Rohstoffe Wem gehören Deutschlands Schätze?

Kupferschiefer Lausitz GmbH beginnt mit seismischen Untersuchungen in der Lausitz (Foto)
Ein Mechaniker, der bei Spremberg den Untergrund seismisch untersucht. Die Untersuchungen sollen die Anordnung der verschiedenen Gesteinsschichten sichtbar machen, um einen optimalen Standort für die Schächte der geplanten Kupferschiefer-Bergwerke zu ermi Bild: ddp

Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Durch steigende Rohstoffpreise geraten Quellen in den Fokus, die jahrelang wegen zu hoher Abbaukosten als uninteressant galten. Auch in Deutschland schieben sich wieder neue Schächte in die Tiefe. Doch wem gehören die Schätze eigentlich?

In 1000 Meter Tiefe ist er verborgen: der Schatz von Spremberg. Mehrere Millionen Tonnen Kupfererz sollen unter der Erde an der Grenze zwischen Südbrandenburg und Ostsachsen liegen. Dieses Lausitzer KupferrevierDabei handelt es sich um ein 22,7 Quadratkilometer großes Feld in den sächsischen Gemeinden Schleife, Weißwasser, Trebendorf und Groß Düben (bei Spremberg). Es ist von einem Lagerstätteninhalt von 1,85 Millionen Tonnen Kupfer auszugehen. ist nach heutiger Erkenntnis vieler Geologen eins der größten Bodenschatzvorkommen Europas.

Neu ist es indes nicht. Bereits zu DDR-Zeiten waren die immensen Kupfererzbestände bekannt. Nur war der Abbau damals selbst für die rohstoffarme kommunistische Volksrepublik zu teuer, und so wurde das Kupfer jahrelang liegengelassen. Und das, obwohl man in unmittelbarer Nachbarschaft komplette Dörfer wegen der Braunkohle umsiedelte.

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Doch mittlerweile sind die Rohstoffpreise für Kupfer quasi durch die Decke gegangen. Kostete eine Tonne des matt glänzenden Metall, der als wichtiges Material in der industriellen FertigungKupfer ist als relativ weiches Metall gut formbar und zäh. Als hervorragender Wärme- und Stromleiter findet es vielseitige Verwendung. Kupfer wird in der Elektro- und allgemeinen Installationstechnik, für Präzisionsteile, Münzen, Essbesteck, Kunstgegenstände, Musikinstrumente und vieles mehr verwendet. gilt, vor zehn Jahren noch unter 2000 Dollar, ist der Preis mittlerweile auf mehr als 9000 Dollar pro Tonne gestiegen.

Diese hohen Preise sind der Grund dafür, dass internationale Investoren auf die ansonsten von Wegzug und Arbeitslosigkeit geplagte Lausitz aufmerksam wurden. Letztlich bekam die Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL), eine hundertprozentige Tochter des amerikanischen Minenkonzerns Minera, die Schürfrechte erteilt und konnte erste Probebohrungen durchführen.

Mittlerweile wird bereits konkret geplant. Mit dem Beginn der Bauarbeiten der beiden Schächte rechne man spätestens Anfang 2013, sagt eine KSL-Sprecherin auf Anfrage. Von 2017 an bis 2051soll dann Kupfererz gefördert werden.

Wem die Rohstoffe gehören

Die geplante Kupfermine bei Spremberg ist nicht die einzige neue Rohstoffquelle, die in den nächsten Jahren erschlossen wird. Auf der Liste von Peter Horler, Experte beim sächsischen Oberbergamt in Freiberg, stehen allein für Sachsen 13 Vorkommen, zu denen Unternehmen erkunden und später theoretisch eine Förderung möglich ist.

Noch weiter als in Spremberg sind die Investoren bei einer Rohstoffquelle in der Nähe des Ortes Niederschlag im Erzgebirge vorgedrungen. Bereits ab dem kommenden Jahr plant dort das Unternehmen Erzgebirgische Fluss- und Schwerspatcompagnie Geos GmbH aus Halsbrücke Flussspat und Schwerspat zu fördern.

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Nun stellt sich die Frage: Wem gehören die Rohstoffe eigentlich? Die Antwort: «Die bergfreien BodenschätzeDazu zählen neben Metallerzen wie Eisen-, Kupfer-, Blei-, Zinkerze und Gold auch Energierohstoffe wie Kohlen, Kohlenwasserstoffe und Erdwärme sowie Industrieminerale wie Flußspat, Graphit, Lithium und Phosphor. gehören weder dem Grundeigentümer noch dem Staat, sie gehören also nicht zum Grund und Boden», so Bergbauexperte Horler. Das gelte, egal wie tief die Bodenschätze liegen. «Es ist egal, ob sich ein Erzgang zwei Meter unter der Rasenkante befindet oder in 1000 Meter Tiefe.»

Voraussetzung für den Abbau ist demnach nur eins: Für die Vergabe einer Bergbaukonzession muss ein Unternehmen ein geeignetes Arbeitsprogramm nachweisen und glaubhaft machen, dass es genügend Geld für die nötigen Investitionen aufbringen kann. So kostete nur eine der drei bisher durchgeführten Probebohrungen nach Angaben von KSL eine Million Euro. Insgesamt wird sich die Investition für die Schachtbohrungen und die Förderanlagen auf etwa 700 Millionen Euro belaufen.

Falls die Rechnung aufgeht und ab 2017 bei Spremberg wirklich tonnenweise Kupfererz gefördert werden sollte, hätte sich das Risiko für KSL gelohnt. Auf Anfrage wollte das Unternehmen zwar aufgrund der schwankenden Rohstoffpreise keine Auskunft über mögliche Gewinnaussichten geben. Aber laut eines Artikels in der Zeitschrift Die Zeit aus dem Jahr 2010 sind die Kupfervorkommen knapp 15 Milliarden Euro wert. Dazu kommen demnach noch etwa 25 Spezialmetalle wie Gold, Silber, Platin oder Blei. Geschätzter Wert: weitere 20 Milliarden Euro.

Falls ab 2017 in Spremberg wirklich Kupfererz gefördert werden sollte, hat sich das Risiko gelohnt. Die Bundesländer könnten dann eine FörderabgabeNach § 31 Absatz 2 Bundesberggesetz beträgt der gesetzliche Regelsatz der Förderabgabe 10 Prozent des Marktwertes der gewonnenen Bodenschätze. Dies gilt auch dann, wenn aus dem Bergbaubetrieb kein finanzieller Gewinn erzielt wird. bis zu zehn Prozent vom Wert des gewonnenen Metalls erheben, sagt Peter Horler. Bei diesem Vorhaben würde das Geld teilweise Brandenburg und teilweise Sachsen zufließen. Doch nach Angaben des Freistaates Sachsen ist eine derartige Abgabe aufgrund «volkswirtschaftlicher Belange» gegenwärtig nicht geplant.

Aber die Region würde noch aus einem anderen Grund profitieren: «Wenn das Unternehmen dort seine Niederlassung hat, wird es Unternehmenssteuern zahlen», so Horler. «Auch nicht zu verachten sind die Einkommenseffekte, die in der strukturschwachen Region besonders wirken. Das Bergwerk plant unter Volllast mit etwa 1000 Arbeitsplätzen. Wir gehen davon aus, dass ein direkter Arbeitsplatz im Bergbau rechnerisch etwa 1,4 Folgearbeitsplätze im Umfeld mit sich bringt, weil Bergbauunternehmen regelmäßig viele Dienstleistungen nachfragen.»

Wo in Deutschland Rohstoffe gesucht werden

Aufgrund der hohen Rohstoffpreise werden derzeit in Deutschland vielerorts neue Quellen erkundet. In den letzten Jahren sei von den Bergämtern der Bundesländer für diverse Regionen wie zum Beispiel Erzgebirge und Harz Erlaubnisse zur Aufsuchung von Bodenschätzen erteilt worden, sagt Torsten Graupner, Pressesprecher der Deutschen Rohstoffagentur (DERA).

Es sind aber nicht nur die Metalle, die bei Investoren in den Fokus geraten sind. Auch die Energierohstoffe werden immer wichtiger. «Die DERA hat im Auftrag der Bundesregierung aktuell damit begonnen, die Potenziale an Erdöl und Erdgas in Tonstein zu ermitteln. Mit den abschließenden Ergebnissen ist Mitte 2015 zu rechnen», erklärt Torsten Graupner.

Die ersten Projekte nehmen dabei bereits konkrete Formen an: «Gasaktivitäten sind heute insbesondere in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu beobachten, die Suche nach Tight-GasFest in Lagerstätten eingeschlossenes Erdgas. findet wesentlich in Nordrhein-Westfalen statt», sagt Hubertus Bardt, Rohstoffexperte vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Rohstoffe in Deutschland abgebaut werden

Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat Deutschland im Jahr 2009 mineralische und Energierohstoffe im Wert von 17,5 Milliarden Euro produziert. Bei Braunkohle ist Deutschland demnach sogar der weltgrößte Produzent und kann den Eigenbedarf vollständig decken.

Gegenwärtig werden etwa drei Millionen Tonnen Erdöl pro Jahr gefördert. Das deckt etwa 2,5 bis drei Prozent des deutschen Bedarfs. Importiert werden die restlichen 100 Tonnen Erdöl vor allem aus Russland, Nordeuropa und dem arabischen Raum. Die Erdölförderung in Deutschland konzentriert sich auf die Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Bei Metallerzen, Phosphat, Graphit und Magnesit importiert Deutschland ebenfalls nahezu 100 Prozent. 84 Prozent des Erdgases werden aus dem Ausland bezogen und bis zu 72 Prozent der Steinkohle. Weiterhin bestehen laut BGR hohe Importabhängigkeiten bei zahlreichen Industriemineralen und Metallraffinadeprodukten.

Bei den Raffinadeprodukten wie Blei, Kupfer, Aluminium und Zink kann Deutschland dagegen auf hohe Recyclinganteile zurückgreifen, welche die Importabhängigkeit reduzieren.

 

 

kra/ivb/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Henry LEWY-CULLMANN
  • Kommentar 2
  • 21.11.2013 22:28

Alle Rohstoffe dieser Erde gehören allen Menschen dieser Erde. Die Bürger dieser Erde werden ab jetzt alle Rohstoffe unter ihre Kontrolle bringen. Wir beginnen mit den metallischen Rohstoffen, die als erstes unter die Kontrolle aller Bürger dieser Erde kommen, mit den Spargeldern mündiger Bürger erwerben wir die Ressourcen der Erde zurück, denn nur sie bilden die Sicherheit für unser erarbeitetes Geld und sonst nichts. Wir werden nicht mehr dulden, dass Minenkonzerne unser Eigentum verscherbeln und die Bürger für die Fertigprodukte auch nochmals die Rohstoffe bezahlen, die unser Eigentum sind.

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  • Molor
  • Kommentar 1
  • 24.03.2012 22:30

Der Machenschaften der staatlichen Betrügerein haben das Ausmaß längst überschritten einfach alles zu ihren Besitz nehmen wie Wälder Grundstücke Rohstoffe die dann den Armen wieder alsGrund Strom ect. verkauft wird, selbst auf Privatgrundbesitz nehmen diese Betrüger keine Rücksicht aber selbst Raubbau treiben wie die größten Schwe...das Volk hat die klappe zu halten.Wie leben bereits in einer kapitalistischen Diktatur mehr auch nicht.

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