03.06.2021, 11.02 Uhr

Pandemie begünstigt Übergewicht: Adipositas-Alarm in Deutschland! So kriegen Sie Ihr Corona-Fett weg

Ernährungsexperten schlagen Alarm: Die Corona-Pandemie macht die Menschen gefährlich dick. Die steigende Zahl der Adipositas-Patienten birgt nicht zuletzt im Hinblick auf Covid-19 heimtückische Gefahren.

Experten schlagen Alarm: Die Deutschen werden im Zuge der Corona-Pandemie besorgniserregend dick! Bild: picture alliance/dpa/PA Wire | Clara Molden

Die Corona-Pandemie machte den alltäglichen Ritualen vieler Deutscher einen dicken Strich durch die Rechnung. Homeoffice statt Pendeln ins Büro, kein sportliches Trainings aufgrund von geschlossenen Fitnessstudios im Lockdown und ungesundes Fast Food vom Lieferservice anstelle von ausgewogener Ernährung bestimmten in den vergangenen Monaten den Tagesablauf. Die Folgen machen sich unweigerlich auf der Waage bemerkbar: Deutschland wird immer dicker!

Moppel-Alarm im Lockdown: Deutsche werden in Corona-Pandemie immer dicker

Was der eine oder die andere zuletzt vielleicht selbst durch kneifende Jeans und wachsende Speckröllchen bemerkt haben könnte, belegt jetzt eine aktuelle Studie, die dasElse Kröner Fresenius Zentrums für Ernährungsmedizin (EKFZ) in Zusammenarbeit mit derTechnischen Universität München (TUM) und dem Meinungsforschungsinstitut Forsa erarbeitet hat. "Unter Corona haben sich Lebensstil und Lebensqualität vieler Menschen verschlechtert", so das Fazit des Leiters des Else Kröner Fresenius Zentrums für Ernährungsmedizin (EKFZ), Hans Hauner. Das dicke Ende der Pandemie bekamen demnach vor allem Männer, junge Menschen und Personen, die schon vor der Pandemie Gewichtsprobleme hatten.

Studie zeigt: So viel haben die Deutschen in der Corona-Pandemie an Gewicht zugenommen

Ein paar Pfund mehr auf den Hüften klingen auf den ersten Blick vielleicht nicht nach einem großen Problem - doch die detaillierten Studienergebnisse geben Ernährungsexperten handfesten Grund zur Sorge. In einer Umfrage, die das EKFZ an der Technischen Universität München (TUM) gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt hat, wurden online 1.001 Erwachsene zwischen 18 und 70 Jahren zu ihrem Essverhalten und Körpergewicht in den letzten Monaten befragt. Die Ergebnisse zeigen die gewichtigen Ausmaße der Pandemie: Rund 40 Prozent der Befragten haben seit Pandemie-Beginn an Gewicht zugelegt - im Durchschnitt waren es 5,6 Kilogramm, die die Waage mehr anzeigte. Außerdem bewegt sich rund jeder Zweite weniger als zuvor. "Das betrifft vor allem die 18- bis 44-Jährigen", sagte Hauner.

Adipositas-Welle durch Corona-Pandemie befeuert - Experten befürchten Teufelskreis

Auffällig sei außerdem, dass gerade Personen mit einem ohnehin erhöhten Body-Mass-Index (BMI) in der Pandemie zunähmen. "Corona befeuert damit die Adipositas-Pandemie", so der Experte. Im Gegenzug gelte Adipositas auch als Treiber der Covid-19-Pandemie. Denn mit dem BMI steige das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, da Übergewicht oftmals mit Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck einhergeht. Eine verminderte Herz-Lungen-Funktion von Menschen mit Übergewicht oder entzündliche Vorerkrankungen können sich im Falle einer Coronavirus-Infektion ebenfalls ungünstig für Krankheitsverlauf und Prognose auswirken. "So entsteht ein Teufelskreis aus dem Zusammenspiel von Corona und Adipositas."

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Hinzu kommt, dass sich 52 Prozent der Menschen mittlerweile weniger bewegen als noch vor der Krise. Die Befragten nannten geschlossene Fitnessstudios oder weniger Bewegung im Alltag als mögliche Gründe. Auch hier zeigt sich: Während sich 60 Prozent der Menschen mit einem BMI über 30 in der Pandemie weniger bewegten als zuvor, seien es bei Personen mit einem BMI unter 20 nur 40 Prozent.

Erhöhte Corona-Gefahr für Übergewichtige wegen geschwächtem Immunsystem

Eine Entwicklung, die dem Deutschen Sportärztebund Sorgen bereitet. "Gerade Übergewichtige zählen zu denjenigen, die oft mit die härtesten Krankheitsverläufe haben", sagte Sportmediziner Klaus-Michael Braumann von der Universität Hamburg. Diese Menschen seien oft durch ein geschwächtes Immunsystem gekennzeichnet. Er wirbt deshalb für Bewegung und körperliche Aktivität. "So bilden sich im Körper Botenstoffe, die das Immunsystem positiv stabilisieren und so vor schweren Verläufen schützen können." Auch für die motorische Entwicklung sei Bewegung zwingend notwendig.

Ernährungsexperten schlagen Alarm: Wie kann Deutschland die Adipositas-Welle brechen?

Weniger verändert hat sich hingegen das Essverhalten der Deutschen. Etwa zwei Drittel ernähren sich so, wie sie es vor der Corona-Krise getan haben. Gut jeder Vierte gab in der Umfrage an, aus Langeweile mehr zu essen oder sich mehr Zwischenmahlzeiten zu gönnen. "Und: Die Menschen, die mehr essen, bevorzugen ungesunde Produkte wie Fastfood, Süßigkeiten oder zuckerhaltige Getränke", sagte Hauner. Auch die psychische Belastungen durch Pandemie und Lockdown kann dazu führen, seelischen Kummer mit Frustessen zu bekämpfen - die Folgen zeigen sich dann auf der Waage.

Auch wenn sich im Hinblick auf die Ernährung eher wenig geändert hat, untermauerten die Daten zur Gewichtszunahme Handlungsbedarf, sagte Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation Foodwatch. "Wirksame Maßnahmen gegen Adipositas sind wichtiger denn je." Seine Forderung unter anderem: eine Limo-Steuer.

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Gewichtszunahme im Lockdown? So sagen Sie den Corona-Pfunden den Kampf an

Wer nach monatelangem Homeoffice ohne Fitnessstudio ebenfalls darunter leidet, dass die Lieblingsjeans plötzlich kneift, kann den Ernährungsexperten zufolge schon mit kleinen Veränderungen im Tagesablauf dafür sorgen, dass die pandemiebedingt entstandenen Speckpölsterchen schnell schmelzen. Auch wenn es verlockend erscheint, sich durch den Anruf beim Lieferservice stundenlange Vorbereitungen in der Küche zu ersparen: Geben Sie sich einen Ruck und kochen Sie Ihre Mahlzeiten lieber selbst aus frischen Zutaten, anstatt auf die fettige Pizza vom Bringdienst zurückzugreifen. Wer ein Zuviel an Kohlehydraten durch frisches Gemüse ersetzt und seinen Kalorienhaushalt im Blick behält, hat schon zur Hälfte gewonnen.

Die fehlende Bewegung lässt sich auch ohne Sportstudio wettmachen - beispielsweise mit täglichen Spaziergängen an der frischen Luft oder mit einem Mini-Workout im heimischen Wohnzimmer, das nicht nur die Ausdauer, sondern auch Herz, Lunge und Kreislauf stärkt. Nicht zuletzt hat Bewegung nicht nur positive Auswirkungen auf den Körper, sondern auch auf die Psyche - also nichts wie raus an die frische Luft!

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loc/news.de/dpa

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