Von Carina Frey - 10.08.2009, 15.15 Uhr

Pflegeheime: Wann muss die Oma ins Heim?

Schon Pflegeheim oder geht es doch noch mit häuslicher Pflege? Diese Frage ist weder für Betroffene noch für Angehörige einfach zu beantworten. Doch es gibt einige Alarmsignale, die auf die Notwendigkeit des Umzugs ins Heim hinweisen.

Verschiedene Alarmsignale können einen nötigen Umzug ins Altenpflegeheim ankündigen. Bild: dpa

Im Pflegeheim zu enden, ist für viele Menschen ein Albtraum. In einer repräsentativen Umfrage der GfK-Marktforschung vom Sommer 2008 erklärten sieben von zehn Bundesbürgern, sie fänden die Vorstellung «grauenhaft», in einem Pflegeheim zu wohnen.

Doch bis wann lässt sich das vermeiden? Es sind kleine Zeichen, die Angehörige hellhörig machen sollten. Die Ablehnung von spontanen Besuchen weise auf Probleme hin, erklärt die Pflegedozentin Christine Schmidt aus Berlin. Gleiches gilt, wenn Ältere plötzlich schlecht organisiert sind. «Die Person ist beispielsweise noch nicht vollständig angekleidet, wenn Besuch kommt», so die Expertin.

Ein leerer, aber auch ein voller Kühlschrank, in dem nichts verbraucht wird, könnten Warnsignale sein, ergänzt Heike Nordmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Dagegen bedeuten weder ein brennender Topf auf dem Herd noch ein Sturz zwangsläufig das Ende der Eigenständigkeit.

Viele solcher Situationen ließen sich nämlich mit Hilfsmitteln entschärfen. «Es gibt zum Beispiel gute Herdsicherungssysteme», erklärt die Pflegedozentin. Und über einen Hausnotruf, der am Körper getragen wird, könne eine Person bei einem Sturz schnell Hilfe anfordern. Eine weitere Möglichkeit sei, eine Haushaltshilfe einzustellen.

Ist aber etwa die Mutter so verwirrt, dass sie bei Spaziergängen allein nicht mehr nach Hause findet, wird es schwieriger. «Gehen Sie zu einer Beratungsstelle und schildern Sie die Situation», rät Nordmann. Vielleicht ist eine Wohngruppe oder Betreutes Wohnen eine Lösung, ergänzt Schmidt.

«Den Satz ‹Du musst nie ins Heim› sollte man aber nie sagen», warnt Professor Rolf Hirsch, Gerontopsychiater in den Rheinischen Kliniken Bonn. Zwar werden laut Statistischem Bundesamt 68 Prozent der Pflegebedürftigen in Deutschland zu Hause versorgt - größtenteils von Angehörigen. Doch manchmal ist die Pflege für Angehörige nicht mehr zu bewältigen. Das gilt vor allem bei Demenz. Denn: Hierbei haben Angehörige oft das Gefühl, Betroffene nie allein lassen zu können.

Müssen sie ständig aufpassen, kann das aber zur Überlastung führen. Somit sind Indikatoren für den Wechsel ins Heim nicht nur bei den Betroffenen, sondern auch bei den Angehörigen zu suchen. Weinkrämpfe, Niedergeschlagenheit und Spannungen mit dem eigenen Partner nennt auch Nordmann als Warnzeichen bei den Pflegenden dafür, dass es mit der Pflege zu Hause so nicht weitergehen kann.

Die Alarmglocken sollten besonders laut schrillen, wenn es zu Gewalt kommt. So etwa, wenn der Pflegebedürftige gegen seinen Willen eingeschlossen wird, weil sich Angehörige nicht mehr anders zu helfen wissen. Denn die Pflegenden können selbst bei der größten Mühe, sich etwa um ihre gealterten Verwandten zu kümmern, nicht immer auf deren Verständnis oder Kooperation hoffen. «Viele Pflegende nehmen selbst nicht wahr, dass sie nicht mehr können», so Nordmann.

Dann brauchen sie Hilfe, und die gibt es auch jenseits eines Pflegeheims. Eine abgeschwächte Form sei die Tagespflege, erklärt Schmidt. Dann wird der Pflegebedürftige ein- oder mehrmals pro Woche tagsüber betreut, was eine große Entlastung sein kann.

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kat/sgo/news.de/dpa

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