Umfrage in Baden-Württemberg: AfD-Brandmauer bröckelt kurz vor Landtagswahlen
Die Brandmauer gegen die AfD bröckelt wenige Wochen vor der Landtagswahl in den Köpfen der Baden-Württemberger: Jeder Zweite im Südwesten kann sich eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten vorstellen – doch die Parteien halten eisern dagegen.
Erstellt von Claudia Löwe - Uhr
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- Baden-Württemberg wählt am 8. März 2026 neuen Landtag
- Umfrage im Südwesten: Brandmauer gegen Rechts bröckelt
- Jeder Zweite in Baden-Württemberg befürwortet Zusammenarbeit mit der AfD - 26 Prozent wollen sogar Koalitionen
Kurz vor der am 8. März 2026 stattfindenden Landtagswahl in Baden-Württemberg zeigt eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur eine deutliche Kluft zwischen Bevölkerungsmeinung und Parteilinie.
Baden-Württemberg wählt neuen Landtag - bröckelt die Brandmauer zur AfD?
Die Hälfte der Befragten, die im Zeitraum zwischen dem 14. und 22. Januar 2026 mit der Frage "Wie sollten die anderen Parteien in Baden-Württemberg mit der AfD umgehen?" konfrontiert wurden, steht einer Kooperation anderer Parteien mit der AfD aufgeschlossen gegenüber. Besonders alarmierend: Gut ein Viertel der Teilnehmer (26 Prozent) spricht sich sogar für eine grundsätzliche Koalitionsbereitschaft mit den Rechtspopulisten aus.
- Für die repräsentative Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut YouGov vom 14. bis 22. Januar 1.028 Wahlberechtigte ab 16 Jahren in Baden-Württemberg.
- Den Befragten wurde folgende Frage gestellt: "Wie sollten die anderen Parteien in Baden-Württemberg mit der AfD umgehen? Welche der folgenden Optionen würden Sie persönlich bevorzugen?" Die Antwortmöglichkeiten lauteten: "Die anderen Parteien sollten generell nicht mit der AfD zusammenarbeiten", "Die anderen Parteien sollten von Fall zu Fall entscheiden und bei einzelnen Sachfragen oder Gesetzesvorhaben mit der AfD zusammenarbeiten", "Die anderen Parteien sollten generell bereit sein, Koalitionen mit der AfD einzugehen", "Weiß nicht"
- Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,3 und 3,1 Prozentpunkten.
- Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten.
Die Unterstützung für die strikte Abgrenzung gegenüber der AfD ist im Südwesten den Umfrageergebnissen zufolge hingegen geschrumpft. Lediglich 42 Prozent der Wahlberechtigten lehnen jegliche Form der Zusammenarbeit ab. Acht Prozent äußerten keine Meinung zu dieser Frage.
Vor Landtagswahl in Baden-Württemberg: Nur 42 Prozent strikt gegen Zusammenarbeit mit AfD
Neben den Befürwortern einer vollständigen Koalitionsbereitschaft plädieren weitere 24 Prozent für einen pragmatischen Mittelweg. Diese Gruppe möchte, dass andere Parteien situationsabhängig entscheiden und bei konkreten Sachthemen oder Gesetzesinitiativen mit der AfD kooperieren.
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Der Trend zeigt eine schleichende Erosion der Brandmauer-Unterstützung. Eine Infratest-dimap-Erhebung für den SWR hatte im Februar 2025 noch 47 Prozent Zustimmung zur strikten Abgrenzung ermittelt. Schon damals signalisierte jedoch etwa die Hälfte der Befragten Offenheit für verschiedene Kooperationsformen mit der rechtspopulistischen Partei.
So stehen die zur Wahl stehenden Parteien in Baden-Württemberg zur AfD
Trotz der veränderten Stimmungslage in der Bevölkerung halten sämtliche relevanten Parteien in Baden-Württemberg an ihrer ablehnenden Haltung fest. Eine Zusammenarbeit mit der AfD haben CDU, Grüne, SPD und FDP kategorisch ausgeschlossen. Das Landesamt für Verfassungsschutz stuft den baden-württembergischen AfD-Landesverband als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein.
Nach aktuellen Umfragewerten würde die AfD mit etwa 20 Prozent den dritten Platz bei der Landtagswahl erreichen. Aufgrund der Brandmauer dürfte die Partei damit voraussichtlich die stärkste Kraft in der Opposition stellen, ohne Aussicht auf Regierungsbeteiligung.
Wie stehen die Chancen von AfD-Spitzenkandidat Frohnmeier auf einen Wahlsieg in Baden-Württemberg?
Die AfD schickt ihren Landesvorsitzenden Markus Frohnmaier als Spitzenkandidaten ins Rennen. Der 34-jährige Bundestagsabgeordnete nennt sich selbst "Ministerpräsidentenkandidat", obwohl er realistisch betrachtet keine Aussichten auf dieses Amt hat. Nur eine absolute Mehrheit der AfD würde ihm den Weg an die Regierungsspitze ebnen. Frohnmaier kandidiert nicht für den Landtag und will bei einem Scheitern seinen Posten als stellvertretender AfD-Fraktionschef im Bundestag behalten.
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loc/news.de/dpa/stg
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