Von news.de-Mitarbeiter Dieter Oßwald - 11.03.2009, 14.55 Uhr

Heike Makatsch: «Über eine Nacktszene hätte man reden können»

In «Hilde» spielt Heike Makatsch ihre bisher größte Rolle. Mit news.de sprach die 37-Jährige über ihre Seelenverwandtschaft mit der Knef, Blankziehen vor der Kamera und darüber, welche Frage sie Hildegard Knef zuerst stellen würde.

Die Rolle ihres Lebens: Heike Makatsch wagte sich an die Biografie der großen Hildegard Knef. Bild: dpa

news.de Wann haben Sie Hildegard Knef zum ersten Mal wahrgenommen?

Heike Makatsch: Das kann ich gar nicht sagen, sie war ja immer da. Auch wenn sie da schon alt war, mit großer Brille und Baskenmütze. Ihre Blütezeit, ihre Lieder und Texte habe ich früher nicht wahrgenommen. Das ist die Zeit, mit der unser Film endet, in der sie zu einer starken Frau herangereift ist, zu einer starken Künstlerin.

news.de: Wie nähert man sich einer Ikone wie der Knef?

Makatsch: Ich habe mich diesmal nicht nur von meiner Intuition leiten lassen, sondern intensiv an der Rolle gearbeitet. Ich wühlte mich durch Berge von Material über die Knef. Ich nahm ein Jahr lang Gesangsunterricht und einige Monate Schauspielunterricht. Ich probierte Imitationen aus – um sie wieder zu verwerfen. Diese umfangreiche Vorbereitung gab mir die Sicherheit für die Rolle, und ich konnte ganz gelassen an die Figur herangehen.

FOTOS: Hilde Heike Makatsch spielt die Knef

news.de: Haben Sie beim Hilde-Studium Parallelen zum Heike-Leben entdecken können?

Makatsch: Interessant fand ich diesen Aspekt der ständigen Veränderungen: Man denkt, man sei irgendwo angekommen – aber die Dinge bleiben nicht so, sondern sie ändern sich ständig. Immer wieder steht man vor neuen Entscheidungen und wird vom Leben gedrängt. Hilde hat sich dem Leben immer wieder neu gestellt – ich glaube, da geht es mir ganz ähnlich.

news.de: Wäre Seelenverwandtschaft der treffende Begriff, um das Verhältnis von Heike Makatsch zu Hildegard Knef zu beschreiben?

Makatsch: Durch die intensive Beschäftigung mit der Knef mag sich vielleicht so etwas wie eine Seelenverwandtschaft angebahnt haben, aber letztlich ist das nur eine Projektion. Ich kenne Frau Knef ja nicht und das Bild, das ich mir von ihr gemacht habe, entstand nur in meinem Kopf. Wie weit meine Vorstellung dieser realen Person entspricht, kann ich nicht beurteilen – das ist letztlich auch zweitrangig.

news.de: Wie authentisch ist der Film? Gab es zum Beispiel jene Pressekonferenz tatsächlich, in der die Knef den Deutschen das Schweigen während der Nazi-Zeit vorwirft?

Makatsch: Diese Pressekonferenz hat es in dieser Form nicht gegeben, die Knef hat das aber ganz ähnlich einmal in einem Interview so geäußert.

Was Heike Makatsch über Nacktszenen denkt und wie sie sich ihre Freunde warm hält

news.de: Wie schwierig war es, wie die Knef zu singen?

Makatsch: Ich singe eine Oktave höher als die Knef – was ich zunächst als großes Versagen empfunden hatte. Aber dann sagte ich mir: Ich werde sowieso nie genau so singen könnte wie sie. Und dann ist es besser, es hört sich lässig dunkel an als dass es gedrückt dunkel klingt.

news.de: Das Projekt hat sich immer wieder verschoben. Wie wirken sich solche Stolpersteine aus?

Makatsch: Ich habe mich ungewöhnlich lange mit dieser Rolle auseinandergesetzt. Im Vorfeld gab es immer wieder Ungewissheiten: Mehrfach stand das Projekt auf der Kippe. Der Drehbeginn wurde öfter verschoben, was für eine gewisse Anspannung sorgte. Das hatte allerdings auch positive Seiten: Als die erste Klappe endlich fiel, waren wir wirklich alle voller Energie.

news.de: Sie sind eine junge Mutter – wie bekommt man diese Hauptrolle mit der anderen Titelrolle unter einen Hut?

Makatsch: Nach meiner Babypause dachte ich: «Jetzt musst du einfach wieder etwas machen.» Wir haben im Sommer gedreht, da sind Filmsets ja ein bisschen so wie Gauklerkarawanen, voll mit Schaustellerfamilien. Am Schluss war ich sehr zufrieden, dass alles so gut geklappt hat.

news.de: Die Knef hat mit Erich Pommer einen väterlichen Freund und Berater. Wer berät Sie in Sachen Karriere?

Makatsch: Mit meiner Agentin, die ich schon seit meinen Viva-Zeiten kenne, habe ich eine Lebensbegleiterin gefunden. Mit ihr tausche ich mich über alles aus, sie kennt meine beruflichen Ideen in- und auswendig und ihr vertraue ich blind.

news.de: Die Knef opfert ihr privates Glück für die Karriere. In welchem Verhältnis stehen Privatleben und Schauspielerei bei Ihnen?

Makatsch: Ich hoffe, dass sich diese Frage gar nicht stellt. Meine Prioritäten sehe sich im Privatleben, gleichzeitig liebe ich auch meine Arbeit sehr. Mein Freundeskreis hat nie unter meinem Beruf gelitten. Ich glaube, ich bin schon ein relativ treuer Kumpan.

news.de: In der Sünderin gab es die erste skandalbefrachtete Nacktszene des deutschen Films. Mit welchen Gefühlen haben Sie die Sequenz heute nachgestellt?

Makatsch: Wäre es wirklich zur Debatte gestanden, dass ich mich nackt hinlege, hätte ich schon mit mir darüber reden lassen. Zumal Hilde damals ja nur winzig klein im Hintergrund zu sehen war. Mitten im Drehen sagte der Regisseur, wir müssten jetzt noch die Standfotos machen, die in die Titelseiten der Zeitungen eingebaut werden. Als ich mich dazu auszog, hat der überraschte Komparse, der in dieser Szene steht, nicht schlecht gestaunt!

news.de: Wenn nun Hilde Knef zur Tür hereinkäme, was würden Sie sie fragen?

Makatsch: Ich würde fragen: «Was machst du denn hier?» (lacht).

ruk

Empfehlungen für den news.de-Leser