Heilen wie die Nonnen und Mönche
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 24.09.2009
Gegen vieles ist ein Kraut gewachsen, weiß Johannes Gottfried Mayer. Er gehört der Forschergruppe Klostermedizin der Uni Würzburg an und verrät news.de, was die Schulmedizin von Nonnen und Mönchen lernen kann und welches sein Lieblingskraut ist.
Herr Mayer, was genau ist mit Klostermedizin gemeint?
Mayer: Die Klostermedizin ist eine Epoche in der europäischen Medizin, die vom frühen Mittelalter, 7./8. Jahrhundert, bis zum hohen Mittelalter, 12./13. Jahrhundert, geht. In dieser Epoche hatten die Nonnen und Mönche das Monopol auf die medizinische Versorgung, weil sie die einzigen waren, die lesen und schreiben konnten, und weil sie dadurch die medizinische Tradition der griechischen Ärzte weiterführen konnten. Außerdem hat Benedikt von Nursia in seiner Klosterregel geboten, dass in jedem Konvent mindestens eine Person auf dem medizinischen Gebiet ausgebildet ist.
Wann verloren die Klöster ihre Monopolstellung und warum?
Mayer: Diese Monopolstellung haben sie im 12./13. Jahrhundert verloren, weil es von dieser Zeit an Universitäten gibt und akademisch ausgebildete Ärzte. Das heißt aber nicht, dass die Klöster ihre medizinsche Versorgung aufgegeben haben.
Warum ist die Klostermedizin des Mittelalters so bedeutend, dass sich eine Forschergruppe der Universität Würzburg damit beschäftigt?
Mayer: Die Klostermedizin ist praktisch unsere traditionelle Medizin. Wir von der Forschergruppe haben uns gedacht, dass viele Menschen eine Naturmedizin haben wollen. Sie wenden sich dann an die traditionelle chinesische Medizin oder an Ayurveda aus Indien. Dabei haben wir in Europa selbst eine medizinsche Tradition, die mindestens genau so gut ist wie die asiatischen Konzepten. Und wir glauben auch, dass die in Europa entwickelte Klostermedizin vielleicht sogar günstiger ist für die Menschen, die hier leben, weil sich solche Konzepte nicht so einfach von dem einen Kulturkreis in den anderen Kulturkreis übertragen lassen. Außerdem: Warum sollen wir das Wissen aus der Klostermedizin brachliegen lassen?
Was hat die Forscherguppe seit ihrer Gründung im Jahr 1999 geleistet?
Mayer: Wir haben wichtige historische Handschriften gesichert, wir haben eine Datenbank erstellt, in der die Heilpflanzen aufgeführt sind, die uns in alten Dokumenten begegnet sind - und das sind weit über 500. Und wir haben Anregungen für einige Arzneimittel gegeben, die in Apotheken erhältlich sind. Darüber hinaus haben wir bereits einige Bücher veröffentlicht, das Handbuch der Klosterheilkunde zum Beispiel.
Bei Klostermedizin denken viele spontan an Hildegard von Bingen – wie wichtig war sie für diese Epoche?
Mayer: Hildegard von Bingen spielt eine Sonderrolle, sie ist nicht typisch für die Klostermedizin. Sie benutzt zwar einige Elemente aus der Klostermedizin und aus der ganzen medizinischen Tradition, aber sie nimmt auch volksmedizinische Aspekte auf, und vor allem hat sie ganz eigene Anschauungen von Heilpflanzen und Heilmethoden.
Was halten Sie von ihren Heilmethoden?
Mayer: Zum Teil ist das sehr spektakulär, was sie gemacht hat. Sie hat einige Arzneipflanzen eigentlich erst so richtig entdeckt – darunter die Ringelblume, die Arnika montana und das Maiglöckchen. Aber sie hat auch giftige Pflanzen verwendet. Das Maiglöckchen zum Beispiel, aber auch die Wolfsmilchgewächse sind giftig. Es gibt viele Arzneipflanzen, die man heute nicht mehr so verwenden würde, weil sie giftig oder schädlich für die Leber sind oder krebserregende Stoffe enthalten. Das wusste man damals einfach nicht.
Was hat Hildegard von Bingen damals mit Ringelblume und Arnika montana gemacht?
Mayer: Die Ringelblume hat sie gegen Hauterkrankungen eingesetzt, sie hat ein Salbenrezept hinterlassen. Und die Arnika montana setzte sie bei Blutergüssen ein.
Haben Sie ein Lieblingskraut?
Mayer: Ich habe sogar mehrere Lieblingskräuter. Unter anderen Salbei, Thymian und Fenchel, der jetzt gerade Arzneipflanze des Jahres ist. Das sind sehr wichtige alte Heilpflanzen der Klostermedizin.
Und was bewirken diese drei Pflanzen?
Mayer: Fenchel wird bekanntlich bei Säuglingen gegen Blähungen eingesetzt. Hildegard von Bingen hat ihn allerdings bei Schnupfen verwendet: Sie empfiehlt, die Fenchelsamen auf eine heiße Platte zu legen und den Dampf, der dabei entsteht, einzuatmen. Den Salbei kann man sogar gleich so verwenden. Wenn man zum Beispiel ein leichtes Kratzen im Hals hat oder die ersten Erkältungssymptome verspürt, dann nimmt man am besten ein Salbeiblatt oder zwei und kaut diese. Das schmeckt zwar nicht so gut, aber es wirkt sofort. Man kann natürlich auch einen Salbeitee oder einen Salbeibonbon nehmen. Und Thymian ist eines der besten Hustenmittel. Er enthält Thymol - das stärkste antivirale Mittel, das wir in der Natur finden.
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