02.03.2021, 13.31 Uhr

Coronavirus-Pandemie aktuell: EU zu lahm! Österreich macht gemeinsame Impf-Sache mit Israel

Die Mühlen der EU mahlen bei der Zulassung von Impfstoffen zu langsam - deshalb prescht Österreich vor und sucht sich neue Partner im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Mithilfe von Israel soll das Tempo angezogen werden.

Der österreichische Kanzler Sebastian Kurz hat angekündigt, bei der Entwicklung neuer Impfstoffe auf eine Allianz mit Israel und Dänemark zu setzen. Bild: picture alliance/dpa/APA | Helmut Fohringer

Österreich will sich bei Impfstoffen gegen das Coronavirus nicht mehr auf die EU verlassen. Die Europäische Arzneimittelagentur sei zu langsam bei den Zulassungen für Impfstoffe, erklärte Kanzler Sebastian Kurz am Dienstag in Wien. Österreich werde deshalbeng mit Dänemark und Israel bei der Erforschung und Produktion von Impfstoffen der zweiten Generation gegen mögliche Virus-Varianten zusammenarbeiten, so Kurz im Vorfeld eines für Donnerstag geplanten Israel-Besuchs.

Coronavirus-Impfungen aktuell: Österreich setzt auf Allianz mit Israel und Dänemark

Er sei zwar froh, dass EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen so früh die Initiative für die Beschaffung von Impfstoff ergriffen habe, "wir müssen uns aber jetzt schon rechtzeitig auf weitere gefährliche #COVID19 Mutationen vorbereiten", schrieb Kurz auf Twitter. Experten rechneten damit, dass jährlich rund sechs Millionen Österreicherinnen und Österreicher geimpft werden müssten. "Die Pandemie wird uns noch lange Zeit beschäftigen mit verschiedenen Mutationen."

Österreich will sich mit Impfstoff-Entwicklung für Mutanten-Ausbreitung wappnen

Die Präsidentin des österreichischen Verbands der Impfstoffhersteller, Renée Gallo-Daniel, erklärte im ORF-Radio, es sei wichtig, lokal eine Impfstoffproduktion zu haben. Zwar dauerten die Errichtung oder auch nur die Umrüstung einer Produktionsstätte Monate bis viele Jahre. Es sei aber sinnvoll, längerfristig zu denken und für künftige Pandemien gerüstet zu sein.

Lockdown-Lockerungen aktuell: Österreich wagt weitere Öffnungsschritte

Österreich geht trotz zuletzt deutlich gestiegener Corona-Zahlen seinen Weg der schrittweisen Öffnung nun auf regionaler Ebene weiter. Aufgrund der vergleichsweise geringen Zahlen bei den Corona-Neuinfektionen werde es ab 15. März im westlichsten Bundesland Vorarlberg zu Lockerungen kommen, kündigte Kanzler Sebastian Kurz an. Davon profitierten der Sport, die Kultur und die Gastronomie. Für den Rest des Landes gelte das Ziel, dass ab 27. März zumindest Gastronomie im Freien möglich werden solle. "Wir beginnen outdoor, bevor wir uns an weitere Indoor-Öffnungsschritte heranwagen können", sagte Kurz.

Österreichs Gastronomie darf Ende März wieder öffnen - zumindest mit Freisitzen

Bei den Lockerungen sollten weiterhin Zutrittstests eine zentrale Rolle spielen. Jede Woche werde aktuell etwa ein Viertel der österreichischen Bevölkerung getestet, hieß es. Die Hoffnung ruhe auch auf der deutlichen Steigerung der Impfzahlen im März und April. Zentrales Ziel bleibe die Impfung der besonders gefährdeten Senioren und der Risikogruppen, meinte Kurz. "Meine Oma ist 92 und ist nach wie vor nicht geimpft", so der Regierungschef.

Im April solle möglichst auch die Hotellerie wieder öffnen, sagte Kurz. Aber es bleibe dabei, dass die weiteren Schritte von der Entwicklung bei den Neuinfektionen abhingen. Die Regierung nannte allerdings beim Blick auf die Sieben-Tage-Inzidenz keine konkrete Zahl, ab wann das Ruder gegebenenfalls wieder herumgerissen werde. Bei der Beurteilung der Lage spiele auch die Situation in den Kliniken eine Rolle. Die war zuletzt weitgehend stabil.

Österreich zählt nach Lockdown-Ende im Handel rund 1.400 Neuinfektionen binnen 24 Stunden

"Wir wissen, dass es für die Bevölkerung schon ein verdammt langes Jahr ist", sagte Kurz. Er verteidigte die Öffnung aller Geschäfte vor drei Wochen. Dies sei ein wichtiger und und richtiger Schritt gewesen. Allein seitdem seien 120.000 Menschen, die vorher arbeitslos oder in Kurzarbeit gewesen seien, wieder in Beschäftigung gekommen. Am Montag wurden in Österreich 1.409 Neuinfektionen binnen eines Tages gezählt. Das würde - unter Berücksichtigung der Zahl der Einwohner - rund 10.000 Fällen in Deutschland entsprechen.

Coronavirus-Testpflicht in österreichischen Schulen - Selbsttests kostenlos in der Apotheke erhältlich

Die Analysen zeigten, dass sich nun vor allem Kinder und Jugendliche mit dem Virus ansteckten. Daher seien die in Österreich obligatorischen Coronatests in den Schulen besonders wichtig. Im Land sind seit Montag in den Apotheken nun auch kostenlose Selbsttests für zu Hause erhältlich. Sie sind als persönlicher Check gedacht, aber keine Zugangsberechtigung zum Beispiel für den Besuch von Friseuren. Kurz blieb bei seiner Zuversicht, dass der Sommer wieder weitgehend normal verlaufen könne.

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loc/news.de/dpa