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Wladimir Putin: Eiskalt! Kreml-Boss könnte Gas-Hahn mitten im Winter abdrehen

Haben Wladimir Putin und der Kreml heimlich, still und leise an der Menge der Gas-Lieferungen nach Europa gedreht? Angeblich fließt das Erdgas plötzlich verlangsamt. Der Zeitpunkt kommt wenig überraschend.

Droht Kreml-Boss Putin Europa bald den Gas-Hahn zu? Bild: picture alliance/dpa

Der Zeitpunkt ist schon fragwürdig, die Methode wäre es auch. Laut einer Analyse des Rohstoffnachrichtendienstes ICIS hat der Kreml in den vergangenen Wochen die Lieferung von Erdgas nach Europa verlangsamt. Dies begann kurz nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel versuchte, Bedenken bezüglich der fast fertiggestellten Nord Stream 2-Pipeline zu zerstreuen. Das umstrittene Putin-Projekt soll russisches Gas unter Umgehung der Ukraine und Polens direkt über die Ostsee nach Deutschland liefern, hat aber die Bedenken geweckt, dass es "als politische Waffe" eingesetzt werden könnte.

Wladimir Putin könnte Nord Stream 2 "als Waffe" gegen Europa und Ukraine einsetzen

Merkel und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatten Russland gewarnt, es werde Sanktionen gegen Russland geben, "wenn die Pipeline als Waffe eingesetzt wird", wie Merkel bei einem Treffen mit Selenskyj in Kiew sagte. Darauf hätten sich Deutschland und die USA verständigt. Die Ukraine befürchtet, dass sie nach Inbetriebnahme von Nord Stream 2 als Transitland für russische Gaslieferungen nach Europa keine Rolle mehr spielt. Damit gingen dem Land Milliardeneinnahmen verloren, auf die es eigentlich angewiesen ist. Deutschland hat immer wieder auch erklärt, sich bei Russland für eine Fortsetzung des Gastransitvertrags durch die Ukraine einzusetzen. Doch der Ausgang bleibt ungewiss.

Kreml-Boss gegen EU-Kartellvorschriften bei Pipeline

Und noch eine andere Situation spielt dabei eine Rolle. Wie es heißt, wolle Putin versuchen, Deutschland zu zwingen, EU-Recht nicht bezüglich der Pipeline umzusetzen. Nach den EU-Kartellvorschriften muss Russland die Kontrolle über seine neue Gaspipeline nach Deutschland aufteilen. Ein deutsches Gericht entschied, dass Gazprom, der staatliche russische Gasversorger, dem die Pipeline gehört, gemäß den EU-Rechtsvorschriften zur Begrenzung von Energiemonopolen den laufenden Betrieb an eine unabhängige dritte Partei abtreten muss. Auch das dürfte nicht im Sinne des Kreml-Bosses sein. Eine kleine Macht-Demonstration könnte man da schon vermuten, um zu zeigen, wer am längeren Gas-Pedal sitzt.

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Die Auswirkungen einer Drosselung der Gas-Versorgung durch Russland wären nicht nur hierzulande drastisch. Experten zufolge könnte nun auch das Vereinigte Königreich die Schockwellen zu spüren bekommen, nachdem es seine Gasspeicherkapazität reduziert hat. Marco Alverà, Vorstandsvorsitzender des italienischen Pipeline- und Infrastrukturkonzerns SNAM, sagte dem britischen "Telegraph": "Das Vereinigte Königreich ist anfälliger für eine Gasversorgungskrise als andere westeuropäische Länder.

Drosselt Putin Gas-Lieferungen für Europa - Lichter aus in Großbritannien?

Das Land habe demnach viel zu wenig Speicher und kaufe über die Niederlande mehr russisches Gas, als ihm bewusst ist. Energieexperten warnen nun davor, dass die Briten mit Rationierungen oder einem Preisschock konfrontiert werden könnten, der groß genug ist, um ernsthafte Probleme zu verursachen und Verhaltensänderungen zu erzwingen. Adam Lewis von der Energieberatungsfirma Hartree Solutions fügte hinzu: "Ich kann mich nicht erinnern, dass es in den letzten zwanzig Jahren jemals eine solche Situation gegeben hat." An den bevorstehenden Winter mag er da gar nicht denken. An einen eiskalten Schritt Putins, wie zum Beispiel den unwahrscheinlichen Stopp der Gaslieferungen, ebenfalls nicht.

"Wir sehen mögliche Abschaltungen und eine Beeinträchtigung der Nachfrage." Das Vereinigte Königreich hat im vergangenen Monat seine Wasserstoffstrategie vorgestellt, und Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng erklärte gegenüber "Express.co.uk", dass das Vereinigte Königreich ein Jahrzehnt früher als Deutschland aus der Kohle aussteigen werde. Doch das könnte sich nun als Nachteil für Großbritannien erweisen.

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rut/sba/news.de/dpa