Vor wegweisenden Wahlen: Zerlegt sich die AfD mit diesen Problemen selbst?
Interner Zoff über Kernthemen und Vetternwirtschaft, sinkende Umfragewerte und Querelen mit rechtskräftig verurteilten Parteimitgliedern bringen die AfD ausgerechnet vor wegweisenden Wahlen in Bedrängnis. Zerlegt sich Alice Weidels Partie selbst?
Erstellt von Claudia Löwe - Uhr
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- AfD droht massiver Zoff vor wegweisenden Wahlen
- Rechtsextreme Partei intern zerstritten über Kernthemen
- Ärger mit Björn Höcke und extremistischem Nachwuchs: Zerlegt sich die AfD selbst?
So richtig glatt läuft es bei der AfD derzeit nicht - und das ausgerechnet vor den wegweisenden Wahlen, die in diesem Jahr auf dem Programm stehen. Vor den anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im März sowie in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September rumort es gewaltig in der Partei, wie die "Bild" aufzeigt.
AfD im Sinkflug: Umfragewerte für Rechtsextreme lassen nach
Die Zustimmungswerte der Partei stagnieren oder sinken sogar. Laut Forsa liegt die AfD mit 24 Prozent zwei Punkte hinter der Union, während INSA bei der rechtsextremen Partei seit Wochen keine Bewegung nach oben verzeichnet. Der monatelange Aufwärtstrend scheint vorerst beendet.
AfD zerfleischt sich selbst: Öffentlicher Zoff über Kernthemen wird zum Problem
Öffentlich ausgetragene Auseinandersetzungen über zentrale Themen wie die Haltung zu Putin und Trump, die Wehrpflicht sowie das Thema "Remigration" sorgen ebenfalls für Dauerkonflikte. Hinzu kommen juristische Probleme mehrerer Abgeordneter. Über allem schwebt eine zentrale Frage: Kann Partei- und Fraktionschefin Alice Weidel die Partei noch zusammenhalten?
Bei kaum einem Thema treten die internen Spannungen so deutlich zutage wie bei der Landesverteidigung. Der verteidigungspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Rüdiger Lucassen, griff Thüringens AfD-Chef Björn Höcke direkt während einer Bundestagsrede an. Die Konsequenz: Ein Ordnungsverfahren gegen Lucassen innerhalb der Fraktion. Parteiinterne Kritiker bemängeln, dass Weidel diesen Konflikt nicht entschieden beendet habe. Auch bei der außenpolitischen Ausrichtung fehlt es an klaren Vorgaben. Die Positionierung gegenüber Russland und den USA gilt innerhalb der Partei als Schwachstelle – zu groß sei die Angriffsfläche durch die Nähe zu Putin oder die Begeisterung für Trump. Hinter vorgehaltener Hand räumen Parteimitglieder ein: Außenpolitik bringe der AfD keine Wählerstimmen. Weidel bemüht sich zwar um einen moderaten Kurs, doch verbindliche Richtlinien bleiben aus.
Probleme der AfD nehmen zu - extremistischer AfD-Nachwuchs ruft Verfassungsschutz auf den Plan
Zusätzliche Sorgen bereitet der Parteiführung die neue Jugendorganisation "Generation Deutschland". Bei deren Gründung fielen Mitglieder durch extremistische Äußerungen auf. Sowohl die Bundesregierung als auch der Verfassungsschutz beobachten die AfD-Jugend inzwischen genau. Auch der Umgang mit dem österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner sorgt für Unruhe. Nach dessen Auftritten im AfD-Umfeld in Brandenburg und einer Einladung in den Thüringer Landtag reagierte der Bundesvorstand ungewöhnlich deutlich: Treffen mit Sellner seien "nicht hilfreich".
Björn Höcke als Dauerproblem für die AfD, doch Alice Weidel bleibt loyal
Der Thüringer Landeschef Björn Höcke belastet die Partei weiterhin schwer. Wegen der Nutzung der SA-Parole "Alles für Deutschland" wurde er zu Geldstrafen verurteilt. Der Bundesgerichtshof wies seine Revision zurück – das Urteil ist damit rechtskräftig. Die AfD hat nun einen amtlich bestätigten Rechtsextremismusfall in ihren Reihen. Dennoch distanziert sich Weidel nicht von Höcke. Bei der Gründung der neuen Parteijugend im November 2025 umarmte sie ihn öffentlich.
Weitere Justizfälle belasten die Partei zusätzlich. Der sächsische Abgeordnete Jörg Dornau wurde wegen seiner Geschäftsbeziehungen zu Belarus vom Zoll im Landtag festgesetzt – der Vorwurf lautet auf Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz. Gegen Petr Bystron laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher russischer Einflussnahme. Ein Mitarbeiter von Maximilian Krah wurde 2024 wegen Spionageverdachts für China festgenommen. Der bayerische Abgeordnete Daniel Halemba erhielt eine Geldstrafe wegen Geldwäsche und Nötigung.
Gemauschel bei der AfD? Parteiinternet Unmut wächst
In Sachsen-Anhalt, wo die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bei 39 bis 40 Prozent liegt, zerlegt ein interner Machtkampf den Landesverband. Der frühere Generalsekretär Jan Wenzel Schmidt, gegen den ein Ausschlussverfahren läuft, machte Vorwürfe mutmaßlicher Vetternwirtschaft öffentlich. Laut seinen Angaben arbeiten Familienangehörige von AfD-Abgeordneten in den Büros anderer Parteikollegen. Siegmunds Vater soll demnach monatlich 7.725 Euro im Büro eines Bundestagsabgeordneten erhalten. Auch Ehepartner, Geschwister und Kinder von Funktionären würden seit Jahren aus Steuergeldern bezahlt. Siegmund verteidigte sich in einem Video: "Wie oft haben wir das Problem, dass wir kaum gute Leute finden, weil niemand diesen AfD-Stempel im Lebenslauf haben möchte." An der Parteibasis wächst der Unmut – dort ist von einem "Selbstbedienungsladen" die Rede. Schmidt sitzt in der Bundestagsfraktion unter Weidels Führung. Parteimitglieder fragen sich: Warum wurde er nicht gestoppt?
AfD-Parteiführung spielt wachsende Probleme vor den Wahlen herunter
Ein Sprecher von Alice Weidel versucht gegenüber "Bild" zu beschwichtigen: "Insgesamt sind die Partei und die Fraktion auf einem sehr guten Weg. Die Umfragewerte liegen weiterhin weit über dem Bundestagsergebnis. Davon können die Regierungsparteien nur träumen." Gleichzeitig räumt er jedoch ein: "Dass in einer solch schnell gewachsenen Partei nicht nur Sonnenschein herrschen kann, ist normal."
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loc/news.de/stg
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