Firmenpleiten Wenn die ganz Großen versagen

Schlecker (Foto)
Schlecker geht in die geplante Insolvenz und zieht die Tochter IhrPlatz mit in den Abgrund. Bild: dapd

Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Schlecker ist die größte Drogeriekette Europas, Kodak war jahrelang Weltmarktführer der Fotografie, IhrPlatz weist mehr als hundert Jahre Tradition auf. Trotzdem haben alle drei Insolvenz eingereicht. Auch Wirtschafts-Dinosaurier scheitern an neuen Herausforderungen.

Die Woche der Pleiten: Am 19. Januar stellte der US-Konzern Kodak einen Insolvenzantrag. Nur einen Tag später erwischte es mit Schlecker ein namhaftes deutsches Unternehmen. Am Donnerstag folgte dann die nächste Drogeriekette: IhrPlatz.

Die Pleite von IhrPlatz ist wenig überraschend, denn die Kette ist eine hundertprozentige Tochter von Schlecker. Und doch zeigen die Beispiele einen Trend auf: Hier gehen Wirtschaftsdinosaurier unter, die sich nicht anpassen konnten. Große Unternehmen, Marktführer, die sich lange unfehlbar wähnten - und so den Anschluss an die Konkurrenz verpassten. Allen voran gilt das für Kodak, den König der analogen Fotografie.

Schlecker&Co.
Diese Traditions-Unternehmen sind pleite

Die amerikanische Firma gehörte nicht nur neben Fujifilm und Agfa zu den weltweit größten Herstellern von Filmen, sondern war zwischenzeitlich sogar Weltmarktführer. Doch der Übergang ins digitale Zeitalter gelang den Amerikanern nie. Dabei gehörte Kodak zu den Vorreitern in Sachen Digitalkameras: 1991 verkaufte Kodak mit der DCS 100 die weltweit erste Digitalkamera für den Massenmarkt. Allerdings kostete die DCS 100 etwa 12.500 Euro. Kein Wunder, dass nicht einmal 1000 Kameras verkauft wurden.

Auch Schlecker und IhrPlatz sind Unternehmen, die rasant wuchsen und schnell den Markt beherrschten - und dann einen Trend verschliefen. Vor allem Schlecker ruhte sich lange auf dem Thron des deutschen und europäischen Drogeriekönigs aus und bemerkte dabei nicht, dass das Konzept der vielen kleinen Geschäfte, der Discounter-Preise und der Minilöhne bei den Kunden nicht mehr ankam.

Die gingen inzwischen zu Rossmann, Müller oder dm, die mit weiträumigen, hellen Märkten lockten, die Wert auf Wellness und Gesundheit legten und die ihre Mitarbeiter mitentscheiden ließen, über das Warenangebot zum Beispiel. Hier fühlten sich die Kunden wohl, hier genossen sie ihren Einkauf. Zu Schlecker gingen sie nur noch, wenn nichts anderes in der Nähe war. Denn Schlecker - das war lange der große Trumpf des Marktführers - war immer in der Nähe.

Diesen Vorteil wollte Schlecker nutzen: Anfang 2011 gab die Kette ihr neues Konzept mit dem Namen Fit for Future bekannt, einher ging ein modernisiertes Logo und der neue Slogan: «For You, Vor Ort». Damit wollte die Geschäftsführung den Vorteil der vielen kleinen Geschäfte betonen. Doch statt Anerkennung erntete Schlecker viel Häme wegen des Deutsch-Englisch-Gemischs. Als bekannt wurde, dass Schlecker endgültig vor der Pleite stand, machte bei Twitter schnell der nächste Slogan die Runde: «For You, Vor Ort, Vor Bye».

Die Einsicht, nicht mehr zeitgemäß zu sein, kam bei Schlecker jedenfalls zu spät. Die Drogeriekette steht allerdings nicht allein da. Klicken Sie sich durch unsere Fotostrecke mit weiteren Beispielen von Traditions-Unternehmen, die untergegangen sind.

wam/bas/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Exniel
  • Kommentar 3
  • 27.11.2013 08:38

Cooler Beitrag :D

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  • hpklimbim
  • Kommentar 2
  • 27.01.2012 14:03

Bei Schlecker und Real wird wohl auch der Irrtum offenbar, dass alles immer unter streng wirtschaftlichem Aspekt betrachtet werden muss. Hirngespinste wie die kurzfristige Erfolgsrechnung tragen das ihre zum Scheitern fragwürdiger Modelle bei. Bei Schlecker ist, wie K1 schon richtig festgestellt hat, das Einkaufen wegen der räumlichen Enge ungemütlich und auch unübersichtlich. Der Geist des Hauses als unerwünschter Begleiter beim Shoppen.

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  • shiophan
  • Kommentar 1
  • 27.01.2012 13:39

Leider sind die Schlecker Märkte zu eng, um sich um zu sehen, wenn mehrere Kunden im Laden sind. Es ist ungemütlich in dieser Atmosphäre ein zu kaufen.

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