15.04.2020, 12.04 Uhr

Coronavirus-News aktuell: Sind Corona-Geheilte nach überstandener Infektion noch ansteckend?

Einige Coronavirus-Patienten werden nach negativem Test als geheilt entlassen. Tage später zeigt ein erneuter Test: Das Virus ist da. Sind sie weiterhin ansteckend? DAS sagen Forscher dazu.

Können sich Menschen nach einer überstandenen Corona-Infektion wieder infizieren? (Symbolfoto) Bild: AdobeStock/ peterschreiber.media

Mehrfach kamen aus Asien Meldungen zu einzelnen Corona-Patienten, die als genesen aus dem Krankenhaus entlassen und einige Tage später wieder positiv auf das Virus getestet wurden. Waren die Betroffenen nicht immun und steckten sich direkt wieder an? Oder kam der Erreger, wie das zum Beispiel Herpesviren tun, nach einem Ruhestadium zurück?

Sind Menschen nach einer Coronavirus-Infektion weiterhin ansteckend?

Zuletzt gab es eine Mitteilung der südkoreanischen Seuchenschutzbehörde KCDC zu 91 solcher Fälle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) untersucht nun die Fälle. In einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte die WHO: "Wir stehen in enger Verbindung mit unseren klinischen Experten und arbeiten hart daran, mehr Informationen über diese individuellen Fälle zu erhalten". Weitere Studien dazu müssen gemacht werden.

"Der Direktor des Koreanischen Zentrums für Krankheitsbekämpfung KCDC, Joeng Eun-kyeong, erklärte daraufhin, es sei eher wahrscheinlich, dass das Virus 'reaktiviert' worden sei, als dass es sich um Neuinfektionen handele", schreibt die "Tagesschau" auf ihrer Webseite. Mit weiteren Tests wird jetzt untersucht, ob die Menschen nach der Infektion weiterhin ansteckend für andere sind oder immun.

Funktionieren die PCR-Tests nicht richtig?

Andere Experten sehen hinter diesen Fällen ganz andere Ursachen. Sehr wahrscheinlich ist ein anderes, ganz harmloses Phänomen die Hauptursache für das vermeintliche Wiederaufflammen. "In der Abklingphase der Krankheit liegen die verbliebenen Virusmengen mal über, mal unter der Nachweisgrenze des PCR-Tests", erläutern Melanie Brinkmann von der Technischen Universität Braunschweig und Friedemann Weber von der Universität Gießen in einer gemeinsamen Stellungnahme. "In dieser Phase funktioniert der Test eher nach dem Zufallsprinzip."

Doch was bedeutet es für das Ansteckungsrisiko, wenn Genesene das Virus noch einige Tage lang weiter in sich tragen? Der wichtigste Punkt dabei: Die überall auf der Welt verwendeten PCR-Tests weisen keineswegs eine Aktivität der Viren nach. Sie schlügen auch bei verbliebenen Resten an, da sie lediglich das Vorhandensein des Erbmoleküls RNA nachwiesen, erläutern Brinkmann und Weber. Damit lasse sich nicht erkennen, ob das nachgewiesene Virusmaterial noch infektiös ist oder nicht.

Christian Drosten erklärt im Coorna-Podcast: Solange ist der Erreger nachweisbar

Auch der Berliner Virologe Christian Drosten von der Charité betont, dass der Erreger gerade zum Ende der Erkrankung zeitweise nachweisbar sein könne und zwischendurch an einigen Tagen nicht. "Das Virus ist schon die ganze Zeit da, aber der Test kann das nicht immer erfassen", sagte er im NDR-Podcast.

Drosten nutzt zur Veranschaulichung ein plastisches Bild: Goldfische in einem Planschbecken. Nehme jemand mit verbundenen Augen daraus mit einem Eimer eine Probe, sei mal ein Goldfisch - als Bild für einen Viruspartikel - darin und mal nicht. Am Ende der Krankheit sei die Virenlast nur noch gering, im Vergleich seien also immer weniger Goldfische im Becken.

Coronavirus-Test positiv oder negativ? Virologe Christian Drosten erklärt Abweichungen

Damit nehme die Wahrscheinlichkeit zu, dass ein Test auch mal negativ ausfalle - obwohl es durchaus noch Virenmaterial im Patienten gebe. Gerade bei Abstrichproben aus dem Hals sei das nicht verwunderlich, erklärt Drosten im NDR-Podcast. In Lungensekret und Stuhl sei das Virus wesentlich länger gut nachweisbar - und zumindest in einigen Fällen seien bei den erwähnten Patienten zunächst Rachenabstriche und später Lungensekret (hochgehustetes Sekret) oder Stuhl getestet worden.

"Das ist meine Erklärung für dieses Phänomen", so Drosten. Vereinzelt könnte Brinkmann und Weber zufolge auch ein gewisses Wieder-Aufflackern des Virus eine Rolle spielen. So etwas wie Latenz - ein Verstecken des Virus in Körperzellen und Reaktivierung etwa bei Stress - wie bei Herpesviren gebe es bei Coronaviren jedoch nicht, betont Brinkmann. Der Vorgang der Latenz sei extrem kompliziert, die Herpesviren hätten dies erst in Millionen Jahren der Koevolution mit dem Menschen perfektioniert.

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Sie können die neue Folge des NDR-Podcasts "Coronavirus-Update #31" mit Christian Drosten nicht sehen? Hier geht's zum YouTube-Clip.

Coronavirus aktuell: Neuansteckung möglich?

Nicht als vollkommen ausgeschlossen, aber sehr unwahrscheinlich gilt unter Experten eine direkte Neuansteckung. Bei den bislang getesteten Patienten seien üblicherweise etwa 10 bis 14 Tage nach dem Beginn der Symptome Antikörper gegen Sars-CoV-2 im Blut nachgewiesen worden, die genesene Menschen prinzipiell zumindest einige Zeit vor einer Neuinfektion schützen sollten. Wie gut und wie lange? "Das kann zum derzeitigen Zeitpunkt keiner sicher beurteilen", erläutern Brinkmann und Weber.

Nach derzeitigem Kenntnisstand sei das nach der Genesung nachgewiesene Virusmaterial wohl nicht infektiös für andere, es handle sich sehr wahrscheinlich vorwiegend um totes, ausgeschiedenes Material, erklärt Drosten. Es habe dazu bereits erste Analysen gegeben. "Wir konnten nie infektiöses Virus isolieren."

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bos/loc/news.de/dpa

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