15.09.2020, 12.07 Uhr

Merkel + Seehofer: "Beides Idioten!" SO heftig reagiert Twitter auf die "Schande" von Moria

Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister Horst Seehofer haben sich darauf geeinigt, rund 1.500 weitere Migranten von den griechischen Inseln aufzunehmen. Bei Twitter entfachte diese Nachricht eine heiße Diskussion.

Kanzlerin Merkel und Innenminister Seehofer einigten sich auf die Aufnahme von 1.500 Geflüchteten von Moria. Auf Twitter entbrennt eine hitzige Debatte. Bild: picture alliance/Hannibal Hanschke/POOL Reuters/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) haben sich darauf verständigt, rund 1500 weitere Migranten von den griechischen Inseln in Deutschland aufzunehmen. Diese Neuigkeit sorgt für erhitzte Gemüter. Auf Twitter entbrannte eine wilde Diskussion.

Grüne, Linke und SPD fordern auch Aufnahme von nicht minderjährigen Migranten

Grüne, Linke, die SPD und mehrere Kommunen wollen, dass Deutschland nicht nur unbegleitete minderjährige Migranten aus Lesbos aufnimmt. Jetzt liegt ein Vorschlag auf dem Tisch. Der muss aber noch mit der SPD abgestimmt werden.

Wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag von Innenpolitikern erfuhr, handelt es sich bei den aufzunehmenden Geflüchteten zunächst nur um Familien mit Kindern, die in Griechenland bereits als schutzbedürftig anerkannt wurden. Den Angaben zufolge ist der Vorschlag mit der griechischen Regierung bereits besprochen worden.

Moria-Diskussion: Zustimmung der SPD noch fraglich

Ob die SPD dem zustimmen wird, war zunächst noch offen. Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken hatte gefordert, Deutschland müsse zusätzlich zu den bereits gemachten Hilfsangeboten mehrere Tausend Geflüchtete aus Griechenland aufnehmen. Die griechischen Behörden gehen davon aus, dass das seit Jahren heillos überfüllte Flüchtlingslager Moria vergangene Woche von Migranten angezündet worden war. Zuvor war die Situation dort eskaliert, nachdem mehrere Asylbewerber positiv auf das Coronavirus getestet worden war.

Seehofer wollte ursprünglich nur 150 Geflüchtete aufnehmen

Seehofer hatte am Freitag mitgeteilt, Deutschland werde von insgesamt 400 unbegleiteten Minderjährigen, die aus Griechenland in andere europäische Länder gebracht werden sollen, 100 bis 150 Jugendliche aufnehmen. Zudem betonte er, man wolle dann in einem zweiten Schritt mit Athen über die Aufnahme von Familien mit Kindern sprechen. Das Bundesinnenministerium will eine Delegation nach Lesbos schicken, um zu schauen, wer am dringendsten Schutz benötigt. Ziel sei es, bei der Auswahl "objektive Kriterien" anzuwenden, "damit keine unkontrollierbaren Folgewirkungen entstehen", hieß es aus dem Ministerium.

Aufbau eines neuen Zeltlagers in Moria hat begonnen

Die griechischen Behörden haben - abgesehen von den 400 unbegleiteten Minderjährigen - offiziell bislang nicht um die Aufnahme der nun obdachlos gewordenen Menschen in anderen EU-Staaten nachgesucht. Vielmehr begann man auf Lesbos mit dem Aufbau eines Zeltlagers, in dem die Migranten erst einmal unterkommen sollen. Viele von ihnen zögern jedoch, dort ein Zelt zu beziehen. Einige Migranten haben Angst, dort eingesperrt zu werden, andere hoffen auf eine Umsiedlung auf das griechische Festland oder in ein anderes europäisches Land.

Geflüchteten-Diskussion polarisiert - Twitter ist zwiegespalten

Kaum ein Thema scheidet die Gemüter in Deutschland so stark wie die Flüchtlingsdebatte. Während es die einen für unsere Pflicht halten, Hilfesuchenden Schutz in unserem Land zu gewähren, sehen andere in den Neuankömmlingen eine Gefahr für den eigenen Wohlstand. Auch und besonders auf Twitter ist die Spaltung zu sehen. So sahen einige der Reaktionen auf Merkels und Seehofers Einigung aus.

Dieser Herr findet das, was Deutschland leistet, eindeutig zu wenig. Er schreibt: "1.500 aus #Moria? Wen wollen #Merkel und #Seehofer eigentlich verarschen? Genau diese Zahl hatte die Koalition schon im März zugesagt. Tatsächlich seither aufgenommen: 465 Menschen. Sie verkaufen also alte, nicht umgesetzte Kontingente ernsthaft als neue Aufnahmebereitschaft."

Twitter-User befürwortet Entscheidung und warnt rechte Nutzer

Auch dieser Nutzer findet die Entscheidung richtig und warnt: "Merkel und Seehofer verständigen sich darauf, zusätzlich rund 1500 weitere Migranten von den griechischen Inseln aufzunehmen. Immerhin, ein Schritt in die richtige Richtung. Alle rechten Spackos, die das doof finden, bitte hier drunter kommentieren, das erleichtert das blocken."

Nutzer weist auf wichtige Rolle der SPD bei der Entscheidung hin

Ein weiterer User ärgert sich indes darüber, dass die Rolle der SPD bei der Entscheidung zu wenig beachtet wird: "Wenn jetzt alle Medien darüber berichten, dass 'Merkel und Seehofer' sich auf die Aufnahme von weiteren 1.500 Menschen verständigt haben, fällt mal wieder komplett unter den Tisch, dass das auf Druck der @spdde geschehen ist. Wie sieht im Übrigen die Lösung für die anderen aus?"

Ins selbe Horn bläst auch dieser Herr und bedankt sich bei der SPD: "Auf Druck der #SPD haben #Merkel und #Seehofer ihre Aufnahmebereitschaft immerhin verzehnfacht. Das ist mir zwar noch zu wenig, aber konkrete Hilfe für 1.500 Menschen aus #Moria. Das gäbe es nicht, hätte sich die SPD auf irgendwelche symbolischen Spielchen eingelassen. #DankeSPD".

Einem anderen Nutzer ist das zu wenig. Er schreibt: "Merkel und Seehofer beschließen die meisten Flüchtlinge erstmal auf Lesbos zu lassen."

"1500 Menschen aus #Moria ist nicht ausreichend. Die Menschenfeinde #Merkel und #Seehofer sind eine Schande für uns", befindet dieser Gentleman.

Gegner der Entscheidung hetzen auf Twitter gegen Asylpolitik

Doch es gibt auch kritische Stimmen gegen die Entscheidung. So kritisiert ein Twitter-Nutzer: "Wozu überhaupt noch Asylgesetze, wenn Merkel und Seehofer einfach so entscheiden dürfen, wer hierherkommt, und wer nicht?"

Der Bewerber für den CDU-Vorsitz Friedrich Merz hält ebenfalls nicht viel von der Entscheidung. Er teilt einen Tweet, in dem er schreibt: „Wenn ich es richtig sehe, hat #Griechenland bisher nicht darum gebeten, Flüchtlinge aus #Moria in der #EU aufzunehmen und zu verteilen. Außer Luxemburg und Deutschland ist dazu ohnehin gegenwärtig kein anderes EU-Mitgliedsland bereit."

"Dann sollen Merkel und Seehofer die gerne in ihren Gärten beherbergen", schlägt ein weiterer Gegner vor.

In dieselbe Kerbe schlägt folgender Herr, der twittert: "Cool Merkel und Seehofer müssen ja richtig viel Platz daheim haben wenn die so viele Flüchtlinge bei sich aufnehmen können..."

"Was für ein ein Armutszeugnis. Da wird die eigene Bevölkerung in Gefahr gebracht, um Gewalt ereilte Brandstifter ins Land zu holen", meint ein weiterer.

"Beides Idioten" Twitter-Nutzer kritisiert beide Seiten

Dieser Herr zeigt Unverständnis für beide Seiten, indem er schreibt: "Merkel und Seehofer haben sich also auf 1500 Flüchtlinge geeinigt. Wir werden jetzt 2 Gruppen mit 2 Reaktionen sehen. Die Weltverbesserer und Linken mit 'Viel zu wenig, Drecksnazis!' und die Xenophoben/Rechtsextremen mit '2015 all over again! Never again!'. Beides Idioten."

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sig/bua/news.de/dpa

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