Wladimir Putin: Kreml-Chef legt plötzlich Friedensversprechen gegenüber Trump ab

Diese pazifistischen Töne aus dem Kreml kommen überraschend: Wladimir Putin hat Donald Trump telefonisch versichert, keine Kriegspläne gegen Europa zu schmieden. Für den Ukraine-Krieg tüftelt Putin indes einen neuen Schlachtplan aus.

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Wladimir Putin hat in einem telefonischen Gespräch mit Donald Trump beteuert, keine kriegerischen Absichten gegen Europa zu hegen. (Foto) Suche
Wladimir Putin hat in einem telefonischen Gespräch mit Donald Trump beteuert, keine kriegerischen Absichten gegen Europa zu hegen. Bild: picture alliance/dpa/The White House/Arte | -

Seit geraumer Zeit sind sich Militär- und Sicherheitsexperten einig: Mit seinem Ukraine-Krieg wird sich Wladimir Putin auf Dauer nicht zufriedengeben, ein russischer Angriff gegen die Nato wird immer wahrscheinlicher - nur wann der Kreml-Chef zum Angriff bläst, ist bislang ungewiss. Nun kommen aus dem Kreml plötzlich pazifistische Worte: Wladimir Putin hat US-Präsident Donald Trump in einem Telefonat zugesichert, dass Russland keinerlei aggressive Pläne gegenüber Europa verfolge.

Wladimir Putin legt Friedensversprechen in Telefonat mit Donald Trump ab

Das gab Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow am 8. September bekannt, wie die Nachrichtenagentur AP laut "Bild" berichtet. Angesichts der in Europa kursierenden Befürchtungen vor russischer Aggression habe der Kreml-Chef ausdrücklich betont, keine feindseligen Absichten gegen die Nato zu hegen. Allerdings macht der von Wladimir Putin gewählte Zeitpunkt dieser Verlautbarung stutzig, denn im gleichen Telefonat legte der russische Präsident seine Pläne für seinen Angriffskrieg in der Ukraine offen.

Kreml-Sprecher Peskow spricht von "nahem Sieg" im Ukraine-Krieg

Laut Uschakow informierte der Kreml-Chef seinen amerikanischen Gesprächspartner über die aktuelle Frontlage sowie über Russlands Vorhaben, weitere Gebiete einzunehmen und seine militärischen Ziele durchzusetzen. Putin lässt derweil demonstrative Zuversicht verbreiten. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte am 8. September der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge indischen Journalisten im Vorfeld des Brics-Gipfels am Wochenende: "Wir sind überzeugt, dass der Sieg sehr nah ist." Moskau sei überzeugt von seinem militärischen Potenzial und seinen Soldaten. Die Kampfhandlungen liefen sehr erfolgreich, behauptete Peskow. Der Kreml begrüße jedoch die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump und erwarte die Wiederaufnahme von Gesprächen im Format Moskau, Washington, Kiew.

Ukraine-Krieg gerät ins Stocken - Experten zweifeln an baldigem russischen Sieg

Die Einschätzungen westlicher Analysten sprechen allerdings eine ganz andere Sprache. Weder ukrainische noch internationale Beobachter können derzeit nennenswerte russische Geländegewinne erkennen. Das Institute for the Study of War (ISW) hat errechnet, dass Russland bei seinem gegenwärtigen Vormarsch-Tempo die noch nicht kontrollierten Gebiete der Region Donezk frühestens 2032 unter seine Kontrolle bringen könnte – sofern das überhaupt realisierbar ist. Zwischen Peskows Triumphgesten und der tatsächlichen Lage an der Front klafft also eine erhebliche Lücke.

USA verschärfen Friedensvermittlungen mit Sondergesandten Kushner und Witkoff

Wladimir Putins Beschwichtigungsversuch fällt in eine Phase intensiver amerikanischer Vermittlungsbemühungen. Donald Trumps Sondergesandte Jared Kushner und Steve Witkoff waren am ersten September-Wochenende zunächst in der russischen Hauptstadt zu Gesprächen mit Putin vorstellig geworden, bevor sie anschließend nach Kiew weiterreisten, um sich mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auszutauschen.

Ein konkreter Durchbruch ließ dabei offenbar auf sich warten. Selenskyj äußerte sich dennoch vorsichtig optimistisch und erklärte, die US-Vermittler hätten "einige sehr gute, lohnenswerte Ideen" für eine Beendigung des Krieges mitgebracht. Nähere Einzelheiten behielt er jedoch für sich. Auch der Kreml bewertete die Moskauer Gespräche mit den Trump-Unterhändlern positiv.

Selenskyj will Trump treffen und plant Verhandlungsrunden

Der ukrainische Staatschef richtet seinen Blick nun auf die kommenden Wochen. Wolodymyr Selenskyj strebt ein persönliches Gespräch mit Trump rund um den 20. September an, wenn die UN-Generalversammlung in New York zusammentritt. Ein solches Treffen könnte den diplomatischen Bemühungen neuen Schwung verleihen. Darüber hinaus stellte Selenskyj in Aussicht, dass noch im Herbst Delegationen aus der Ukraine, Russland und den USA zu weiteren Verhandlungsrunden zusammenfinden könnten. Ein solches Dreierformat wäre ein bemerkenswerter Schritt – bislang fanden die Gespräche der US-Unterhändler mit beiden Seiten getrennt voneinander statt. Ob sich Wladimir Putin tatsächlich auf ein derartiges Gesprächsformat einlassen würde, bleibt allerdings offen.

Wladimir Putin als wandelnder Widerspruch: Wie passen Friedensgesten und Kriegspläne zusammen?

Putins Doppelbotschaft an Trump offenbart einen fundamentalen Widerspruch: Einerseits soll Europa beruhigt werden, andererseits kündigt der Kreml-Chef im selben Atemzug an, seinen Eroberungsfeldzug in der Ukraine fortzusetzen. Wer keine aggressiven Absichten gegenüber dem Kontinent haben will, aber gleichzeitig ein europäisches Nachbarland mit Krieg überzieht, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Hinzu kommt die Diskrepanz zwischen Putins Siegesrhetorik und den nüchternen Befunden unabhängiger Beobachter. Während der Kreml den Triumph in greifbarer Nähe sieht, rechnet das ISW mit einem Zeithorizont bis mindestens 2032 – allein für die Region Donezk. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die amerikanische Vermittlungsoffensive mehr bewirken kann als Putins widersprüchliche Signale.

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/news.de/dpa/stg

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