Mo., 13.02.12

Interview zur Polyamorie «Als Frau wird man noch fast bewundert»

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach

Artikel vom 03.11.2009

Nur einen Mann lieben, das ist für Regula Heinzelmann nicht vorstellbar. Die Juristin und Schriftsteller lebt polyamor. News.de erklärt sie, wieviele Beziehungen gleichzeitig machbar sind, die Verantwortung für ihren Partner und logistische Probleme.

Sie haben vor 15 Jahren ein Buch über Polygamie veröffentlicht. Hat sich seitdem etwas geändert?

Heinzelmann: Eigentlich nicht. Ich praktiziere und befürworte diese Lebensform bis heute. Damals habe ich es Polygamie genannt, heute gibt es das Wort Polyamorie. Das finde ich besser. Damals war die Jugend extrem dagegen. Das lag daran, dass sich die Eltern zum Teil wegen anderer Beziehungen ziemlich rasch scheiden ließen, was leider auch heute noch passiert. Bei Jugendlichen kam das so an wie «andere Beziehungen vermeidet man besser». Aber auch Frauen waren kritisch. Die Männer weniger, weil polyamore Beziehungen für Männer viel schwieriger sind als für Frauen.

Warum?

Heinzelmann: Es ist viel schwieriger, eine Frau zu finden, die diesen Lebensstil toleriert, als einen Mann. Es wird bei Männern auch härter beurteilt. Als Frau wird man dafür noch fast bewundert, aber als Mann wird man gleich als Macho abgetan.

Wie viele Beziehungen haben Sie im Moment?


Heinzelmann: Ich möchte das nicht beziffern. Kommt darauf an, was Sie unter Beziehung verstehen. Es gibt alte und neue Freundschaften. Ich habe seit einem Jahre einen Lebensgefährten, andere Beziehungen wiederum haben sich gelockert, sind aber reaktivierbar.

Was verstehen Sie denn unter Beziehung?

Heinzelmann: Ich verstehe darunter eine Freundschaft, die intensiv ist und lange dauert, sogar lebenslang dauern kann und die auch erotisch ist.

Wie viele Beziehungen gleichzeitig sind machbar?


Heinzelmann: Es hat sich herausgependelt, dass vier eine gute Anzahl ist. Ich möchte das aber nicht so herausstellen, weil ich früher immer als Frau mit vier Beziehungen präsentiert wurde. Es stört mich, dass man mich immer darauf reduziert. Es ist nämlich ein gesellschaftliches Konzept und hat mit meinen Beziehungen eigentlich unmittelbar gar nichts zu tun. Ich habe diese Erfahrungen. Ohne sie hätte ich mein Buch nicht schreiben können. Heute bin ich vorsichtig und sage nicht mehr, wie viele Beziehungen ich habe.

Die Männer, mit denen Sie Beziehungen haben, wissen voneinander.

Heinzelmann: Grundsätzlich ja, aber sie kennen nicht unbedingt die Namen. Wenn jemand Diskretion wünscht, muss man das akzeptieren. Man muss sich gegenseitig auch nicht immer alle Details erklären. Es gibt Partner, mit denen man das kann, und es gibt Partner, mit denen man das besser lässt.

Sind mehrere Beziehungen ein logistisches Problem?

Heinzelmann: Ich habe immer eine eigene Wohnung. Das erleichtert die Sache. Wenn es ein Zusammenleben gibt, muss man mal in die Wohnung des anderen Partners, ins Hotel oder einen Ausflug machen, ein Wochenende verbringen. Das muss man dann regeln.

Interessieren Sie sich für die anderen Beziehungen Ihrer Männer?

Heinzelmann: Ja, natürlich. Sofern die mir etwas mitteilen wollen, finde ich das in Ordnung. Es ist auch denkbar, dass ich die Partnerinnen kennen lerne. Da bin ich offen. In den 30 Jahren, in denen ich so lebe, ist das auch schon öfter vorgekommen.

Hatten Sie schon das Gefühl, dass sie jemanden betrügen?

Heinzelmann: Von mir aus nicht. Meine Partner wissen alles. Für seine anderen Partnerschaften ist dann jeder selbst verantwortlich. Es kommt ja gelegentlich vor, dass man die Probleme in einer Beziehung auf den Dritten schiebt. Wenn zwei nicht mehr miteinander auskommen, sind sie selbst verantwortlich.

Sind Sie eifersüchtig und wenn ja, wie gehen Sie damit um?

Heinzelmann: Wenn es das bei mir gäbe, hätte das auf jeden Fall nichts mit Sex zu tun. Wenn ich eine neue Beziehung anfange, sage ich klar, ich lebe Polyamorie, und dann liegt es im Belieben von jedem, das zu akzeptieren oder nicht. Wenn jemand es nicht akzeptiert, ist eine Beziehung von vornherein gar nicht möglich.

Kommt es vor, dass Ihre Männer nur Sie als Partnerin haben?

Heinzelmann: Das kann es auch geben. Das dauert dann aber auch nicht unbegrenzt. Das liegt aber nicht an mir, sondern vielleicht an der Tatsache, dass es schwierig ist, Frauen zu finden, die diesen Lebensstil akzeptieren. Aber ich schränke niemanden ein. Gleiche Rechte für beide.

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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 21.03.2010 14:56
von
paul

also ehrlich gesagt, so hintereinander, wenn etwas vorher vielleicht abgeflaut ist, das kann man ja noch nachvollziehen, aber gleichzeitig!!!!!! das ist dann vielleicht so wie essen gehen. Irgendwie total unpersönlich. igit

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