Einkommensteuerreform 2027: Wer gewinnt, wer verliert? Das soll sich mit Klingbeils Steuer-Plan ändern

Union und SPD wollen mit der Einkommensteuerreform 2027 ein zentrales Finanzvorhaben auf den Weg bringen und planen steuerliche Entlastungen bei der Steuer vor allem für kleinere Einkommen. Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen.

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Im Kabinett soll am 2. September Lars Klingbeils Einkommensteuerreform mit rund zehn Milliarden Euro Entlastung jährlich ab 2027 beschlossen werden. (Foto) Suche
Im Kabinett soll am 2. September Lars Klingbeils Einkommensteuerreform mit rund zehn Milliarden Euro Entlastung jährlich ab 2027 beschlossen werden. Bild: Michael Kappeler/dpa/dpa
  • Schwarz-rote Koalition bringt Entwurf für Einkommensteuerreform 2027 ins Kabinett
  • 10 Milliarden Euro Steuererleichterungen pro Jahr geplant
  • Grundfreibetrag, Spitzensteuersatz, Kindergeld: Das sind die geplanten Änderungen im Detail

Nach einem schier endlosen Hin und Her kommt der Entwurf für eine Einkommensteuerreform von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) am 2. September 2026 ins Kabinett. Die schwarz-rote Koalition will damit ab Anfang 2027 Steuerzahler um jährlich rund zehn Milliarden Euro entlasten. Besonders profitieren sollen Millionen Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen sowie Familien mit Kindern - doch für wen werden die Steuerpläne des Bundesfinanzministers eine Minusrechnung?

Die Führungsspitzen von Union und SPD hatten sich bereits Anfang Juli im Koalitionsausschuss auf dieses Volumen verständigt. Bundesfinanzminister Klingbeil setze diese Vereinbarung nun "eins zu eins" in Gesetzesform um, hieß es aus seinem Ministerium. Das vollständige Entlastungsvolumen soll in zwei Schritten bis 2028 erreicht werden. Bei der entscheidenden Kabinettssitzung am 2. September wird Lars Klingbeil jedoch nicht persönlich anwesend sein. Nach dem G20-Finanzministertreffen in North Carolina strandete der SPD-Politiker wegen eines technischen Defekts am Regierungsflieger der Bundeswehr in den USA und musste dort im Hotel übernachten.

Steuerpläne von Lars Klingbeil sollen mehr Netto für die breite Mitte bringen

Kernstück der Einkommenssteuerreform ist eine stufenweise Anhebung des Grundfreibetrags – also jenes Einkommensanteils, der zur Absicherung des Existenzminimums steuerfrei bleibt. Von derzeit 12.348 Euro soll er 2027 auf 12.564 Euro und 2028 schließlich auf 12.900 Euro steigen.

Gleichzeitig wird der Steuertarif für mittlere Einkommen etwas abgeflacht. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent soll erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 70.600 Euro greifen statt wie bisher ab 69.879 Euro. Laut Finanzministerium verringert sich dadurch die Steuerlast in der Tarifzone zwischen 17.800 und 70.600 Euro spürbar – wovon vor allem Durchschnittsverdiener profitieren.

Auch der Arbeitnehmer-Pauschbetrag für berufsbedingte Ausgaben wie Pendelkosten oder Arbeitsmittel wird von aktuell 1.230 Euro auf 1.430 Euro angehoben. Das bedeutet für Beschäftigte automatisch einen höheren Steuerabzug – ohne Einzelnachweise einreichen zu müssen.

Schwarz-rot plant mehr Kindergeld und steuerfreie Sonntagszuschläge – aber nicht für alle

Familien dürfen sich dank der Einkommenssteuerreform auf ein höheres Kindergeld einstellen: Von aktuell 259 Euro monatlich pro Kind soll es 2027 auf 267 Euro und ein Jahr später auf 272 Euro klettern. Parallel dazu steigt der Kinderfreibetrag von 9.756 Euro über 10.056 Euro auf schließlich 10.236 Euro im Jahr 2028.

Bei den Zuschlägen für Sonn- und Feiertagsarbeit plant die Regierung ebenfalls eine Verbesserung. Die Grenze für den Stundenlohn, bis zu der solche Zuschläge steuerfrei bleiben, soll von 50 auf 75 Euro angehoben werden. Beschäftigte in Schichtarbeit oder im Gesundheitswesen könnten dadurch deutlich mehr von ihren Zulagen behalten. Allerdings sorgt die Neuregelung laut "Bild" auch für Unmut: Millionen Arbeitnehmer würden durch die geplanten Änderungen bei den Zuschlägen benachteiligt.

Einkommenssteuerreform 2027: Superreiche sollen die Entlastungen mitfinanzieren

Auf der Gegenseite der Steuererleichterungen steht eine stärkere Belastung von Spitzenverdienern. Die bisherige Reichensteuer von 45 Prozent soll künftig bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 250.000 Euro fällig werden – bislang lag diese Schwelle bei 277.826 Euro. Damit rutschen deutlich mehr Steuerpflichtige in diese Tarifzone.

Zusätzlich führt die Regierung eine völlig neue Stufe ein: Ab 280.000 Euro zu versteuerndem Einkommen wird eine sogenannte Superreichensteuer mit einem Satz von 47 Prozent erhoben. Damit erreicht der Einkommensteuertarif in Deutschland einen neuen Höchstwert.

Auch an anderer Stelle wird gegenfinanziert: Die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen soll eingeschränkt werden. Wie genau die Kürzung ausfällt, geht aus dem Gesetzentwurf hervor – konkrete Zahlen dazu nannte das Finanzministerium bislang jedoch nicht.

Wer gewinnt, wer verliert bei den schwarz-roten Plänen für die Einkommenssteuerreform 2027?

Das Finanzministerium rechnet vor, wie sich die Reform für typische Haushalte auswirkt. Eine Familie mit zwei Kindern, in der beide Elternteile – etwa eine Pflegekraft und ein Busfahrer – jeweils 2.800 Euro brutto verdienen, hätte 2028 rund 632 Euro mehr im Jahr zur Verfügung. Ein alleinstehender Ingenieur mit 5.000 Euro Bruttogehalt käme dagegen nur auf etwa 192 Euro jährliche Entlastung.

Insgesamt soll die große Mehrheit der Steuerpflichtigen mehr Netto vom Brutto behalten, so das Ministerium. Zehn Milliarden Euro seien eine Summe, die sich sehen lassen könne, betonte Klingbeil im Vorfeld. Aus der Wirtschaft hagelt es dennoch Kritik. Dort bemängeln Vertreter, dass die Reform zu wenig Anreize für wirtschaftliches Wachstum setze. Statt die Konjunktur anzukurbeln, konzentriere sich der Entwurf vor allem auf Umverteilung.

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