Donald Trump: "Der Mann ist außer Kontrolle" – Trump-Biograf warnt vor "Selbstzerstörung"

Donald Trump sorgt mit einer Äußerung über mögliche iranische Angriffe auf US-Großstädte für Empörung. Sein langjähriger Biograf Michael Wolff sieht darin ein weiteres Beispiel für einen zunehmend riskanten politischen Kurs.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Befindet sich Donald Trump auf einem selbstzerstörerischem Kurs? (Foto) Suche
Befindet sich Donald Trump auf einem selbstzerstörerischem Kurs? Bild: picture alliance/dpa/AP | Alex Brandon
  • Trump sorgt mit Äußerungen über mögliche Angriffe auf Los Angeles und San Diego für Empörung
  • Biograf Michael Wolff bezeichnet Trumps Kurs als zunehmend "selbstzerstörerisch"
  • Wolff warnt vor politischem Rückhaltverlust

Donald Trump sorgt mit einer umstrittenen Äußerung über mögliche iranische Angriffe auf US-Städte für Empörung. "Sie können eine Stadt auslöschen. Sollen sie doch Los Angeles auslöschen, sollen sie doch San Diego auslöschen. Das ist ein sehr geringer Preis", sagte der US-Präsident bei einer Wahlkampfveranstaltung in Nebraska. Für seine Worte kassierte der 80-Jährige umgehend heftige Kritik. Für seinen langjährigen Biografen Michael Wolff war dieser Auftritt ein weiterer Beleg dafür, dass der US-Präsident jede Selbstkontrolle verloren hat. Im Podcast "Inside Trump's Head" fällte der Autor ein vernichtendes Urteil: "Das ist selbstzerstörerisch. Der Mann ist außer Kontrolle." Wolff sieht in der Nebraska-Rede kein Versehen, sondern ein Symptom eines Präsidenten, dessen politischer Niedergang bereits in vollem Gange sei.

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Panik oder Narzissmus: Was treibt Donald Trump an?

Wolff stellte im Podcast eine zentrale Frage, die er selbst nicht abschließend beantworten konnte: "Ist er außer Kontrolle, weil er spürt, dass die Niederlage auf ihn zukommt? Oder ist er außer Kontrolle, weil es nicht um ihn geht und er sich einfach mit allen Mitteln ins Zentrum drängt?" Der Biograf zeichnete das Bild eines Präsidenten, der seine zweite Amtszeit mit einer Aggressivität und Entschlossenheit begonnen habe, wie sie kaum ein anderer US-Präsident der jüngeren Geschichte an den Tag gelegt habe. Dabei habe Trump keinerlei politische Folgenabschätzung betrieben. Stattdessen habe er eine ganze Reihe von Maßnahmen durchgepeitscht – vom Iran-Krieg über ICE-Einsätze in Städten bis zum Einsatz der Nationalgarde –, die ihm nun "fast ausnahmslos auf die Füße fallen", so Wolff. Das Ergebnis könnte das schlechteste republikanische Wahlergebnis der modernen Geschichte werden.

"Das ist nicht die Aufgabe eines Präsidenten"

Die Reaktionen auf Trumps Äußerungen in Nebraska ließen nicht lange auf sich warten. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom bezeichnete die Worte als "irre und gefährlich". Noch deutlicher wurde die Bürgermeisterin von Los Angeles, Karen Bass: "Das ist nicht das, was amerikanische Präsidenten tun sollen. Das gefährdet die Sicherheit der Stadt. Die Aufgabe eines Präsidenten ist es, das Land zu schützen – nicht, es aktiv zu bedrohen und zu Angriffen auf amerikanische Leben zu ermutigen." Auch Wolffs Co-Moderatorin Joanna Coles zeigte sich fassungslos über den Auftritt. Sie verwies darauf, dass Trump den Iran-Krieg als notwendig für die Sicherheit der Welt dargestellt und im selben Atemzug mögliche Angriffe auf US-Städte als akzeptablen Preis bezeichnet habe. "Wahnsinnig gefährliche Rhetorik", lautete ihr Urteil – während im Hintergrund die Menge gejubelt habe.

Schrumpfende Massen, nervöse Parteifreunde

Dass Trumps Strahlkraft nachlässt, zeigt sich auch an den Besucherzahlen seiner Kundgebungen. Einst prahlte der US-Präsident damit, dass selbst eine kleine Veranstaltung 20.000 Menschen anziehe – mittlerweile schafft er in Bundesstaaten wie Alabama und Ohio kaum noch die Hälfte davon. Wolff relativierte zwar: Kein Demokrat könne 10.000 Leute mobilisieren, diese Zahlen seien im politischen Kontext immer noch beachtlich. Doch im Vergleich zu Trumps eigenen Maßstäben sei der Abwärtstrend unverkennbar.

Besonders brisant: Der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton wurde mit einem offenen Mikrofon aufgezeichnet, als er sich darüber beklagte, dass die republikanischen Umfragewerte gesunken seien, seit Trump sich in den Wahlkampf eingeschaltet habe. In einem weiteren Mitschnitt beschwerte sich Paxton, dass das Weiße Haus seine Kampagne in Texas vollständig diktiere.

Podcast skizziert Trumps größte politische Katastrophe

Der Podcast benannte den Iran-Krieg als die größte politische Katastrophe der zweiten Amtszeit von Donald Trump. Er habe den Konflikt zwar stets als Demonstration amerikanischer Stärke inszeniert, doch das Gegenteil sei eingetreten: Die USA seien verwundbarer als je zuvor, die Welt unsicherer geworden.

Dass selbst enge Kenner des Präsidenten ratlos sind, verdeutlichte Wolff mit einer persönlichen Anekdote. Tony Schwartz, der als Ghostwriter Trumps Bestseller "The Art of the Deal" verfasst hatte, habe ihm kürzlich geschrieben. Schwartz hoffe, Wolff arbeite an einem neuen Buch, denn er könne schlicht nicht begreifen, warum Trump derart selbstzerstörerisch agiere. Wolff betonte, Schwartz gehöre zu den wenigen Menschen, die Trump wirklich durchschauten – und habe längst tiefe Reue über seinen Anteil an der Erschaffung des Trump-Mythos geäußert.

Einen historischen Vergleich zog Wolff zum kürzlich verstorbenen britischen Bestsellerautor und Politiker Jeffrey Archer, der wegen Meineids im Gefängnis landete. Beide seien Narzissten, die durch ihre maßlose Risikobereitschaft letztlich sich selbst zu Fall brächten. Der Unterschied: Archer wurde gestoppt, Trump hingegen schaffte es ins Weiße Haus.

"Die Anomalie ist, dass einer von ihnen Präsident wurde"

Wolffs Gesamtbilanz fiel düster aus: "Es ist schwer, wirklich auszudrücken, wie schlecht es für Donald Trump in diesem Moment steht", sagte er. "Es könnte tatsächlich sein, dass der Niedergang bereits dramatisch im Gange ist." Viele Beobachter hielten sich noch mit endgültigen Urteilen zurück, doch die Indizien verdichteten sich.

Zum Abschluss des Podcasts formulierte Wolff eine Beobachtung, die über Trump hinausweist: Persönlichkeiten wie er seien im öffentlichen Leben keine Seltenheit – Menschen, deren Gier nach Aufmerksamkeit alles andere überlagere, einschließlich ihrer eigenen Vernunft und Vorsicht. "Die Anomalie ist nicht, dass solche Menschen existieren", so Wolff, "sondern dass einer von ihnen Präsident der Vereinigten Staaten geworden ist."

In 28 Tagen werden die Midterm-Wahlen zeigen, ob die Wähler das genauso sehen.

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