Von Felix Rehwald - 11.08.2009, 16.30 Uhr

Hitze im Auto: Die Farbe spielt keine Rolle

Ob Schwarz oder Weiß: Die Lackierung eines Autos ist nicht ausschlaggebend für die Innentemperatur im Sommer. Dort kann es zwischen 60 und 70 Grad Celsius heiß werden. Kann man dagegen etwas tun?

Kühle Sitze trotz strahlender Sonne: Audi bietet für das A5 Cabriolet Aufheizschutz-Polster an. Bild: dpa

Anders als oft vermutet, hat die Farbe des Lacks auf die Innenraumtemperatur keinen nennenswerten Einfluss. Die Temperaturunterschiede im Innenraum sind nach Angaben von Jörg Ahlgrimm von der Dekra bei identischen Fahrzeugen mit unterschiedlicher Lackierung «nur marginal». Der wesentliche Anteil der Wärmestrahlung gelange über die Fensterflächen hinein.

«Ein Auto heizt sich nicht über den Lack auf, sondern über das Glas», bestätigt Michael Golek vom Lackhersteller BASF Coatings in Münster. «Es ist eine Mär, dass schwarze Autos im Sommer wärmer sind als weiße.»

Allerdings sind die Glasflächen bei modernen Autos in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Viele Hersteller statten ihre Modelle daher mit Wärmeschutzverglasung aus. Laut Dekra-Experte Ahlgrimm besteht sie in der Regel aus einer dünnen Metallfolie im Glas, welche die wärmende Infrarotstrahlung des Sonnenlichts reflektiert. Der Vorteil: Die Wärmestrahlung wird schon in der Scheibe zurückgeworfen und gelangt gar nicht erst in den Innenraum.

Die Beschichtung im Scheibenverbund funktioniert nach Angaben des Automobilglaszulieferers Saint-Gobain Sekurit «wie ein Spiegel». Bei einem in der Sonne geparkten Auto sei die Temperatur damit im Bereich der Kopfstütze um fünf Grad niedriger, Lenkrad und Armaturenbrett seien um elf Grad kühler als bei einem Fahrzeug ohne Wärmeschutzverglasung.

Dazu verringere sich die Zeit, um eine komfortable Innenraumtemperatur zu erreichen, um ein Drittel. Bei dunkel getöntem Glas, das oft für die hinteren Scheiben verwendet wird, gelangten 52 bis 66 Prozent der Wärme nicht ins Fahrzeug. So muss die Klimaanlage später weniger Arbeit leisten, was sich beim Spritverbrauch positiv bemerkbar macht. «Die Investition in Wärmeschutzglas zahlt sich durchaus aus», sagt der Sachverständige.

Gebraucht gekaufte Autos, die kein Wärmeschutzglas besitzen, können laut Ahlgrimm mit innen an den hinteren Scheiben anzubringenden Schutzfolien nachgerüstet werden. Wichtig ist hierbei nur, dass die Fabrikate zugelassen und somit verkehrssicher sind. Sie reflektieren die Wärmestrahlung zwar nicht so gut wie Spezialglas, bringen aber immerhin eine Verbesserung gegenüber Standardglas.

Weil sich auch ein offen in der Sonne geparktes Fahrzeug stark aufheizt, hat sich Audi darüber hinaus Gedanken zum Wärmeschutz von Cabriofahrern gemacht. Das Prinzip bei den für das A5 und S5 Cabrio als Sonderausstattung bestellbaren Aufheizschutzpolstern ist mit dem der Wärmeschutzverglasung vergleichbar.

Laut Audi-Sprecher Josef Schloßmacher in Ingolstadt erhält die Polsteroberfläche eine Lackschicht, der besondere Pigmente zugesetzt sind. Diese haben eine wärmereflektierende Wirkung: Bei schwarzen Sitzen lasse sich die Wärmeabstrahlung um bis zu 20 Prozent verringern, so Schloßmacher. Die Oberflächentemperatur sinkt nach Audi-Angaben um bis zu 20 Grad.

Zwar gibt es solche Pigmentlacke laut BASF Coatings-Sprecher Michael Golek auch für Metallflächen. Sie fänden jedoch nur für industrielle Zwecke und beim Hausbau Anwendung, aber nicht im Fahrzeugbau zur Lackierung der Karosserie. Der Grund dafür sei, dass sich mit Pigmentlacken kaum eine Klimaverbesserung im Auto erreichen lasse. Daher werde in diese Richtung bei der Lackentwicklung gar nicht weitergeforscht. «Wichtigster Schwerpunkt bei Autolacken ist die Kratzfestigkeit», sagt Golek.

Zudem steigert Hitze die Unfallgefahr im Auto. Zwischen der Innenraumtemperatur und der Kondition von Autofahrern besteht ein enger Zusammenhang. «Hohe Temperaturen führen nach relativ kurzer Zeit zur Ermüdung», sagt der Dekra-Experte. Die Konzentration leidet, die Unfallgefahr steigt.

Deshalb die Klimaanlage auf volle Pulle zu stellen, ist keine gute Idee. Idealerweise wird eine Temperatur zwischen 18 und 23 Grad vorgewählt. Wichtig ist, dass die Klimaanlage nicht dauerhaft im Umluftbetrieb arbeitet - dabei nimmt der Sauerstoffgehalt ab, was ebenfalls zur Ermüdung führt. Außerdem sollten die Luftaustrittsdüsen nicht auf den Körper gerichtet sein, sonst besteht Erkältungsgefahr.

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sgo/fme/news.de/dpa

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