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Lockdown für Ungeimpfte: Vergleich mit Holocaust-Opfern! Twitter genervt von "jammernden Ungeimpften"

Die Debatte um mehr Freiheiten für Geimpfte erhitzt die Gemüter. Vor allem Impfskeptiker:innen sehen sich benachteiligt. Auf Twitter machen Ungeimpfte ihrer Wut Luft - zahlreiche Betroffene vergleichen sich jedoch mit den Opfern des Holocausts. Ein absolutes No-Go, finden Twitter-Nutzer:innen.

Auf Twitter entbrannte eine heftige Debatte um Freiheiten für Geimpfte. Bild: (Symbolbild) DDRockstar/AdobeStock

Die Debatte um einen Lockdown für Ungeimpfte im Herbst erzürnte Impfskeptiker:innen im ganzen Land. Auf Twitter machten Menschen, die sich nicht gegen Sars-CoV-2 impfen lassen möchten, ihrer Wut Luft - einige griffen dabei allerdings zu kruden Vergleichen.

Kanzleramtschef Helge Braun: Geimpfte bekommen mehr Freiheiten

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hat die Menschen zur Corona-Impfung aufgerufen und mögliche Einschränkungen im Herbst für Ungeimpfte angekündigt. Es gebe zwei Argumente für die Impfung, sagte Braun der "Bild am Sonntag". Die Impfung schütze zu 90 Prozent vor einer schweren Corona-Erkrankung. "Und: Geimpfte werden definitiv mehr Freiheiten haben als Ungeimpfte." Solange die Impfstoffe gegen die Delta-Variante so gut helfen, sei ein klassischer Lockdown nicht mehr nötig, sagte Braun. Aber wenn Deutschland eine hohe vierte Welle bekäme, würde das nicht ohne Auswirkungen bleiben. "Bei hohem Infektionsgeschehen trotz Testkonzepten würden Ungeimpfte ihre Kontakte reduzieren müssen", erklärte er. "Das kann auch bedeuten, dass gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte nicht mehr möglich wären, weil das Restrisiko zu hoch ist."

Auf die Frage, ob das rechtlich zulässig wäre, antwortete Braun mit einem "Ja". "Der Staat hat die Pflicht, die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu schützen", erklärte er. "Dazu gehört ein Gesundheitswesen, das im Winter nicht erneut Krebs- und Gelenkoperationen zurückstellen muss, um Corona-Patienten zu behandeln. Und dazu gehört auch der Schutz derjenigen, die ungeimpft sind."

Coronavirus-News: Impfskeptiker:innen vergleichen sich mit Opfern des Dritten Reichs

Auf Twitter entbrannte eine heftige Debatte um Rechte und Freiheiten für Geimpfte und Ungeimpfte. Einige Impfskeptiker:innen sahen sich als Opfer und verglichen ihre Situation mit den Opfern des Holocausts. So schrieb etwa diese Nutzerin: "Wir #Ungeimpfte sind so 20%-25%. Viel zu viele, um uns in Lagern verschwinden lassen. Sie müssen die Simulation der Demokratie schon aufrechterhalten."

Auch folgende Userintwittert: "An die Leute, die hier einen Lockdown für #Ungeimpfte fordern und sich darüber freuen würden: Ihr seid lupenreine Faschisten." Dafür erntet die Dame Kritik. Ein Follower antwortet: "Jetzt ists mal gut, ja? Es ist inzwischen bewiesen, daß die Impfungen wirken. Impfen ist solidarisch. Wenn Sie nicht solidarisch sein wollen, ist das ihre Sache. Wie die geimpfte Mehrheit darauf reagiert, ist jedoch deren Sache. Ich halte Einschränkungen für Ungeimpfte für gut."

Verschwörungsgläubige jammern über Benachteiligung durch fehlende Impfung

Eine andere Dame sieht sich aufgrund ihrer fehlenden Corona-Impfung als Mensch zweiter Klasse. "Wer Ungeimpft ist und im Herbst immer noch CDU, SPD oder Grüne wählt, der wählt seine eigenen Gefängniswärter, seine eigene Diskriminierung, seine eigene Herabsetzung zum Menschen zweiter Klasse", jammert sie. 

Ein anderer Nutzer teilt gar ein Bild von Christoph Walz in seiner Rolle als "Judenjäger" Hans Landa in Quetnin Tarantinos kontrafaktischem Film "Inglourious Basterds". "Sie verstecken Ungeimpfte unter Ihren Fußböden, nicht wahr?!", steht im Meme, das Walz als Hals Landa bei einer Hausdurchsuchung zeigt. Ein kruder Vergleich Ungeimpfter mit den Opfern des Holocaust - und eine Relativierung der Verbrechen des Dritten Reichs, gegen die sich Christoph Walz mit aller Kraft aussprechen würde. Der Schauspieler ist bekanntlich kein Fan von Wissenschaftsleugner:innen und Corona-Skeptiker:innen, wie er in einem Interview mit GQ Magazin unmissverständlich klarmachte. ("Diese Leute, die sich Querdenker nennen, denken entlang des Brettes, das sie vorm Kopf haben.")

Coronavirus-Impfung: Mehrheit sieht in Impfung Zeichen für Solidarität

Auf Twitter bilden Verschwörungsgläubige und Impfgegner:innen - ebenso wie in der Gesellschaft - nur eine kleine, aber laute Minderheit. Die Tweets, die sich für den Vorschlag von Kanzleramtschef Helge Braun aussprechen, überwiegen. Viele Nutzer:innen sehen in Impfungen vor allem ein Zeichen der Solidarität für all jene, die sich nicht impfen lassen können oder bei denen eine Impfung aufgrund von Vorerkrankungen weniger Schutz bietet. Auch diese Menschen gilt es, zu schützen. Je mehr Menschen sich impfen zu lassen, desto weniger Superspreader gibt es und desto weniger sind jene Risikogruppen gefährdet.

Wissenschafts-Bloggerin Sabine Hossenfelder meint etwa: "#Ungeimpfte sind eine Gefahr für sich und andere. Natürlich sollten sie nicht dieselben Rechte und Freiheiten haben wie Geimpfte. Wer andere willentlich in Gefahr bring muss eben mit den Konsequenzen leben." 

Twitter-User:innen genervt von "jammernden" Ungeimpften 

Auch dieser User hat wenig Verständnis für Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten. "Weinen freiwillig #Ungeimpfte also wieder rum? Nur zur Klarstellung...ihr seid noch immer keine politisch Verfolgten, die um ihr Leben bangen müssen. Wenn ihr allerdings in Zukunft die Schnelltests zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben selbst zahlen müsst, find ich das gut." 

"Hör auf zu jammern. Ihr könntet euch ja auch einfach impfen lassen. Als Akt der Solidarität gegenüber euren Mitmenschen, zum Beispiel. "Solidarität" ist dir ein Begriff, oder?", findet diese Nutzerin

Freiheiten für Geimpfte? Twitter-User sagt: "Natürlich"

"Natürlich sollen Geimpfte mehr Freiheiten haben als #Ungeimpfte. Mit einer Einschränkung: Es gibt Menschen, die sich nicht impfen lassen können* und darauf muss man Rücksicht nehmen", findet folgender Nutzer auf Twitter und fügt an: "*nein Klaus, du zählst nicht dazu, nur weil du bei Telegram gelesen hast die Impfe sei Satan."

Twitter-Nutzer: Evolution regelt das - rottet Dummheit aus

Ein weiterer Twitteraner sieht kein Problem darin, dass Menschen sich nicht impfen lassen wollen. Er meint, die Natur regle das schon von selbst: "99 Prozent der aktuellen Covid-Totesfälle sind #Ungeimpfte. Die Evolution hat also tatsächlich eine Krankheit geschaffen, die Dummheit ausrottet. Gleichzeitig löst sie noch die Probleme der Überbevölkerung, Wohnungsnot und fehlenden Jobs. Science Motherfucker!" 

Dieser User wundert sich über die Wissenschaftsfeindlichkeit von Impfskeptiker:innen. Er schreibt: "Schmerzt der Zahn vertraut ihr dem Zahnarzt. Geht der Strom aus vertraut ihr dem Elektriker. Brennt das Haus vertraut ihr der Feuerwehr. Aber geht es um #Covid, vertraut ihr Renate von gegenüber (die hat da was bei Facebook gelesen)."

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sig/news.de/dpa/