Wladimir Putin: Machtspiel mit der Krim – darum wollte der Kremlchef die Halbinsel
Der Hafen von Sewastopol macht die Krim zu einem strategisch wichtigen Standort für Russlands Schwarzmeerflotte. Doch auch Putins Geschichtsbild und der Machtkampf um die politische Zukunft der Ukraine spielten bei der Annexion 2014 eine Rolle. Warum die Halbinsel für den Kreml so bedeutsam ist.
Von news.de-Redakteurin Anika Bube - Uhr
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- Sewastopol ist ein wichtiger Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte
- Putin begründete Annexion mit historischen Ansprüchen und Schutz russischsprachiger Menschen
- UN-Generalversammlung erklärte Referendum auf der Krim 2014 für ungültig
Die Krim ist weit mehr als eine Halbinsel am Schwarzen Meer. Für Wladimir Putin ist sie ein militärischer Schlüsselpunkt, ein Symbol russischer Größe und ein Druckmittel gegen die Ukraine. Als der Kremlchef 2014 die Kontrolle über das Gebiet an sich riss, veränderte er damit die Sicherheitslage in Europa. Doch warum war ihm die Krim so wichtig? Die Antwort liegt in einer Mischung aus Militärstrategie, Geschichte und Machtpolitik.
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Krim: Warum die Halbinsel militärisch so wichtig ist
Ein zentraler Faktor ist der Hafen von Sewastopol. Dort ist die russische Schwarzmeerflotte stationiert. Der Standort ermöglicht Marineoperationen im Schwarzen Meer und bietet Russland einen strategisch wichtigen Zugang zu den Seewegen in Richtung Mittelmeer. Die Kontrolle über die Krim verschafft Moskau zudem militärische Möglichkeiten in der Region und stärkt seine Position gegenüber der Ukraine.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 wurde die Krim Teil der unabhängigen Ukraine. Russland durfte seine Schwarzmeerflotte jedoch weiterhin in Sewastopol stationieren. Im Jahr 2010 vereinbarten beide Länder, die Laufzeit des Pachtvertrags bis 2042 zu verlängern. Ein unmittelbar bevorstehender Verlust des Stützpunkts war damit nicht absehbar.
Die politische Krise in der Ukraine Anfang 2014 veränderte die Lage. Nach dem Sturz des prorussischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch sicherte sich Russland mit militärischem Vorgehen die Kontrolle über die Halbinsel. Damit brachte der Kreml einen strategisch wichtigen Standort unter seine Kontrolle – unabhängig davon, wie sich die Beziehungen zwischen Moskau und Kiew künftig entwickelt hätten.
Putin und die Krim: Geschichte als politisches Argument
Auch die Geschichte spielt eine wichtige Rolle. Das Russische Reich annektierte die Krim 1783. 1954 übertrug die sowjetische Führung die Halbinsel von der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik an die Ukrainische Sowjetrepublik. Mit dem Zerfall der Sowjetunion gehörte die Krim zum unabhängigen ukrainischen Staat.
Putin stellt die Krim dennoch als historisch russisch dar. Die Eingliederung in die Russische Föderation bezeichnete der Kreml als Wiedervereinigung. Diese Darstellung knüpft an nationalistische Vorstellungen an und dient dazu, den russischen Machtanspruch auf die Halbinsel zu legitimieren.
Der politische Effekt war ebenfalls bedeutsam: Die Annexion stärkte Putins Position im Inland und ließ ihn als Präsident erscheinen, der Russlands Einfluss nach dem Zerfall der Sowjetunion wieder ausbaut. Historische Ansprüche allein erklären den Schritt jedoch nicht. Die militärische Bedeutung der Krim und die politische Entwicklung in der Ukraine spielten ebenfalls eine wichtige Rolle.
Ukraine, Nato und Russlands Machtanspruch
Ein weiterer Faktor war die außenpolitische Ausrichtung der Ukraine. Nach monatelangen Protesten floh Präsident Wiktor Janukowytsch im Februar 2014 aus Kiew. Die neue politische Führung orientierte sich stärker am Westen. Moskau sah dadurch seine Interessen in der Nachbarschaft gefährdet und betrachtete eine mögliche Annäherung der Ukraine an die Nato als strategisches Problem.
Mit der Kontrolle über die Krim sicherte sich Russland nicht nur einen wichtigen Militärstandort. Moskau stärkte damit auch seine Möglichkeiten, Einfluss auf die weitere Entwicklung der Ukraine auszuüben. Die Halbinsel wurde zu einem zentralen Bestandteil des Konflikts zwischen Russland und dem Westen.
Offiziell begründete Putin sein Vorgehen unter anderem mit dem Schutz der russischsprachigen Bevölkerung. Am 16. März 2014 fand auf der Krim ein Referendum über den Anschluss an Russland statt. Es wurde unter Bedingungen abgehalten, bei denen russische Truppen bereits wichtige Einrichtungen kontrollierten. Die UN-Generalversammlung erklärte die Abstimmung für ungültig und bekräftigte die territoriale Integrität der Ukraine. Am 18. März 2014 unterzeichnete Putin den Vertrag über die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation. International wird dieser Schritt als völkerrechtswidrige Annexion betrachtet.
Krim-Annexion: Ein Wendepunkt im Konflikt mit der Ukraine
Die Krim war für Putin somit aus mehreren Gründen wichtig: Sie bietet Russland einen strategischen Militärstandort, besitzt einen hohen symbolischen Wert für das russische Geschichtsbild und stärkt Moskaus Einfluss im Schwarzen Meer. Zugleich sollte die Kontrolle über die Halbinsel verhindern, dass Russland einen wichtigen Stützpunkt und politischen Einfluss in der Ukraine verliert.
Die Annexion verschärfte den Konflikt mit dem Westen und belastete das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine dauerhaft. Sie war ein entscheidender Wendepunkt in der europäischen Sicherheitsordnung und gehört zu den zentralen Stationen auf dem Weg zum russischen Großangriff auf die Ukraine im Februar 2022.
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bua/fka/news.de
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