Adolf Hitler: Wirbel um brisante Hitler-Dokumente - Alibi für Tod von Nichte geplatzt

Über 90 Jahre lang schien Adolf Hitlers Alibi zum Tod seiner Nichte Geli Raubal unangreifbar - jetzt bringen neu entdeckte Dokumente aus Münchner Archiven die offizielle Version rund um den Nazi-Diktator ins Wanken.

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Adolf Hitlers Alibi für den Todeszeitpunkt seiner Nichte Geli ist offenbar nicht mehr haltbar. (Foto) Suche
Adolf Hitlers Alibi für den Todeszeitpunkt seiner Nichte Geli ist offenbar nicht mehr haltbar. Bild: picture-alliance/ dpa | Votava
  • Adolf Hitlers Alibi für den Tod seiner Nichte fällt auseinander
  • Die bisherige Version: Hitler angeblich längst abgereist
  • Hitler war in der Stadt - Sterberegister widerspricht Polizeibericht
  • Adolf Hitler hätte Todesumstände vertuschen können

Jahrzehntelang galt der Tod von Geli Raubal als aufgeklärt: Hitlers Nichte habe sich am 19. September 1931 in dessen Münchner Wohnung selbst erschossen. Der spätere Diktator befand sich zu diesem Zeitpunkt angeblich bereits auf dem Weg nach Nürnberg - ein scheinbar wasserdichtes Alibi. Doch damit ist es nun vorbei.

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Adolf Hitlers Alibi für den Tod seiner Nichte fällt auseinander

Bislang unbekannte Archivdokumente, die der Historiker Harald Sandner im Münchner Staats- und Stadtarchiv aufspürte, verschieben den Zeitpunkt des Leichenfunds um einen ganzen Tag nach vorn. Wie der "Spiegel" berichtete, wurde die 23-Jährige demnach schon am 18. September tot aufgefunden. An jenem Freitagvormittag hielt sich Hitler nachweislich noch in München auf. Sein bisheriges Alibi ist damit hinfällig - und wirft neue Fragen über eine mögliche Vertuschung auf.

Die bisherige Version: Hitler angeblich längst abgereist

Die offizielle Darstellung des Falls blieb über Jahrzehnte unverändert. Demnach hatte Hitlers Diener und Hausverwalter Georg Winter am 19. September 1931 das von innen verriegelte Zimmer der jungen Frau geöffnet. Auf dem Boden lag Raubal - tödlich getroffen von einer Kugel aus der Pistole ihres Onkels.

Laut einem Polizeibericht der Direktion München vom 28. September 1931 hatte Hitler die Stadt bereits am Nachmittag des Vortages in Richtung Nürnberg verlassen. Zuvor sei es noch zu einem Streit zwischen ihm und seiner Nichte gekommen. Nach seiner Abreise habe sich Raubal dann in ihrem Zimmer eingeschlossen und die Waffe gegen sich selbst gerichtet. So lautete die Schlussfolgerung der Ermittler: Suizid. Hitler war demnach zum Zeitpunkt des Todes gar nicht mehr vor Ort - ein Alibi, das nun durch die Archivfunde ins Wanken gerät.

Hitler war in der Stadt - Sterberegister widerspricht Polizeibericht

Die von Sandner entdeckten Unterlagen zeichnen ein völlig anderes Bild. Im Sterberegister des Standesamtes München II ist festgehalten, dass Raubals Leichnam bereits am Freitag, dem 18. September, um 10.15 Uhr in der Wohnung am Prinzregentenplatz aufgefunden wurde. Zwei weitere Todesanzeigen aus jener Zeit bestätigen dieses Datum.

Damit verschiebt sich der entscheidende Zeitpunkt um volle 24 Stunden - und fällt in eine Phase, in der Hitler noch in München weilte. Sandner konnte rekonstruieren, dass der NSDAP-Chef am selben Vormittag zwischen 10.30 und 12.30 Uhr an einer Parteiveranstaltung in der Stadt teilnahm. Erst am Nachmittag jenes Tages brach er nach Nürnberg auf.

Adolf Hitler hätte Todesumstände vertuschen können

Wie der eklatante Widerspruch zwischen den Archivdokumenten und dem Polizeibericht zustande kam, ist bislang ungeklärt. Mehrere Umstände nähren den Verdacht, dass der wahre Hergang bewusst verschleiert wurde. Obwohl Raubal offensichtliche Schussverletzungen aufwies, unterblieb eine Obduktion der Leiche - ein höchst ungewöhnlicher Vorgang bei einem gewaltsamen Tod. Zudem arbeiteten in der Münchner Polizei bereits 1931 Beamte mit Nähe zur NSDAP, wie Sandner hervorhebt. Ein denkbares Motiv: dem aufstrebenden Parteiführer ein Alibi zu sichern.

Offen bleibt auch die Frage, ob der Polizeibericht nachträglich manipuliert wurde. Nach Hitlers Machtübernahme 1933 wäre eine solche Änderung für den Diktator problemlos umsetzbar gewesen. Allerdings räumt auch Sandner ein, dass sich eine gezielte Fälschung der Dokumente nicht belegen lässt.

Hitlers obsessive Kontrolle über seine Nichte

Geli Raubal, mit bürgerlichem Namen Angela Maria, kam am 4. Juni 1908 im österreichischen Linz zur Welt. Ihre Mutter Angela war Hitlers Halbschwester und führte ab 1925 dessen Haushalt auf dem Obersalzberg. Die junge Frau folgte ihr nach Bayern und begann 1927 ein Medizinstudium an der Münchner Universität, das sie jedoch bald abbrach.

Stattdessen finanzierte Hitler ihr eine Gesangsausbildung - er sah sich als Förderer einer angeblichen Opernkarriere. Als er 1929 die Wohnung am Prinzregentenplatz bezog, lebte Raubal dort mit ihm unter einem Dach. Der NSDAP-Chef bestimmte ihren Alltag weitgehend. Seit Jahrzehnten halten sich Gerüchte über eine Liebesbeziehung, die sich jedoch nie belegen ließen. Zuletzt soll es Streit gegeben haben, weil Raubal ihre Ausbildung in Wien fortsetzen wollte - weg von Hitlers Einfluss. Am 23. September 1931 wurde sie auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet. Hitler erschien nicht zur Beerdigung.

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