Friedrich Merz unter Druck: Machtkampf in der Union - diese Politiker profitieren von der Kanzler-Krise

Schlechte Umfragen, Frust über die schwarz-rote Koalition und plötzlich sogar Gerüchte über einen Kanzlerwechsel: In der Union herrscht Alarmstimmung. Während einige Spitzenpolitiker ihren Einfluss ausbauen, geraten andere zunehmend unter Druck.

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Friedrich Merz und Hendrik Wüst Bild: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Oliver Berg
  • Die Debatte über einen möglichen Austausch von Friedrich Merz sorgt für Unruhe in der Union
  • NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst gilt parteiintern als großer Gewinner der jüngsten Machtkämpfe
  • CSU-Chef Markus Söder steht nach Rückschlägen und parteiinterner Kritik unter Druck

In der Union rumort es gewaltig. Schwache Umfragewerte und wachsende Unzufriedenheit mit der schwarz-roten Koalition haben heftige Diskussionen über die politische Zukunft der Parteiführung ausgelöst. Zeitweise sorgte sogar die Debatte über einen möglichen Austausch von Bundeskanzler Friedrich Merz für erhebliche Unruhe hinter den Kulissen. Gleichzeitig formierte sich Widerstand gegen CSU-Chef Markus Söder (59). Das Kräfteverhältnis zwischen CDU und CSU hat sich in den vergangenen Wochen spürbar verändert, wie "Bild" berichtet.

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Während einige Unionspolitiker von den Turbulenzen profitieren konnten, stehen andere deutlich geschwächt da. Die Fliehkräfte innerhalb der Partei werden größer – auch wenn Merz trotz sichtbarer Nervosität weiterhin als unangefochtene Nummer eins gilt.

Hendrik Wüst als heimlicher Gewinner der Kanzlerdebatte

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst zählt zu den klaren Profiteuren der jüngsten Turbulenzen. Die Diskussion um einen möglichen Wechsel an der Regierungsspitze machte deutlich: Der Chef des mitgliederstärksten CDU-Landesverbands gilt parteiintern als potentieller Ersatzmann für das Kanzleramt. Wüst hatte bereits vor der Debatte seine Unabhängigkeit demonstriert. Gemeinsam mit anderen Bundesländern ließ er eine geplante 1.000-Euro-Prämie der Bundesregierung im Bundesrat scheitern – ein kleiner Aufstand gegen den eigenen Parteichef Merz. Diese Machtprobe zahlte sich aus: Der NRW-Regent konnte seinen Einfluss innerhalb der Union spürbar ausbauen und sich als ernstzunehmende Alternative in Stellung bringen.

Alexander Dobrindt: Taktikfuchs und Fraktionschef auf dem Vormarsch

Auch der CSU-Innenminister Alexander Dobrindt konnte seinen Einfluss in Berlin deutlich ausweiten. Er gilt als geschickter Stratege mit ausgleichender Wirkung und wird stets hinzugezogen, wenn es in der Zusammenarbeit mit dem Koalitionspartner SPD kriselt. Bemerkenswert: Der Minister löst sich zunehmend von CSU-Chef Söder und wird bereits als möglicher Kanzleramtsminister gehandelt, sollte Merz sein Kabinett umbauen.

Unionsfraktionschef Jens Spahn (46) verzeichnet ebenfalls einen deutlichen Machtzuwachs. Seine Wiederwahl für weitere drei Jahre im Amt stärkt seine Position erheblich. Damit könnte er sich zu einem ernsthaften Gegenspieler des Kanzlers entwickeln – selbst bei einem Bruch der Koalition bliebe er zunächst im Amt. Sein Handicap bleibt allerdings die geringe Beliebtheit in der Bevölkerung.

Söder in der Defensive – Kritik aus den eigenen Reihen

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder gehört hingegen zu den klaren Verlierern der jüngsten Entwicklungen. Die enttäuschenden Ergebnisse bei den Kommunalwahlen haben seine Position deutlich geschwächt. Erschwerend kommt hinzu: Prominente Parteikollegen gehen auf Distanz. CSU-Europa-Chef Manfred Weber (53) kritisierte Söders lockeren Politikstil in einem sogenannten "Pfingstbrief". Auch Ilse Aigner (61), die den einflussreichen Bezirksverband Oberbayern führt, hält sich zurück.

Statt als potentieller Ersatzkanzler zu glänzen, muss sich Söder nun auf die Sicherung seiner Machtbasis in Bayern konzentrieren. Seine Ambitionen auf der Bundesebene sind vorerst gebremst. Immerhin: Bei den Treffen des Koalitionsausschusses sitzt er weiterhin mit am Tisch.

Weitere Aufsteiger im neuen Machtgefüge der Union

Neben den großen Gewinnern haben sich weitere Unionspolitiker besser positioniert. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer gilt als unumstrittene Führungsfigur der Union im Osten. Sein Urteil wird nach den anstehenden Landtagswahlen im Herbst besonderes Gewicht haben. Gegenüber Kanzler Merz tritt er selbstbewusst und zurückhaltend zugleich auf.

Der hessische Regierungschef Boris Rhein (54) hat sich ein eigenes Netzwerk in der Partei aufgebaut und meldet damit Ansprüche für künftige Führungsfragen an. Der CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann in Berlin festigte derweil seine Rolle als aufstrebende Kraft und prägt den Kurs der Unionsfraktion zunehmend eigenständig mit. Trotz aller Turbulenzen bleibt Merz die Nummer 1 – auch wenn die Fliehkräfte in der Partei wachsen.

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