So., 12.02.12

Suizid und Gene Der Freitod als fatales Erbe?

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Artikel vom 11.11.2009

Warum sich Menschen umbringen, beschäftigt die Wissenschaft schon lange. Auch die Frage, warum Freitode in manchen Familien gehäuft auftreten. Bestimmen etwa die Gene, ob jemand Hand an sich legt? Immer mehr Studien scheinen diese Annahme zu untermauern.

Literaturnobelpreisträger Ernest Hemingway schoss sich im Juli 1961 mit einer Schrotflinte in den Kopf. Der amerikanische Schriftsteller hatte jahrelang unter Alkoholsucht und schweren Depressionen gelitten.

Er reiht sich mit dieser Tat in eine düstere Familientradition ein: Schon sein Vater hatte sich 1928 erschossen, seine Schwester Ursula starb 1966 an einer Überdosis Schlafmittel, sein Bruder Leicester erschoss sich 1982, und Enkelin, Schauspielerin und Model Margaux Hemingway, setzte 1996 ihrem Leben mit Beruhigungstabletten ein Ende.

US-Medien munkelten von einem «Hemingway-Fluch». Dabei häufen sich Freitode in zahlreichen Familien, wie der Psychiater Dan Rujescu von der Universitätsklinik München im Gespräch mit der Zeitschrift Gehirn & Geist sagt. Suizidgefährdete Patienten berichten demnach oft, dass es bereits mehrere solcher Taten in ihren Familien gab, berichtet Rujescu aus seiner beruflichen Erfahrung.

Die Eltern als fatales Risikodemna

Das bestätigen laut der Zeitschrift gleich mehrere Studien. Demnach haben Angehörige von Selbstmördern ebenfalls ein größeres Suizidrisiko. Mehr als 20 Untersuchungen wurden im Jahr 2004 von Ross Baldessarini und John Hennen von der Harvard University in Boston zusammengefasst. Das Fazit der beiden Wissenschaftler: Alles spreche für eine familiär bedingte Suizidneigung. Die Verwandten von Freitodopfern hätten ein fünffach höheres Risiko, sich ebenfalls umzubringen, als der Durchschnittsbürger.

Wieso kommt es zu dieser auffälligen Häufung von Suiziden in einzelnen Familien? Dienen die Eltern ihren Nachkommen als fatales Rollenvorbild? Oder liegt es an widrigen Lebensumständen, die miteinander Verwandte gleichermaßen betreffen? Oder wird das Suizidrisiko indirekt weitergegeben – etwa über eine Veranlagung zu psychischen Störungen. Immerhin stellen Seelenleiden den stärksten Risikofaktor für Selbstmorde dar. Neun von zehn Menschen, die sich das Leben nehmen, waren zu diesem Zeitpunkt psychisch krank.

Depressionen stehen dabei an erste Stelle, gefolgt von Angststörungen und Substanzabhängigkeit wie Alkohol- und Tablettensucht. Vielen Medizinern gilt Suizid sogar als mögliche «Komplikation» bei allen bekannten psychischen Errkankungen. Und diese sind eben auch zu einem gewissen Grad erblich: Die Kinder von depressiven Patienten haben ein doppelt so hohes Risiko, an der Gefühlsstörung zu erkranken, wie der Nachwuchs anderer Eltern.

Wissenschaftler haben seit einiger Zeit eine weitere Annahme im Visier: «Demnach ist die Suizidneigung manchem buchstäblich in die Wiege gelegt», sagt der Psychiater laut Gehirn & Geist.  Die Forscher machen dafür sogenannte Suizid-Gene verantwortlich. Laut Rujescu kann man aber nicht einfach sagen, die Gene lösen suizidales Verhalten aus. Eine Art Selbstmordprogramm, das im Erbgut schlummert und sich irgendwann unweigerlich von selbst abspult, gibt es nicht. «Aber es gibt einen genetischen Anteil wie bei vielen anderen Verhaltensweisen auch», so der Experte.

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Suizid und Gene : Der Freitod als fatales Erbe? » Gesellschaft » Nachrichten

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Leserkommentare (9)
  • Kommentar: 9
  • 15.11.2009 11:59
von
ragnaroekr
Antwort auf Kommentar 8

Ja und wer das bestreitet, schiebt Verantwortung ab, er rechtfertigt sich zu Unrecht.

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  • Kommentar: 8
  • 12.11.2009 21:28
von
kato

Tja die Gene sind schuld. Schön einfach! Hier kann sich eben auch jeder verstecken und muss sich nicht fragen, inwieweit wir auch so manches mal ungehobelt über einen anderen Menschen hinweg trampeln. Sicher sind einige Anlagen auch erblich bedingt. Es wird ja auch nicht jeder Alkoholiker bei regelmäßigem Alkoholkonsum. Aus meiner Erfahrung sind aber auch im gesellschaftlichen Umfeld einige Faktoren zu berücksichtigen. Menschen in der Gruppe sind eben mit unter auch grausam zu einander und manches mal sollte jeder auch sich selbst überprüfen jund etwas zurück halten

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  • Kommentar: 7
  • 12.11.2009 10:02
von
ragnaroekr
Antwort auf Kommentar 3

Ich bin gerade dabei, einer psychiatrischen Einrichtung das Handwerk zu legen. Habe da wohl in ein Wespennest hinein gestoßen. Brauche ein paar Wochen. Frage daher, wie der Kontakt hergestellt werden kann, ohne dass Dritte vorlfg. etwas mitbekommen, schon gar nicht verwanzende.

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  • Kommentar: 6
  • 11.11.2009 22:16
von
Weingarten

Ich geh mal mehr davon aus das es an der Gleichgültigkeit der Gesellschaft liegt. Wenn einer zu tode kommt ist die Anteilnahme groß. Nur zu lebzeiten vergisst man allzu schnell die anderen. Dieses Verhalten hat meiner Meinung eine wichtige vieleicht sogar den wichtigsten Grund. Dazu kommt noch der ziwilisierte Druck in einer schnell lebenden Zeit . Herzliches Beileid an die Angehörigen

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  • Kommentar: 5
  • 11.11.2009 17:02
von
josef schwannberger
Antwort auf Kommentar 1

möchten Sie etwas über eine Methode erfahren, wie Psychiater für Auftraggeber quasi Hilfesuchende umbringen ? Die Beweislage ist erdrückend.

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  • Kommentar: 4
  • 11.11.2009 17:01
von
josef schwannberger

möchten Sie etwas über eine Methode erfahren, wie Psychiater für Auftraggeber quasi Hilfesuchende umbringen ? Die Beweislage ist erdrückend.

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  • Kommentar: 3
  • 11.11.2009 16:58
von
josef schwannberger
Antwort auf Kommentar 1

Möchten Sie etwas über kriminelle Psychiater erfahren, die Hilfesuchende faktisch umbringen - durch Gefälligkeitsgutachten für einen Auftraggeber. Bei Interesse bitte ich um Nachricht. Die Beweislage ist erdrückend.

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  • Kommentar: 2
  • 11.11.2009 15:21
von
ragnaroekr

Da können wir aber froh sein, dass die die Gene generierende Natur nach psychatrischen Verlautbarungen nicht auch noch ein Selbstmördergen entwickelt hat. Allerdings wissen das nur Psychater sicher. Also gibt es ein Gen, das den Genträger zum Psychiater werden lässt. Oder ein Reue-gen, das wie Lester andeutet, den Suizid rückgängig machen will. Auch ein Herrschaftsgen wäre genetisch wünschenswert, wenn es ein Knechtschaftsgen gibt. Das wäre dann ein win-win-Gen, Herr und Knecht als Komplementärgene. Ich werde mir den genetischen Ausdruck Komplementär-, Psychatriegen patentieren lassen.

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  • Kommentar: 1
  • 11.11.2009 15:05
von
Gisi

Ich finde es ganz traurig, wenn Menschen keinen Ausweg mehr sehen als den Tod. Ich denke, in unserer heutigen Gesellschaft, wo jeder nur noch für sich selber lebt, wo kein Familiegefüge mehr existiert, wo Medien den Menschen so vereinnahmen und wo der Mensch nur noch eine Nummer ist, wo nur noch Leistung zählt, wo alle nur noch die Dollarzeichen in den Augen haben ist es nicht verwunderlich, dass es so viele Selbstmorde gibt. Wir sollten wieder lernen, mit den Menschen zu reden, ihnen zuzuhören, Eltern sollten wieder ihren Kindern ein Zusammenhörigkeitsgefühl geben.

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