Wladimir Putin: Makabre Strategie - Kreml-Chef wirbt mit "Nato-erprobt"-Slogan
Wladimir Putin hat seinen makrabren Humor nicht verloren. Oder handelt es sich hier um eine spitzfindige Marketing-Strategie? Auf der ägyptischen Luftfahrtmesse El Alamein bewirbt der Kreml-Chef Russlands Waffen mit dem Slogan "Nato-erprobt".
Erstellt von Ines Fedder - Uhr
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- Wladimir Putins provokanter Waffen-Werbeslogan
- Russland macht Kriegserfahrung zum Verkaufsargument
- Milliarden-Aufträge trotz massiver Exportprobleme
- Moskau verliert auf dem globalen Waffenmarkt an Boden
Auf der ägyptischen Luftfahrtmesse El Alamein hat Russland diese Woche seinen Tarnkappenjäger Su-57 in den Mittelpunkt gerückt – von der Nato als "Felon" bezeichnet und als Gegenstück zu den amerikanischen F-35 und F-22 Raptor konzipiert. Doch das eigentliche Aushängeschild ist nicht der Jet selbst, sondern die Botschaft dahinter. Die Hintergründe.
Wladimir Putin verstört mit besonderem Verkaufsargument auf Waffenmesse
Die Messe am Mittelmeer ist für die internationale Rüstungsbranche vor allem eine Bühne, auf der Staaten um neue Kunden und milliardenschwere Aufträge werben. Russland nutzt sie in diesem Jahr für eine bemerkenswerte Verkaufsstrategie: Moskaus Rüstungsindustrie macht ausgerechnet die Konfrontation mit derNato zum Qualitätssiegel für ihre Waffen. Was im Krieg gegen die Ukraine unter realen Bedingungen erprobt wurde, soll nun zum Kaufargument für ausländische Abnehmer werden.
Hergestellt in Russland, Nato-erprobt"
Rosoboronexport, Moskaus staatlicher Waffenexporteur, verkündete am Vorabend der Messe entsprechend, dass über 90 Prozent der diesjährig für den Export vorgesehenen Systeme gegen moderne westliche Ausrüstung im Einsatz erprobt worden seien. Der Werbeslogan: "Hergestellt in Russland, Nato-erprobt."
Damit wird aus russischer Sicht ausgerechnet die militärische Konfrontation mit dem Westen zum Gütesiegel. Die Botschaft ist so simpel wie provokant: Wer russische Waffen kauft, bekommt Systeme, die bereits gegen westliche Technik eingesetzt wurden. Dass ein Großteil dieser "Erprobung" im Krieg gegen die Ukraine stattgefunden hat, wird dabei zum Verkaufsargument.
Firmenchef Alexander Mikheev bezifferte die in den ersten sechs Monaten 2026 geschlossenen Verträge auf mehr als 13 Milliarden US-Dollar – eine Summe, die bereits dem gesamten Auftragsvolumen des Vorjahres entspricht. "Die unter realen Bedingungen demonstrierte Leistung hat die endgültigen Vertragsentscheidungen der Kunden maßgeblich beeinflusst", erklärte Mikheev.
Russland mit gewaltigem Waffenexport-Problem
Die beeindruckenden Vertragszahlen kaschieren ein fundamentales Problem. Laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI sank das tatsächlich an Kunden ausgelieferte Volumen russischer Großwaffen zwischen 2016–2020 und 2021–2025 um 64 Prozent, berichtet "Newsweek". Moskaus globaler Marktanteil fiel auf 6,8 Prozent – der niedrigste Wert seit Beginn der sowjetischen Aufzeichnungen 1950.
Der Krieg in der Ukraine verschärft das Dilemma: Jeder exportierte Kampfjet oder jede Flugabwehrrakete fehlt an der Front. Zuletzt häufen sich vermehrt die Berichte von zerstörten Kampf-Flugzeugen mit einem Schaden, der in die Millionenhöhe geht. Zahlen des ukrainischen Verteidigungsministeriums beziffern die russischen Drohnen-Verluste auf über 4.600 Kampf-Drohnen, die in Schutt und Asche gelegt wurden.
Mikheev räumte ein, dass Rosoboronexport "zuallererst" die Bedürfnisse des russischen Verteidigungsministeriums berücksichtige. Der Iran bekommt das zu spüren – die 2023 vereinbarten Su-35-Kampfjets waren im Februar noch immer nicht geliefert.
Auch das Prestigeprojekt Su-57 steckt in der Klemme: Von 76 bis Ende 2027 vertraglich zugesagten Maschinen waren laut dem International Institute for Strategic Studies Anfang 2026 lediglich "mehr als 21" im Dienst. Intern kritisierte Sergei Schwezow, Aufsichtsratschef der Moskauer Börse, im Juni das staatliche Exportmonopol als Wachstumsbremse laut "Newsweek": "Ein militärisch-industrielles Unternehmen kann kein Kapital an der Börse aufnehmen, da das Verteidigungsministerium der einzige Käufer sein kann."
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