen zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit insgesamt hat. News.de hat ein paar Fakten gesammelt, die belegen, dass der Kaugummi besser ist als sein Ruf.

1. Mehr als Harz und Wachs:
Kaugummis bestehen aus Wachs, Harz und gummiartigen Substanzen. Hinzu kommen Gylcerin, das die Masse geschmeidig macht, Aromen, Zucker, Zuckeraustauschstoffe oder Süßstoffe. Zuckerfreie Varianten haben oft nur zwei Kalorien, andere bis zu 20.

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2. Der Stoff für Steinzeit-Zähne:
Der Kaugummi hat eine lange Geschichte. Bereits in der Steinzeit wurden bestimmte Baumharze gekaut. Zur Römerzeit verwendete man zum Beispiel das Harz des Mastixbaumes. Das Grundrezept für einen Kaugummi, der dem ähnelte, den wir heute kennen, lieferten die Mayas und Azteken. Sie wussten, schon lange bevor die Amerikaner den Kaugummi für sich entdeckten, den Kaugenuss zu schätzen. Als Produkt etablierte der US-amerikanische Industrielle William Wrigley junior Ende des 19. Jahrhunderts den Kaugummi. Er legte jedem seiner Backpulverpäckchen als Zugabe einen Streifen Kaugummi bei und machte ihn so populär.

3. Gut für Konzentration und Gedächtnis
Kaugummikauen ist gut fürs Köpfchen. Wie Wissenschaftler festgestellt haben, erhöht das Mahlen der Kiefer die Herzfrequenz und die Sauerstoff- und Blutzufuhr des Gehirns. Eine bessere Durchblutung des Gehirns bedeutet eine verbesserte Konzentration und Gedächtnisleistung. Weiteres Plus: Die Kaubewegung lockert verkrampfte Nacken-Kiefermuskeln, was auch dazu beiträgt, dass sich Spannungskopfschmerzen lösen.

4. Helfer gegen Stress
Bleiben wir beim Köpfchen: Japanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass beim Kauen von Kaugummi Hirnbereiche angeregt werden, die einen positiven Einfluss auf die Stressbewältigung haben können. Vielleicht sieht man deshalb so viele Kaugummi kauende Sportler und Trainer. Offensichtlich nutzen sie den Kaugummi bewusst oder unbewusst als Ventil, um ihre innere Anspannung abzubauen.

5. Ein Zähneputzer
Auch den Zähnen tut der Kaugummi gut - vorausgesetzt, es handelt sich um zuckerfreie Kaugummis. Sie hemmen die Karies- und Plaquebildung und verhindern somit einen unangenehmen Mundgeruch. Der verstärkte Speichelfluss behindert die Bakterien bei der Produktion zahnschädigender Säuren. Außerdem können sich Nahrungsmittelreste nicht so leicht zwischen den Zähnen festsetzen. Tipp: direkt nach den Mahlzeiten fünf Minuten Kaugummi kauen. Das hilft übrigens auch gegen Sodbrennen, weil der vermehrte Speichelfluss die Säurelast in der Speiseröhre reduziert. Es gibt auch spezielle Zahnpflegekaugummis. Sie enthalten zusätzliche Mineralstoffe und Mikroputzkörper. Solche Zahnpflegekaugummis sind besonders praktisch für unterwegs. Wer gerade gegessen hat und keine Zahnbürste parat, kann ersatzweise einen Kaugummi verwenden. Das betont auch Dirk Kropp, Geschäftsführer der Initiative ProDente. Das Kauen rege den Speichelfluss an, der zumindest für ein wenig Selbstreinigung sorge. Allerdings, so Kropp, müssten die Kaugummis zuckerfrei sein. Denn zuckerhaltige Produkte schädigen die Zähne, und mit Süßstoff versetzte Gums können bei empfindlichen Personen Durchfall und Blähungen auslösen.

6. Eine Dosis Feuchtigkeit
Kaugummikauen hilft auch gegen Mundtrockenheit. In Deutschland sind etwa 16 Millionen Menschen von Xerostomie - so die Fachsprache für Mundtrockenheit - betroffen. Xerostomie kann zu schlechtem Atem, höherer Infektanfälligkeit des Mund- und Rachenraumes, Schluckbeschwerden, Zahnfleischentzündungen sowie Karies führen.

7. Abnehmen mit Peppermint
Bekanntlich zählt jede Bewegung, wenn es um die schlanke Linie geht. Sorten mit Pfefferminz- oder Zimtgeschmack sind laut aktueller Untersuchungen in der Lage, das Verlangen nach Süßem einzudämmen. Zudem haben amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, dass Kaugummikauen den Stoffwechsel anregt und dadurch pro Stunde rund elf Kalorien verbraucht werden. Fünf Kilo im Jahr kann man auf diese Weise abnehmen, vorausgesetzt, man kaut acht Stunden am Tag. Dann kommt man wenigstens nicht zum Sündigen.

8. Das Ohr durchlüften
Wer häufig mit Ohrenentzündungen zu kämpfen hat, profitiert ebenfalls. Das Mittelohr wird beim Kauen belüftet, wodurch sich entzündungsfördernde Keime nicht so leicht festsetzen können. Noch größer ist die Wirkung, wenn Kaugummis den Zuckeraustauschstoff Xylit enthalten. Forscher vermuten, dass der Stoff das Wachstum von Pneumokokken hemmt, die für die Entstehung von Mittelohrentzündungen verantwortlich sind.

9. Nie ohne Gum ins Flugzeug
Auch gegen Ohrendruck hilft der Gum. Nahezu jeder Flugzeugpassagier kennt den unangenehmen Druck im Ohr bei Start oder Landung. Funktioniert die Anpassung an den wechselnden Luftdruck im Mittelohr nicht optimal, wird das Trommelfell eingedrückt. Es kann zu Symptomen wie Ohrenschmerzen, Schwindel oder gar Ohrgeräuschen kommen.
Kaugummi kann gegen diese Symptome helfen, weil Kauen zur vermehrten Speichelproduktion und somit zu verstärktem Schlucken anregt. Hierdurch wird die Tätigkeit des Druckausgleichsmechanismus im Mittelohr unterstützt.

10. Ersatz für den Glimmstängel:
Die Vorteile von nikotinhaltigem Kaugummi bei der Raucherentwöhnung sind allseits bekannt. Was nur wenige wissen: Auch das Kauen von normalem Kaugummi kann dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören Zu verdanken ist dies dem Umstand, dass die meisten Raucher an das Gefühl, etwas im Mund zu haben, gewöhnt sind. Kaugummi erfüllt dieses Bedürfnis.

11. Das Wellness-Versprechen
Das Angebot an verschiedenen Sorten ist enorm. So ist der «Bubble Gum» aufgrund seiner Elastizität ideal für alle, die gerne große Blasen machen. Medizinische Kaugummis aus der Apotheke lindern mit ihren Wirkstoffen beispielsweise Reiseübelkeit oder erleichtern Nikotinentzug. Der neueste Trend sind die sogenannten Wellness-Gums. Sie versprechen viel: Neben gesunden Zähnen sollen verschiedene andere Zusatzstoffe auch noch zu mehr Wohlgefühl verhelfen. Skepsis ist angebracht, denn meist ist der Anteil der Zusatzstoffe wie etwas Ginseng oder grüner Tee zu gering, um einen positiven Effekt auf den Organismus zu haben. Meiden sollte man Packungen mit dem Antioxidationsmittel BHA (E320). Der Stoff steht ebenso wie der Farbstoff «Echtes Karmin» und der Zusatzstoff BHT (E321) in Verdacht, Allergien auszulösen.

12. Bloß nicht verschlucken
Doch Kaugummikauen birgt auch seine Gefahren. Was ist, wenn man den Kaugummi verschluckt? Die landläufige Meinung ist, dass dies riskant sein könnte, denn der Kaugummi würde dann doch den Magen verkleben. Mediziner geben Entwarnung: Der Kaugummi passiert die normalen Wege und wird wieder normal ausgeschieden. Es wird dabei nichts verstopft und nichts beschädigt.
Und wenn Kaugummireste an der Kleidung kleben bleiben, ist auch dies kein Grund zu verzweifeln. Kälte ist ein geeignetes Hilfsmittel. Verklebte Kleidung einfach mit Eis behandeln oder gleich ins Gefrierfach legen. Erkaltete Kaugummireste lassen sich dann leicht abziehen.

Noch etwas sollten Kaugummi-Fans allerdings unbedingt wissen: Für einen ausgespuckten Kaugummi muss man in immer mehr deutschen Städten ein Bußgeld von 25 bis zu 500 Euro bezahlen. Also besser in den Abfalleimer werfen.

Noch mehr Infos über den Kaugummi: www.kau-dich-fit.de

/ivb/news.de

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