Sa., 26.05.12

Weibliche Hormone 26.01.2011 Macht Trinkwasser Männer impotent?

Männer haben ein Spermaproblem. Die Östrogene im Trinkwasser könnten Schuld sein. (Foto)
Männer haben ein Spermaproblem. Die Östrogene im Trinkwasser könnten Schuld sein.   Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Jan Grundmann

Die Spermienqualität von westeuropäischen Männern sinkt rapide. Weibliche Hormone könnten schuld sein. Sie lauern offenbar im Trinkwasser und in Plastikflaschen. Droht eine östrogenisierte Gesellschaft ohne fruchtbare Männer?

Eine Toxikologin malt unser Zukunftsszenario: «Wir werden eine Verweiblichung der Gesellschaft erleben», sagt Dr. Eleonora Blaurock-Busch. Der Anteil homosexueller Männer werde steigen. Aha. «Das Gute an einer östrogenisierten Gesellschaft kann sein, dass die Kriminalität zurückgeht», prophezeit die wissenschaftliche Leiterin von Micro Trace Minerals, einem Labor für umweltmedizinische Untersuchungen in Hersbruck.

Doch auch, wenn Frau Blaurock-Busch das Positive sucht, eigentlich ist es eine Hiobsbotschaft für westeuropäische Männer. Ihre Fruchtbarkeit sank in den vergangenen 40 Jahren dramatisch. Viele Studien sind in den vergangenen Jahrzehnten zum gleichen Ergebnis gekommen, viele Tausend Männer wurden allein in Deutschland untersucht. Ein Team um Biochemiker Wulf Thierfelder untersuchte etwa mehr als 2000 Patienten der Universitätsklinik Leipzig. Zwischen 1985 und 1996 sank die Spermienzahl im Ejakulat gleichaltriger Männer um ein Drittel. Zusätzlich stieg der Anteil missgebildeter Samenzellen. Andere Spermastudien aus Deutschland und Europa zeigen in dieselbe Richtung: nach unten.

Die Alarmsirene der männlichen Reproduktionsfähigkeit schrillt. Aber so laut, so unklar sind die Gründe für den Schwund im Hodensack auch. Ein Verdächtiger hält sich dabei wacker in der Fahndungsliste: Östrogen. Es heißt, Frauen würden die über die Pille eingenommenen Hormone im Urin ausscheiden. Und Klärwerke beim Versuch, alle Stoffe und Stöffchen aus dem Abwasser zu filtern, versagen.

Forellen in Berliner Flüssen werden weiblich

Weibliche Hormone sollen so ins Trinkwasser gelangen - und damit auch in die männlichen Körper. Wie hoch der Anteil ist und welche Auswirkungen er auf die Zeugungsfähigkeit hat, darüber gibt es keine verlässlichen Angaben. Auf eine Zeit-Anfrage hin zumindest beruhigt das Bundesumweltamt: Hormonell aktive Stoffe seien bisher nirgends in Konzentrationen gefunden worden, die irgendeinen Anlass zu gesundheitlicher Besorgnis bei Menschen geben könnten.

Doch im Tierreich ist die verweiblichende Wirkung von Hormonen nachgewiesen. «Statt strammer Fischjungs nur noch impotente Schwächlinge», so warnt das Anglermagazin Esox und schlägt Alarm: «Sterben unsere Fische aus?» Nachweise im Fischsegment gibt es viele. So wurde etwa die Feminisierung von Forellen in Berliner Flüssen nachgewiesen. Leben die Fische in der Nähe eines Klärwerks, werden die männlichen Forellen fast vollständig ausgerottet. Nur noch Weibchen schwimmen umher, haben die Wissenschaftler Hansen und Dizer 1999 herausgefunden. Vor allem die Sommermonate seien schwierig, weil dann die Abwasserkonzentration in den Binnengewässern durch die Trockenheit besonders hoch ist. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen Wissenschaftler bei der Untersuchung von Brassen im Rhein.

Den Ablauf der Metamorphose hin zur Weiblichkeit hat US-Forscherin Karen Kidd nachgewiesen. Sie untersuchte in einem See die Population der Goldelritze, eine kleine Alternative zum Goldfisch. Die Forscherin setzte einem Teich kleine Mengen Östrogen zu. Nach dem ersten Sommer begannen die männlichen Fische, ein Protein zur Eiproduktion zu bilden. Nach einem weiteren Jahr war ihre Spermienproduktion massiv eingeschränkt. Kurze Zeit später fabrizierten die männlichen Fische Eier.

Hohe Östrogen-Konzentration in der Plastikflasche

So strittig der Östrogen-Gehalt des Trinkwassers ist, so klar ist aber, dass viele Männer regelmäßig weibliche Hormone aufnehmen. Und zwar in Form von endokrinen Disruptoren. Das sind künstlich hergestellte Substanzen, die dem weiblichen Sexualhormon ähneln. Und sie werden vor allem in der Kunststoffindustrie verwendet - zum Weichmachen oder Härten des Kunststoffs.

Problem: Die hormonähnlichen Substanzen können auslaugen und in die Cola oder das Mineralwasser gelangen. Ein Forscherteam der Frankfurter Goethe-Universität hat diesen Nachweis erbracht. «Wir haben Mineralwasser aus Glas- und Plastikflaschen verglichen und konnten zeigen, dass die östrogene Belastung in Wasser aus Pet-Flaschen etwa doppelt so hoch ist wie in Wasser aus Glasflaschen», erklärt Mitforscher Martin Wagner. «Wir mussten feststellen, dass Mineralwasser hormonell betrachtet in etwa die Qualität von Kläranlagenabwasser aufweist», so das schockierende Fazit von Projektleiter Jörg Oehlmann.

Zudem schädigt das zum Härten von Kunststoff genutzte Bisphenol A die Spermien. Dabei ist die hormonähnliche Substanz eine der meistverwendeten und gewinnträchtigsten Industriestoffe - und steckt in Schnullern und eben Getränkeflaschen.

Menschliche Unfruchtbarkeit in einigen Generationen?

«Es wäre also gesünder, eine Glasflasche zu nehmen und Wasser aus dem Hahn zu zapfen», sagt Toxikologin Dr. Eleonora Blaurock-Busch. Immerhin das scheint klar: Auch wenn das Trinkwasser mit Östrogenen belastet sein sollte, problematischer scheint der Schluck aus der Plastikflasche. Grund: Die Trinkwasserverordnung sei wesentlich strenger als die Auflagen für die Mineralwasserindustrie, die Grenzwerte für das Wasser aus dem Gestein höher als beim Nass aus dem heimischen Hahn.

So droht Männern eine steigende Östrogen-Konzentration im Körper. Unklar bleibt, ob die Spermienqualität deshalb zurückgeht. Ob die Unfruchtbarkeit naht. Welche Konsequenzen tatsächlich beim männlichen Menschen drohen, werden wir vielleicht erst in Jahrzehnten sehen. Denn wir sind ja keine Fische, die jedes Jahr Nachwuchs bekommen.

iwi/reu/news.de
Leserkommentare (8) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 8
  • 28.01.2011 16:08
 

Beruhigt euch, diese Behauptungen sind gelogen. Alle 10 Jahre die gleiche Geschichte. Es gibt keine seriösen Beweise für diesen Vermutungszusammenhang. Wissenschaft? Nein übersteigerte Geltungssucht.

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  • böckchen
  • Kommentar 7
  • 26.01.2011 20:58
 Antwort auf Kommentar 5

Sei froh ! Wir hatten aber vor Aids noch locker Sex. Leider trotzdem viel zu wenig, stimmt. Aber das heute ist auch keine Lösung...;-) !

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  • böckchen
  • Kommentar 6
  • 26.01.2011 20:54
 

Die Nachfrage nach Erotik und Sex scheint auch im TV kaum. Keine solche Show oder Spaß. Früher war 9live, RTL2 usw total Schummel, Jürgen Drews usw Getummel. Naja. Heute Fußball, Ekel-Dschungel und Killer zusammen auf dem fetten Sofa. Nachts dann bißchen dumpfer Porno im Abseits. Da vergeht dann der letzte Gedanke. Hat wohl seine Gründe...

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  • Heinz
  • Kommentar 5
  • 26.01.2011 20:43
 

Schade das es das heutige Trinkwasser nicht schon vor 50 bis 60 Jahren gab. Da hatte ich nämlich mächtige Probleme mit zuviel Potenz.

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  • harry
  • Kommentar 4
  • 26.01.2011 20:43
 

Erotik und Sex gibt es kaum noch. Früher gab es in jeder Stadt ein echtes Rotlichtviertel. Heute z.B. wurde St. Pauli in Hamburg zum Museum mit Führungen... was da früher fürn Sex gab, Mann. Heute ein paar müde Reinsteck-Nummern, das wars. Da und zuhause. Chemie, Aids, Scheiss-Präser, Internet, Emanzipation...da bleibt nicht viel für den Gockel !

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  • lui
  • Kommentar 3
  • 26.01.2011 20:35
 

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Folgen der Pille kaum aus dem Trinkwasser herauszubekommen sind. Der Grenzwert wird dann eben erhöht, wobei, wie bei so vielen Chemikalien in der Umwelt, sowieso keiner weiss, wie es auf Dauer wirkt. Die Frauen wollen sowieso Karriere machen, sind abends müde, dann könnten sie ruhig die Pille lassen. Die Geschlechter sind Mitarbeiter geworden, ohne Spannung und Kribbel !

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  • Oliver
  • Kommentar 2
  • 26.01.2011 16:23
 

Na liebe Grüne Steinewerfer! Ich hätte da für die sogenannte Umweltpartei einen Gesetzesvorschlag zu unterbreiten, ganz im Sinne des Papstes und ganz persönlich für die Grünen und so genannten Umweltpolitiker: 1) Verbot der Pille. 2) Habemus papam! Lachnummer, bin kein Katholike.

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  • derdiedasww
  • Kommentar 1
  • 26.01.2011 15:25
 

ist doch völlig egal, impotent oder nicht, die meisten frauen sind in der arbeit und haben migräne....

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