Europas Monarchien im Wandel der Zeit: Schon gewusst? Deshalb hat Südeuropa heute nur noch ein Königshaus

In Spanien sorgt König Felipe VI. für das Fortbestehen der Monarchie - doch warum haben Italien, Griechenland und Portugal heute keine Königshäuser mehr? Wir laden ein zu einer royalen Geschichtsstunde zu Europas untergegangenen Königsfamilien.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Warum hat Spanien noch ein Königshaus, Italien, Portugal und Griechenland jedoch nicht? Der Blick in die royalen Geschichtsbücher liefert die Antwort. (Foto) Suche
Warum hat Spanien noch ein Königshaus, Italien, Portugal und Griechenland jedoch nicht? Der Blick in die royalen Geschichtsbücher liefert die Antwort. Bild: Adobe Stock / Laurent
  • Royale Zeitreise mit news.de: Diese Monarchien wurden abgeschafft
  • Wieso haben Portugal, Italien und Griechenland keine Könige mehr?
  • Adelsfamilien heute: So leben die früheren Monarchien bis heute weiter

Vielleicht gehören auch Sie zu jenen Nachrichtenkonsumentinnen und -konsumenten, die beim Blick auf die Schlagzeilen lieber in eine Parallelwelt flüchten würden, in denen sich nicht alles um machtgierige Autokraten, drohende Weltkriege oder Klimakatastrophen dreht. Vielleicht lässt sich so erklären, dass sich Neuigkeiten aus den Königshäusern dieser Welt so großer Beliebtheit erfreuen - einen Blick hinter die Palastmauern zu werfen kommt schließlich den Märchen aus Kindheitstagen ziemlich nahe.

Europas Monarchien im Wandel der Zeit: So ging die Krone in Italien, Griechenland und Portugal zugrunde

Die Monarchien in Skandinavien, den Benelux-Staaten oder in Spanien sind dabei verlässliche Anlaufstellen für immer neue Royals-News - doch wieso gibt es nur noch in einzelnen Ländern Könige und Königinnen, obwohl Monarchien einst viel weiter verbreitet waren? Wieso beispielsweise in Südeuropa nur noch Spanien mit einem Königshaus glänzt, in Italien und Portugal jedoch die Lichter in den Palästen längst erloschen sind und warum Griechenland sich von seinem Königshaus verabschiedet hat, verrät der zweite Teil unser Ausflugs in die Adelshistorie. Wer sich weiter belesen möchte: Hier geht's zum ersten Teil der Royals-Geschichtsstunde.

König Manuel II. machte in Portugals Monarchie das Licht aus

In Europa verschwanden im 20. Jahrhundert gleich sechs Monarchien über einen Zeitraum von knapp sechs Jahrzehnten. Den Anfang machten die Portugiesen, die im Herbst 1910 eine Revolution vom Zaun brachen und dem 1139 von König Alfons I. begründeten Königshaus den Garaus. In Portugal hatten im Laufe der Jahrhunderte mal die Habsburger, mal der Clan der Braganza das Sagen, seit Mitte der 1850er Jahre war es indes ein Zweig des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha, das den portugiesischen Monarchen stellte.

Portugals Königshaus lebt bis heute weiter - diese Adelsfamilien sind mit Manuel II. verwandt

Die aus Deutschland stammende Adelsfamilie hatte jedoch nicht nur in Portugal Einfluss, sondern hielt über clevere Eheschließungen beispielsweise ins belgische, britische oder bulgarische Königshaus Einzug. König Philippe von Belgien gehört heute ebenso zum Haus Sachsen-Coburg und Gotha wie Großbritanniens König Charles III. und steht damit in entfernter Verwandtschaft zu Portugals letztem König Manuel II., der seinen Thron 1910 in den Wirren der Revolution räumen musste. Manuel floh ins englische Exil, wo er im Juli 1932 ohne Nachkommen 42-jährig starb und mit ihm Portugals Monarchie endete.

Savoyen-Monarchie in Italien endete mit König Umberto II.

Auf der anderen Seite des Mittelmeeres, nämlich in Italien, überstand das Königshaus der Familie Savoyen zwar den ersten Weltkrieg, doch nach Ende des zweiten Weltkriegs war's in Bella Italia vorbei mit der Krone. Die 1861 ins Leben gerufene konstitutionelle Monarchie, die man heute unter anderem noch in Großbritannien, Spanien, Monaco oder Skandinavien findet, wurde in Italien durch ein Referendum beendet.

Italiens letzter König ging nach dem Volksentscheid ins Exil

Als Nachfolger der Savoyen-Könige Viktor Emanuel II., Umberto I. und Viktor Emanuel III. kam König Umberto II. am 9. Mai 1946 auf den italienischen Thron. In die Geschichtsbücher ging der Monarch dank seiner rekordverdächtig kurzen Regentschaft als "Mai-König" ein, denn am 18. Juni, also nach nur 40 Tagen als König, war Umbertos Regierungszeit ebenso hinfällig wie die gesamte italienische Monarchie. Das italienische Volk hatte sich Anfang Juni 1946 mit mehr als 54 Prozent dafür ausgesprochen, dass Italien künftig eine Republik und keine Monarchie mehr sein sollte. Für Umberto II. das deutliche Signal, die Füße in die Hand zu nehmen und Italien zu verlassen - der vom Volk abgesetzte Monarch machte sich auf nach Portugal und lebte dort bis zu seinem letzten Atemzug, den Umberto II. am 18. März 1983 in Genf tat, in der festen Überzeugung, weiterhin rechtmäßiger König zu sein, ohne die italienische Republik anzuerkennen.

König Konstantin II. zur Flucht gezwungen - so endete die griechische Monarchie

Die (vorerst) letzte Monarchie, die in Europa abgeschafft wurde, war bis Mitte der 1970er Jahre in Griechenland zu finden. Als König Konstantin II. mit zarten 23 Jahren im Frühjahr 1964 den griechischen Thron von seinem Vater König Paul I. erbte, lag in seinem Königreich infolge des Bürgerkrieges mit den Händen zu greifende Spannung in der Luft. Der blutjunge Monarch fand sich alsbald im Spagat zwischen der Aufrechterhaltung der ohnehin fragilen Monarchie und Reibereien mit der griechischen Regierung wieder, bis ein Militärputsch das Ende der Adelsherrschaft besiegelte. Ein Gegenputsch verfehlte Konstantins Absichten, den Thron wiederzuerlangen, weshalb dem Hellenen-König nur die Flucht ins Exil blieb, bevor Griechenlands Monarchie am 1. Juni 1973 für beendet erklärt und knapp zwei Monate später mit einer Volksabstimmung besiegelt wurde.

Die Verwandtschaft des letzten griechischen Königs Konstantin II., der im Januar 2023 mit 82 Jahren starb, finden sich allerdings heute noch in Europas Adelsfamilien: Spaniens Altkönigin Sophia beispielsweise ist Konstantins Schwester, Königin Margrethe, die Mutter des dänischen Königs Frederik X., wiederum ist eine Schwägerin des letzten Hellenen-Monarchen. Nicht zuletzt im britischen Königshaus ist die Verwandtschaft nach Griechenland weiterhin präsent, war König Charles' Vater Prinz Philip doch selbst ein Spross der griechischen Königsfamilie.

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