Mo., 13.02.12

Allergien Wespenstiche können tödlich sein

Artikel vom 09.06.2009

Die Furcht mancher Menschen vor Wespen mag übertrieben sein, doch für manche ist sie real – sie reagieren allergisch auf die Gifte von Wespen und Bienen. Dann ist Hilfe innerhalb von wenigen Minuten lebenswichtig.

Wer seinen Grill in der freien Natur anfeuert oder den Kaffeklatsch kurzerhand in den Garten verlegt, bekommt oft ungebetene Gäste. Durch lautes Summen und Schwirren macht sich rasch allerlei Getier bemerkbar, denn auch Wespen und Bienen lockt die reich gedeckte Tafel. Eine unachtsame Bewegung genügt und die Insekten fahren ihren Stachel aus. Während sich die meisten Menschen nach Insektenstichen nur mit juckenden Quaddeln herumplagen müssen, können sie für Allergiker lebensgefährlich sein.

Normalerweise bleibt die Reaktion des Körpers auf das Insektengift örtlich begrenzt. Die Haut schwillt rund um den Stich an und rötet sich, dazu gesellen sich meist heftiger Schmerz und quälender Juckreiz. «Spätestens nach zwei bis drei Tagen sollte solch eine Quaddel wieder verschwunden sein», sagt Professor Thomas Fuchs, Allergologe an der Göttinger Universitätsmedizin. Um die Beschwerden in den Griff zu bekommen, genügt meist etwas Kühlung und eine cortisonhaltige Salbe aus der Apotheke. «Auch eine frisch aufgeschnittene Zwiebel lindert den Schmerz und die Schwellung», erklärt Fuchs. Wenn sich große Quaddeln über mehrere Tage halten, sollte sicherheitshalber ein Allergologe um Rat gefragt werden. Ein Test kann dann klären, ob eine Allergie vorliegt.

Gefährlich wird es, wenn sich die Beschwerden nach dem Stich auf den gesamten Körper ausdehnen. Häufig machen sich diese Symptome erst verzögert bemerkbar. «Eine allergische Reaktion kann ganz harmlos beginnen», berichtet Fuchs. Erst nach gut 20 Minuten klagen die Gestochenen dann über Unwohlsein, sie fühlen ein plötzliches Kribbeln in Handflächen und Fußsohlen, bekommen rote Quaddeln am gesamten Körper (Urtikaria) und ringen nach Luft. «Das ist dann ein Fall für den Notarzt», betont Fuchs.

Wer nach dem Stich oder Biss einer Biene, Wespe, Hornisse oder Hummel solche Symptome an sich selbst oder anderen beobachtet, sollte keine Minute zögern und die Nummer des Rettungsdienstes (112) wählen. «Der Faktor Zeit spielt eine entscheidende Rolle», sagt Detlef Blumenberg, Anästhesist und Notarzt aus Osnabrück. Denn aus der allergischen Reaktion kann sich schnell ein lebensgefährlicher Schock entwickeln. «Der Blutdruck fällt dramatisch, die Atemwege schwellen zu und die Patienten werden bewusstlos», warnt Blumenberg. Nur die möglichst schnelle Gabe spezieller Notfallmedikamente wie Adrenalin kann in einem solchen Fall helfen.

Hintergrund der allergischen Reaktion ist eine Überempfindlichkeit des menschlichen Immunsystems. Der Körper des Allergikers reagiert auf das injizierte Gift mit der übermäßigen Ausschüttung von Abwehrstoffen - unter anderem Histamin, das die heftigen Symptome auslöst. Die Gründe für diese fehlgeleitete Immunantwort seien nicht vollkommen geklärt, sagt Fuchs. In einigen Fällen trete sie auf, wenn die Patienten vorher über Jahre hinweg häufig gestochen worden seien: «Mancher steckt solche Stiche 20 Jahre lang einfach weg, und im 21. Jahr erleidet er plötzlich einen Schock.» Andere wiederum neigten schon beim zweiten Stich zu heftigen Reaktionen.

Auf Dauer bietet Patienten mit einer bekannten Überempfindlichkeit nur eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) einen verlässlichen Schutz. Das Allergen wird dabei über einen längeren Zeitraum unter ärztlicher Aufsicht in den Oberarm gespritzt, so dass sich der Körper daran gewöhnen kann. Nach Angaben des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) bietet diese Therapie eine nahezu hundertprozentige Wirksamkeit. Die Behandlung müsse allerdings über drei bis fünf Jahre regelmäßig alle vier bis fünf Wochen wiederholt werden, betont Fuchs.

Außerdem sollten Insektengift-Allergiker bei sommerlichen Aktivitäten Vorsicht walten lassen. Sportliche Anstrengung im Freien, hohe Temperaturen und Alkoholgenuss könnten allergische Reaktionen begünstigen, warnt Fuchs. Außerdem gebe es Hinweise, dass die Einnahme bestimmter Schmerzpräparate wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac das Allergierisiko erhöhen könne.

Besonders gefährdete Menschen sollten zudem nach ÄDA-Angaben ein spezielles Notfall-Set bei sich tragen, das Medikamente wie Antihistaminika, Cortison und Adrenalin zur Selbstinjektion enthält. Voraussetzung ist allerdings die vorherige Einweisung durch einen Allergologen.

car
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