Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen und Frank Leth - 25.04.2009, 00.02 Uhr

Krampfadern: Blaue Beulen am Bein

Es sind Alarmsignale der Venen: ein Müdigkeits- oder Schweregefühl in den Beinen, ziehende Schmerzen oder auch nächtliche Wadenkrämpfe. Etwa jeder siebte Deutsche leidet unter behandlungsbedürftigen Krampfadern.

Besenreiser lassen sich durch Laser entfernen. Sie können Vorboten für Krampfadern sein. Bild: news.de

Schon als 15-jähriges Mädchen litt Cindy Berger unter den erweiterten rötlich-blauen Äderchen unter der Haut von Ober- und Unterschenkeln. «Anfangs waren diese Besenreiser nur ein Schönheitsmakel für mich. Ich habe mich jahrelang darüber geärgert und sie kosmetisch abgedeckt», erzählt der Schlagerstar, der in den 1970er Jahren mit dem Duo Cindy und Bert bekannt wurde. Cindy Berger tröstete sich mit dem Gedanken, dass es Millionen Frauen ähnlich ergeht.

Doch dann kamen zunehmend Beschwerden hinzu und der Hinweis eines Arztes, dass Besenreiser erste Warnsignale für schwache Venen und Krampfadern sein können. Unbekannt war dem Schlagerstar das Problem nicht: «Bereits meine heute 84-jährige Mutter und auch meine Cousinen litten schon an der Venenerkrankung», sagt Berger. Inzwischen ist die Sängerin 61 Jahre alt und Schirmherrin der Deutschen Venenliga. Anlässlich des Deutschen Venentages am 25. April will sie auf das Volksleiden aufmerksam machen..

Bei Krampfadern, den sogenannten Varizen, handelt es sich um krankhaft erweiterte Venen. Taschenförmige Klappen in den Venen sorgen normalerweise dafür, dass das Blut von den Füßen zum Herz ohne Probleme gepumpt werden kann. Die sich schließenden Venenklappen haben die Funktion, dass das Blut nicht wieder Richtung Füße zurückfließt.

Bei einer Venenerweiterung können die Klappen das Blut aber nicht mehr richtig zurückhalten: «Es kommt dann zu Blutstauungen», erklärt der Präsident der Deutschen Venenliga, Dr. Michael Wagner. Sei die Vene erweitert und eine Klappe einmal geschädigt, führe dies zu einem erhöhten Druck auf die nächste Venenklappe. «Dann kann eine Kettenreaktion einsetzen, bei der immer mehr Venenklappen nicht mehr richtig funktionieren», sagt der Facharzt. Die Folge: Krampfadern.

Ursache ist meist eine erblich bedingte Bindegewebsschwäche. Da die Venen auch teilweise aus Bindegewebe besehen, kann eine solche Schwäche zu einer Erweiterung der Blutgefäße führen. Aber auch weibliche Hormone können das Bindegewebe schwächen. Dies ist auch ein Grund, warum zwei Drittel der Krampfadern-Patienten Frauen sind.

Unbehandelt verschlimmert sich die Erkrankung fast immer: Blutstauungen, geschwollene Beine, Hautveränderungen bis hin zu gefährlichen Blutgerinnseln oder offenen Beinen gehören zu den möglichen Risiken des Venenleidens. Bei vielen Betroffenen sind die sich schlängelnden, bläulichen Krampfadern unter der Haut deutlich sichtbar. «Manche erkrankten Venen sind aber nicht mit bloßem Auge zu erkennen», warnt Wagner. Treten trotzdem typische Beschwerden auf, sollten diese immer vom Arzt abgeklärt werden.

Vor zehn Jahren hat sich auch Cindy Berger zu einer Therapie entschlossen. «Eigentlich hat Tony Marshall mich dazu gebracht», erzählt sie: In einer Zeitschrift habe sie gelesen, wie sich der Musiker erfolgreich in einer Fachklinik habe behandeln lassen. «Da wollte ich auch mein Venenproblem endlich angehen», berichtet die Sängerin, die die Besenreiser mittels einer Lasertherapie quasi wegzaubern ließ. Vor der Behandlung wurde per Ultraschall festgestellt, dass keine tiefer liegenden Venenerkrankungen vorliegen.

Sämtliche Behandlungsmethoden zielen nach Angaben von Facharzt Wagner darauf ab, «dass die kranken Venen nicht mehr dem gesunden Venensystem zur Verfügung stehen». Je nach Erkrankungsgrad stehen unterschiedliche Therapien zur Verfügung: Sind die tiefer liegenden Stammvenen erkrankt, ist die operative Entfernung der Vene das Mittel der Wahl - etwa mittels einer Unterbindung der betroffenen Vene (Krossektomie). Bei diesem Verfahren wird die Krampfader an ihrer Eintrittsstelle in das tiefe System durchtrennt, wodurch das Zurückströmen des Blutes verhindert wird. «Das ist häufig in örtlicher Betäubung möglich», sagt Wagner.

Alternativ bietet sich die Stripping-Operation an: Unter Vollnarkose werden kleine Einschnitte am Fußknöchel, an der Kniekehle und in der Leistenbeuge vorgenommen. Dann werden die Venen mit einer Sonde herausgezogen. Dünne, krankhafte Venen und Besenreiser werden stattdessen verödet. Dazu wird in die Krampfadern ein Medikament eingespritzt, das eine Entzündung hervorruft und dadurch die Krampfader verschließt. Das Blut sucht sich dann einen anderen Weg zum Herzen. Die Krampfadern-Verödung (Sklerosierung) erfolgt ambulant und ohne Narkose.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Tipps der Experte zur Vorbeugung empfiehlt

Um Krampfadern vorzubeugen, sollte man nach Möglichkeit häufiges Sitzen oder Stehen meiden, weil das die Venen stark belastet. «Auch sollte man für einen regelmäßigen normalen Stuhlgang sorgen», rät Wagner. Denn bei Verstopfung presse man viel, was wiederum zu einem erhöhten Druck auf die Venenklappen führe.

Betroffene Frauen sollten zudem hochhackige und spitze Schuhe meiden, in denen die Füße keinen richtigen Halt haben. Diese schränken den Venenfunktion und die Blutzirkulation ein. Beim Sitzen sollten die Beine immer wieder hoch gelagert werden. Kreisende Fußbewegungen können dabei die Blutzirkulation anregen. Auch regelmäßiges Wechselduschen verringert das Risiko, dass die Venen sich zu sehr erweitern. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, nutzt einmal im Jahr die Gelegenheit zu einem Venencheck.

«Sehr nützlich sind bei Krampfadern individuell angepasste Kompressionsstrümpfe, die auch schick aussehen können», sagt Cindy Berger. Die Strümpfe helfen, die Venen zu verengen. Viel Bewegung wie Radfahren, Schwimmen, Laufen oder schnelles Gehen entlastet ebenfalls die Blutgefäße. Die angespannten Muskeln verengen die Venen und unterstützen den Blutfluss zum Herzen.

«Beherzigt man die Vorbeugemaßnahmen, kann vielen ein Leidensweg mit Krampfadern erspart bleiben. Man braucht nur ein wenig Disziplin», sagt Berger, die ihr Venensystem durch reichlich Bewegung, stramme Spaziergänge und eine spezielle Venengymnastik unterstützt.

Die gebührenfreie Venen-Hotline der Deutschen Venenliga ist täglich, auch am Wochenende, unter der Rufnummer 0800-4 44 33 35 von 8 bis 22.30 Uhr zu erreichen.

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