Wladimir Putin: Kremlchef redet von Frieden – und bombardiert die Ukraine

Wladimir Putin zeigt sich grundsätzlich bereit, neue Gespräche mit der Ukraine und den USA aufzunehmen. Doch eine vorübergehende Waffenruhe lehnt der Kremlchef ab und hält an seinen Gebietsansprüchen fest.

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Wladimir Putin stimmt Dreiergesprächen mit der Ukraine zu. (Foto) Suche
Wladimir Putin stimmt Dreiergesprächen mit der Ukraine zu. Bild: Alexei Nikolsky/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa/dpa
  • Putin signalisiert Bereitschaft zu neuen Gesprächen mit der Ukraine und den USA
  • Selenskyj schlägt das Einfrieren der Frontlinie als ersten Schritt zu einer Waffenruhe vor
  • Russischer Raketenangriff auf Kiew fordert sechs Verletzte

Nach seinem mehrstündigen Treffen mit US-Sondergesandtem Steve Witkoff in St. Petersburg hat sich Wladimir Putin grundsätzlich offen für neue Dreier-Verhandlungen mit der Ukraine und den USA gezeigt. "Wir haben vereinbart, dass wir bereit sind, unsere dreiseitigen Kontakte wieder aufzunehmen", erklärte der Kremlchef gegenüber dem Staatsfernsehen. Als möglicher Starttermin steht Mitte November im Raum. Kreml-Berater Juri Uschakow nannte Abu Dhabi als denkbaren Verhandlungsort. Im Mittelpunkt soll laut Putin die Frage stehen, wie die Sicherheit beider Länder nach einem Friedensschluss gewährleistet werden kann.

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Wladimir Putin bereit für Dreier-Gespräch mit Ukraine – Kremlchef erteilt Waffenruhe klare Absage

Witkoff hatte sich einen Tag zuvor in Oslo mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie den Regierungschefs Norwegens und Finnlands ausgetauscht. An dem rund dreistündigen Gespräch mit Putin war auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner per Videoschalte beteiligt. Witkoff bezeichnete den Austausch anschließend als "konstruktiv". Trotz seiner Bereitschaft zu neuen Gesprächen machte Putin jedoch unmissverständlich klar, dass ein vorübergehender Waffenstillstand für ihn nicht infrage kommt. Es gehe um eine "endgültige Variante" der Sicherheitsarchitektur, nicht um eine provisorische Lösung durch eine Einstellung der Kampfhandlungen, betonte der Kremlchef.

Gleichzeitig stellte Putin die Souveränität der Ukraine über die russisch besetzten Gebiete in der Ostukraine offen infrage. "Meine Haltung zu dieser Angelegenheit ist erst mal, dass das nicht ihr Gebiet ist, sondern Gebiet des historischen Russlands", sagte er. Moskau hat in der Vergangenheit stets die vollständige Kontrolle über den gesamten Donbas beansprucht – auch über Teile, die noch nicht unter russischer Besatzung stehen. Zudem warf Putin der Ukraine wiederholt vor, den Krieg zu wollen, und behauptete, Russland strebe keinen Konflikt an – obwohl er selbst 2022 den Einmarsch befohlen hatte.

Wolodymyr Selenskyj bereit zum Einfrieren der Frontlinie

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schlug derweil einen deutlich kompromissbereiteren Ton an. In einem Interview mit dem US-Sender Fox News bezeichnete er ein Einfrieren der aktuellen Frontlinie als möglichen ersten Schritt hin zu einer Waffenruhe. "Wir müssen sie jetzt einfrieren", sagte Selenskyj und nannte dies den Weg, "um diesen Krieg zu beenden". Dies sei "das Minimum, was wir heute von Russland erwarten".

Derzeit hält Moskau etwa ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets besetzt. Während Russland behauptet, an der gesamten Front die strategische Oberhand zu haben, sprechen Kiew und seine europäischen Partner überwiegend von einer Pattsituation. Tatsächlich hat sich der Frontverlauf seit Monaten kaum verändert. Kreml-Berater Uschakow wies die von Witkoff übermittelten Vorschläge der Ukraine und der Europäer allerdings als wenig substanziell zurück.

Raketen auf Kiew – nur Stunden nach der Gesprächszusage

Wie wenig Putins diplomatische Signale mit der militärischen Realität zu tun haben, zeigte sich noch am selben Abend. Nur wenige Stunden nach der Ankündigung neuer Verhandlungen schlug Russland erneut mit Raketen in der ukrainischen Hauptstadt ein. Laut Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko wurden dabei mehrere Wohnhäuser getroffen und mindestens sechs Menschen verletzt, wie "Watson" berichtete.

Der Angriff verdeutlicht den scharfen Gegensatz zwischen Moskaus Verhandlungsrhetorik und dem fortgesetzten Beschuss ukrainischer Städte. Während Putin von einer "endgültigen" Friedenslösung spricht, gehen die Bombardierungen unvermindert weiter. US-Präsident Donald Trump erklärte dennoch, man befinde sich möglicherweise so nah an einem Kriegsende wie nie zuvor.

Wachsende Risse zwischen Washington und Kiew

Die Verhandlungsbemühungen finden vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen den USA und der Ukraine statt. Trump hatte zuletzt öffentlich erklärt, die Ukraine brauche einen neuen Präsidenten und möglicherweise einen anderen Verhandlungsführer. Zudem machte er ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien für steigende Spritpreise verantwortlich.

Auch auf operativer Ebene kam es zu Verwerfungen: Kiew warf Washington vor, zeitweise wichtige Geheimdienstinformationen über bevorstehende russische Raketenangriffe zurückgehalten zu haben. Darüber hinaus beklagte das ukrainische Militär Geschwindigkeitsbeschränkungen beim Satellitennetzwerk Starlink, die Drohneneinsätze behindert hätten. Hinzu kommt die jüngste Lockerung amerikanischer Russland-Sanktionen, die sowohl in Kiew als auch bei europäischen Verbündeten auf scharfe Kritik stieß.

Trumps Schwiegersohn Kushner sieht trotz aller Differenzen eine "echte Chance", den Krieg zu beenden und einen Rahmen für dauerhaften Frieden zu schaffen.

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/gom/news.de/dpa/stg

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