01.05.2020, 07.12 Uhr

Coronavirus-News aktuell: "Irrlehren"! Hygiene-Experte übt heftige Kritik am RKI

Das Robert-Koch-Institut gewinnt immer neue Erkenntnisse über das neuartige Coronavirus und passt seine Angaben daher stets an. Ein Hygiene-Spezialist greift die Wissenschaftler des RKI nun scharf an. 

Ständig unter Beobachtung: Der Leiter des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler Bild: picture alliance/Christian Mang/Reuters Pool/dpa

Epidemiologen und Virologen haben es in der Coronakrise nicht leicht. Selten haben sie gute Nachrichten zu vermelden. Selbst dann, wenn sie große Erfolge wie etwa die bisherige Eindämmung des Virus in Deutschland erreichen konnten, wird ihnen von Seiten der Bevölkerung oft kaum Glauben geschenkt. Und auch Kontra-Experten suchen immer wieder neue Wege, die wissenschaftlichen Erkenntnisse anzuzweifeln. Der Hygiene-Experte Prof. Klaus-Dieter Zastrow kritisiert nun das Robert-Koch-Institut für seinen Umgang mit dem Maskenschutz.

Prof. Klaus-Dieter Zastrow greift Prof. Dr. Lothar Wieler an

Prof. Klaus-Dieter Zastrow vom Hygiene-Institut Berlin kritisiert das Informationschaos des Robert-Koch-Instituts bezüglich der Wirksamkeit des Mund-Nasen-Schutzes. Das berichtet die "Bild"-Zeitung am Donnerstag-Abend. "Der Mund-Nasen-Schutz (MNS) ist der wirksamste Schutz vor einer Corona-Infektion für jeden, der ihn trägt. Damit wird die einzige Infektionsquelle geschlossen und die Epidemie wäre sehr schnell beendet", findet Zastrow laut "Bild". Er wirft RKI-Chef Wieler "Irrlehren" vor.

Damit meint der Hygiene-Experte Zastrow nicht etwa die selbst genähten Mund-Nase-Bedeckungen, sondern die sogenannten medizinischen OP-Masken aus Vlies, die auch in Krankenhäusern Verwendung finden. Diese gelten als besonders wirksam im Schutz gegen Virus-Infektionen. Zastrow betont, dass die MNS nicht umsonst im Krankenhaus bei Operationen und bei der Pflege von Infizierten verwendet werden.

Zastrows Kritik ist nicht mehr ganz korrekt

Mit seiner Kritik am Robert-Koch-Institut hat Zastrow allerdings nur bedingt recht: RKI-Chef Wieler hatte zu Beginn der Pandemie davor gewarnt, dass Mund-Nase-Bedeckungen (NICHT OP-Masken) die Menschen nur zu einem begrenzten Prozentsatz schützen, die Bevölkerung aber in trügerischer Sicherheit wiegen könnten. Das könne zur Folge haben, dass die Menschen die Abstands- und Hygieneregeln auf die leichte Schulter nehmen könnten.

Die medizinischen OP-Masken sollen in Anbetracht des derzeitigen Mangels vorerst medizinischem Personal vorbehalten bleiben. So die Empfehlung des RKI. Mittlerweile rät aber auch das RKI zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung, da sie besser sei als gar keine Bedeckung.

Mund-Nase-Bedeckung ja oder nein? - Diese Frage stellt sich nicht mehr, seit die Politik nahezu flächendeckend in allen Bundesländern eine Maskenpflicht erlassen hat.

OP-Masken aus Vlies stehen noch nicht im ausreichenden Maße zur Verfügung

Bei seinem Auftritt bei Markus Lanz am 23.04.2020 im ZDF bestätigte Epidemiologe und SPD-Politiker Karl Lauterbach, dass OP-Masken aus Vlies tatsächlich effektiv und wirksam vor einer Coronavirus-Infektion schützen können. Der Haken sei jedoch die Verfügbarkeit dieses MNS in Deutschland, die auch das RKI im Blick hat.

Die Masken würden nun mit Hochdruck produziert werden. In der Zwischenzeit müssen wir mit selbst genähten Mund-Nase-Bedeckungen vorlieb nehmen, die tatsächlich weniger wirksam vor einer Infektion schützen als der medizinische Mund-Nase-Schutz. Dennoch: Auch das RKI rät seit einigen Wochen zum Tragen einer Bedeckung.

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Wissenschaft erfährt stets Neues über das Virus

Dass auch Virologen und Epidemiologen wie etwa die Forscher des RKI ihre Erkenntnisse stets anpassen müssen, versteht sich bei einem neuartigen unerforschten Virus wie Sars-CoV-2 von selbst. Dadurch, dass die Wissenschaftler dabei transparent vorgehen, lassen sich Empfehlungsanpassungen jedoch meist gut nachvollziehen.

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sig/bos/news.de

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