Chinesischer Exporterfolg mit poppen.de
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Von news.de-Mitarbeiter Markus Wanzeck
Artikel vom 19.12.2008Drei junge Brüder verließen 2004 Bielefeld, um die Welt zu bereisen und das Internet zu erobern. Gekommen sind sie bis nach China. Von ihrem Erfolg eingeholt, gründeten sie eine Firma und setzen inzwischen Millionen um. Ein Besuch in Schanghai.
Der Sommer 2004 gab sich alles andere als märchenhaft. Deutschland war sang- und sieglos bei der Fußball-Europameisterschaft ausgeschieden. Das passte gut ins Bild. Denn es gab wenig, was David, Julius und Robert Dreyer zum Bleiben hätte bewegen können. Die Bundesrepublik, besonders ihr Heimatort Bielefeld, erschien ihnen zu eng. Sie wollten reisen, die Welt sehen. Und unterwegs im Internet das Geld dazu verdienen.
Mit dem World Wide Web, so ihre Hoffnung, ließe sich globales Nomaden- mit Unternehmertum verweben. David (22) und Julius (20) hatten nur noch darauf gewartet, bis ihr kleiner Bruder das Abi in der Tasche hatte. Dann schnappten sie ihn und stiegen in den Flieger, drei Weltreisende.
Montagmorgen, knapp neuntausend Kilometer östlich von Bielefeld. Die Straßen Schanghais flirren in der Hitze, die opake Brühe des Suzhou-Flusses, der die Yi-Chang-Straße ein Stück weit begleitet, gluckert träge im Bett. Am Ende der Straße liegt das Büro dreier «Lao Wai» – «Fremder». So werden Nichtchinesen von Chinesen genannt.
Im ersten Stock, auf einer Art Bürobalkon, sitzt Julius Dreyer hinter einem großen Flachbildschirm, weißes T-Shirt, Shorts, die Beine leger übereinander geschlagen. Am Nebentisch sein Bruder David. Von hier oben haben sie gute Sicht auf ihr Großraumbüro. «Im Rückblick», sagt Julius und meint die Flucht aus Bielefeld, «war das jugendliche Kurzsinnigkeit». David nickt. Die beiden lachen über ein Früher, das erst vier Jahre vergangen ist.
Schanghai sollte die erste Station ihrer Weltgeschäftsreise sein. Schanghai, das war zugleich auch die Endstation ihrer Reise. Schlecht war das nur fürs Nomadentum: Heute haben die Dreyer-Brüder in ihrem zweistöckigen 1000-Quadratmeter-Büro gut 40 Mitarbeiter aus mehr als zehn Nationen um sich versammelt. Die meisten sind älter als die Brüder, viele zehn, manche zwanzig Jahre.
Sie nennen sich The Netcircle. Sie haben sich auf Social CommunitysEine Internetseite, auf der Menschen gleicher Interessen, gleicher Berufsfelder, gleicher Wohnorte oder anderer verbindender Elementen zusammenkommen, ihre Person präsentieren und sich austauschen können. spezialisiert – und virtuelle Anlaufstellen für Schulfreunde, für Homosexuelle, für Fans von One Night Stands erdacht. Viele der Seiten sind halbgare Testballons, die unbeachtet im Gewusel des Internets verschwinden. Manche aber haben abgehoben.
Und das schöne daran. Die Betreiber müssen sich nicht um deutsches Recht kümmern. AGBs sind lächerlich und wurden wegen Sparsamkeit selber geschrieben. Von Datenschutz liest man kein bisschen. Funktionen die nur zahlenden Mitgliedern vorbehalten sind, werden ohne irgendeine Frist eingeschränkt. China Live
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