Strom aus Sonne Die Photovoltaik-Lüge

Photovoltaikanlage auf dem Gelände des Aluwerks in Hettstedt (Sachen-Anhalt). (Foto)
Photovoltaikanlagen, wohin man schaut. Wie hier auf dem Gelände des Aluwerks in Hettstedt (Sachen-Anhalt). Bild: ddp

Von news.de-Redakteur Herbert Mackert
Im Vergleich zu Wasser- und Windkraft ist Solarstrom teuer und wenig effizient. Doch in der Branche klingeln die Kassen. Bezahlen muss es der Stromkunde über höhere Kilowattpreise. Reden wir uns die angeblich klimaschonende Photovoltaik schön?

Seit dem Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000 freuen sich Deutschlands Solarunternehmen über traumhafte Wachstumsraten und Renditen. Die Produktion von Photovoltaikzellen hat sich seit 2004 in Deutschland vervierfacht. Das Münchner Ifo-Institut rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatz der Branche von rund zehn Milliarden Euro.

Die Kehrseite des Booms aber sind Milliarden von Subventionen, die am Ende die Kunden über ihre Stromrechnung bezahlen. Die auf Solarenergie spezialisierte Beratungsfirma Photon Consulting hat ausgerechnet, dass durch das EEG rund 100 Milliarden Euro in die Photovoltaik gepumpt werden.

Trotz der vielen Steuermilliarden bewegt sich der Anteil des Solarstroms am gesamten Stromverbrauch in Deutschland nur bei rund einem Prozent. Alle erneuerbaren Energien zusammen (also Wind, Biomasse, Wasser, Sonne und Erdwärme) erreichten laut Bundesumweltministerium einen Anteil von 16,3 Prozent an der Gesamtstromerzeugung.

Wirkungsgrad von zehn Prozent


Im Vergleich zu Wasser- und Windkraft ist Solarstrom immer noch wenig effizient und teuer. Photovoltaikzellen erzielen einen Wirkungsgrad von durchschnittlich zehn Prozent, das heißt ein Zehntel der Sonnenenergie wird in elektrische Energie umgewandelt. Im Vergleich zu Windkraftanlagen (zwischen 70 und 85 Prozent) und Wasserkraftwerken (90 Prozent) ein klarer dritter Platz.

Der Ulmer Umweltexperte und Informatik-Professor Franz Josef Radermacher sieht die Solareuphorie der Deutschen kritisch. «Photovoltaikanlagen sind immer noch viel zu teuer, für das, was sie an Strom bringen», betont er im news.de-Gespräch. Zudem trügen die vielen Photovoltaikzellen auf Scheunendächern und Eigenheimen nichts zur Vermeidung des Klimakillers Kohlendioxid bei. «Unter dem europäischen Klimaregime trägt diese Technologie überhaupt nicht zur Reduktion von CO2-Emissionen bei.» Über den Zertifkatehandel bewirkten die Anlagen indirekt sogar, dass die durch Solarstromanlagen hierzulande frei werdenden Zertifkate für alte Kohlekraftwerke in anderen EU-Ländern genutzt würden.

Der Photovoltaik-Frust


Inzwischen sei ein «ziemlicher Frust» über die Technologie entstanden, glaubt Radermacher. «Ich kenne eine Unmenge von Leuten, die ihr Dach mit Photovoltaik vollpflastern, um an die garantierten Summen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zu kommen.» Bezahlen müsse diese «Cashmaschine» die Allgemeinheit über höhere Strompreise. Radermacher: «Das trifft im Zweifelsfall die Hartz-IV-Empfänger. Und das Weltklimaproblem wird damit nicht gelöst.»

Statt in die Produkte hätte man nach Radermacher besser mehr in die Forschung investiert, um die Photovoltaik effizienter zu machen. Ein wirtschaftlich sinnvoller Einsatz der Solarenergie sei dagegen die Warmwasseraufbereitung. «Wir verbrauchen unheimlich viel Strom, nur um Wasser aufzuheizen. Das ist ein guter Ansatz», so Radermacher, der seit 2002 Mitglied im Club of RomeDer Club of Rome ist eine nichtkommerzielle Organisation, die einen globalen Gedankenaustausch zu verschiedenen internationalen politischen Fragen betreibt. Die Organisation hatte ihren Sitz zunächst in Hamburg, seit 2008 im schweizerischen Winterthur. ist.

Kalifornien statt Kaiserslautern


Für erneuerbare Energien sei der richtige Standort das A und O. Für die Solarenergie ist das eben eher Südspanien und Afrika denn Deutschland, Kalifornien statt Kaiserslautern. Das Credo der Ökostrombranche von der besseren dezentralen Energieversorgung teilt Radermacher nicht: «Wir sind in Europa im Energiebereich noch sehr kleinräumig organisiert. Ganz nach dem Motto: ‹small is beautiful›». Unter Kosten- und Klimagesichtspunkten aber seien die zahllosen Photovoltaikkollektoren im sonnenarmen Deutschland «nicht zielführend».

Solarexperte Dierk Bauknecht vom Freiburger Öko-Institut verteidigt dagegen die üppigen Solar-Subventionen: «Es ging dabei nicht nur darum, Strom in Deutschland zu produzieren. Es ging immer auch um den Aufbau einer innovativen Industrie mit großem Exportpotenzial», sagt er auf news.de-Anfrage. Aber auch er räumt ein: Bei der Stromproduktion werde die Solarenergie immer im Schatten der Windenergie und der Biomasse bleiben.

Die Energie der Zukunft, um die bis zur Jahrhundertmitte auf zehn Milliarden anwachsende Menschheit zu versorgen, sieht der 60-jährige Energiepapst Radermacher in Solarkaftwerken gigantischen Ausmaßes wie dem Desertec-Projekt in der Sahara-Wüste oder dem derzeit weltgrößten Sonnenpark in Kalifornien.

Für schlappe sechs Milliarden Dollar (gut vier Milliarden Euro) errichtet dort auf einer Fläche von 4000 Fußballfeldern das Erlanger Unternehmen Solar Millennium eine Anlage, die mit fast 1000 Megawatt so viel Strom produziert wie ein Atommeiler. Dabei werden Sonnenstrahlen mit Parabolspiegeln gebündelt und in langen Glasröhren Wasser zum Kochen gebracht. Der Dampf treibt Turbinen an. Mit der selben Technik sollen bei Desertec in der afrikanischen Wüste große Kraftwerke entstehen. «Darin liegt ein enormes Entwicklungspotenzial nicht für Nordafrika, sondern auch für den Klimaschutz», betont Radermacher.

Lesen Sie im news.de-Interview mit Professor Radermacher, wo beim Desertec-Projekt die Schwierigkeiten liegen und welches Potenzial Aufwindkraftwerke haben.

Rohstoff Sonne
Die Kraft von oben

jag/ivb/news.de

Leserkommentare (19) Jetzt Artikel kommentieren
  • xdfhh
  • Kommentar 19
  • 20.11.2012 19:50

ERSTENS!!!! Beim PV Strom fallen keine VErluste bei der VErteilung und der Speicherung an wie bei Windenergie, da Erzeugungs=VErbrauchsort. ZWEITENS!!! Senkt PV Strom den Börsenpreis am Spotmarkt, da Spitzenlasterzeuger. ( Die großen EVU profitieren bei ihren Börsenshoppings davon, leiten die VErgünstigung aber nicht weiter) DRITTENS!!! PV-Zellen entwickeln sich noch ihr Pe......er!!! Die Preise fallen exponentiell und die Wirkungsgrade steigen fast linear!! Jedes Schrottdünnschichtmodul hat heut 12% Wirkungsgrad! VIERTENS Wer heult immer wegen steigenden Spritpreisen rum? TUT WAS

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  • pewu
  • Kommentar 18
  • 14.02.2012 16:26
Antwort auf Kommentar 16

das mag sein, das der Strom teuerer geworden ist. Die Konzerne/ Staat erzählen uns nicht was: die bisherigen Atommülllager, Atommülltransporte, Abriss und Entsorgung der Meiler etc. kosten. Hier bezahlt der Steuerzahler in Zukunft über Jahrhunderte die sichere Lager-Entsorgung. Die Stromkonzerne sind schnell vom ACKER siehe Japan wenn Schaden auftritt,oder werden verkauft.Hier geht es nur um Gewinn. Wichtig ist Stromsparen, es muss nicht den Ganzen Tag in der Wohnung/Büro Licht brennen, der Fernseher, das Radio laufen! Die Gemeinden/ Wirtschaft könnte viel Strom sparen bei Werbung/Beleuchtung

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  • pewu
  • Kommentar 17
  • 14.02.2012 16:13

Sonnenenergie spart: - Warmwasserbereitung für 2 Pers.April bis Oktober ohne Gas.Im Sommer( Berlin)bei Abwesenheit Gefahr der Überhitzung, Anlage schaltet bei 90grad ab. -als Versuch habe ich ein Solarpaneel mit 2 Autobatterien installtiert,für Teichpumpe zur Zeit ausreichend. Plane Dach mit ca. 25 qm Photovoltaik zu bestücken(ohne Kreditaufnahme).Nutzen abhängig von zukünftigen Strompreisen. M.E.Ballungsgebieten kein Problem mit Wütbürgern mit Stromnetzen, Eigenverbrauch + Einspeisung Keiner Kritiker macht eine Gegenrechnung über Umwelt- schäden bei ATOM, Kohle etc. die zahlen Steuerzahler

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