23.04.2020, 07.48 Uhr

Coronavirus News aktuell: Warum eine zweite Pandemie-Welle verheerend werden wäre

Zumindest Stück für Stück soll das öffentliche Leben normaler werden. Oder geht manches doch zu schnell? Die Krisenmanager wollen ein heikles Szenario vermeiden - und warnen vor den Folgen einer 2. Welle des Coronavirus bereits im Herbst.

Experten warnen vor einer 2. Corona-Welle. Bild: AdobeStock / H_Ko

Zumindest hierzulande gibt es nach Wochen strikter Kontaktbeschränkungen erste Lockerungen des Corona-Ausnahmezustands für Millionen Bürger und die Wirtschaft. Doch Politik und Mediziner treibt die bange Frage um: Wie ist das Virus trotzdem unter Kontrolle zu halten? Für ein "natürliches Auslaufen" der Pandemie müssen Experten zufolge 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert gewesen sein.

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Coronavirus aktuell: Stopp der Pandemie nur durch Impfstoff möglich

Nach derzeitigem Stand der RKI-Statistik waren oder sind erst 173 von je 100.000 Einwohnern mit Sars-CoV-2 infiziert. Auch wenn eine merkliche Dunkelziffer nicht erfasster Fälle zu vermuten ist: Bis der für ein Auslaufen nötige Wert von 60.000 bis 70.000 Infektionen je 100.000 Einwohner erreicht ist, würde es noch lange dauern. Wahrscheinlicher ist ein Stopp der Pandemie durch Impfungen.

Wann ein Impfstoff allerdings millionenfach vorhanden sein wird, steht noch in den Sternen. Ob das bereits bis zum kommenden Herbst der Fall sein wird, erscheint Gesundheitsexperten momentan mindestens als fraglich. Experten rechnen frühestens im Frühjahr 2021 mit einem Impfstoff. Doch genau der Faktor Zeit ist aktuell entscheidend. In besonderem Maße in den vom Coronavirus hart getroffenen Vereinigten Staaten.

Coronavirus: 2. Welle im Herbst könnte Gesundheitssystem sprengen

Dort warnt jetzt Robert Redfield, der Chef des "Centers for Disease Control and Prevention", einer Behörde des US-Gesundheitsministeriums, vor einer massiven zweiten Welle des Coronavirus bereits im Herbst 2020. Gegenüber der "Washington Post" warnt der Gesundheits-Experte davor, dass ein Wiederaufleben von Covid-19 im kommenden Winter mit einer saisonalen Grippe zusammenfallen könnte, was dazu führen würde, dass die Gesundheitssysteme noch stärker überlastet werden als bisher.

Aufgegriffen wurde diese Warnung ebenfalls von Dr. Patrice Harris, der Leiterin der American Medical Association, die gegenüber CNN erklärte: "Wenn sich dieses Virus wie andere Viren verhält, könnten wir im Herbst ein Wiederaufleben erleben." Sie sagte weiter, dass sie besorgt darüber sei, dass eine zweite Welle von Covid-19-Infektionen noch früher auftreten könnte, da einige US-Bundesstaaten die Sperrbeschränkungen zu früh lockern. Noch dramatischere Infektions- und Todeszahlen würden dann Realität werden.

Robert-Koch-Institut und Virologe Drosten warnen vor Corona-Lockerungen

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) machte in dieser Woche hierzulande klar, dass Hoffnungen auf eine Rückkehr zur Normalität wegen erster Lockerungen noch nicht angebracht sind. Vielmehr zeigte sich RKI-Vizepräsident Lars Schaade besorgt, dass sich nun viele Menschen anstecken könnten. "Wenn die Fallzahlen in die Höhe schießen, kann das Gesundheitssystem immer noch sehr schnell überlastet werden." Das RKI appellierte daran, sich weiter an die Empfehlungen zu halten: möglichst zu Hause bleiben, Abstand halten, Hygiene. Bis ein Impfstoff verfügbar sei, gelte es, sich so zu verhalten, dass Infektionen vermieden werden.

Der Charité-Virologe Christian Drosten mahnte jüngst im NDR-Podcast, dass die erfreulich wirkenden Zahlen zum Infektionsgeschehen trügen könnten: Das Virus verbreite sich auch aktuell weiter, unter der Decke der Maßnahmen. Er rechne mit "fast zwangsläufigen" Diffusionseffekten, sagte Drosten. Gemeint ist die Verbreitung in bisher weniger betroffenen Orten und in höheren Altersgruppen, etwa weil einzelne Menschen sich trotz der Kontaktbeschränkungen getroffen und das Virus weitergetragen haben.

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rut/sba/news.de/dpa

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